Neue CD-Kritiken

Neue CD-Kritiken

 

Hier findet Ihr die neuesten CD-Kritiken der letzten Updates. Über Musik lässt sich nicht streiten, nur diskutieren. Deswegen bitte bitte keine beleidigenden Mails mehr, nur weil ich Eure Lieblings-CD schlecht kritisiert habe. Das hier ist AUSSCHLIESSLICH MEIN Musikgeschmack (bzw. natürlich der Geschmack meiner Co-Kritiker). Ich halte Euch ja auch nicht für blöd, nur weil Ihr Helene Fischer oder Andrea Berg gut findet. Schickt mir dann lieber eine Gegen-Kritik als TXT-Datei. Die wird dann selbstverständlich auch veröffentlicht.

Und wer Schreibfehler findet darf sie behalten !!

 

01.10.2017

05.11.2017

17.02.2018

Angel Nation - Tears Of Lust

Blind Ego - Liquid Live

Arilyn - #eraser

Eloy - The Vision, The Sword And The Pyre Part I

Boscher, Xavier - Embryogenesis

Damnation Angels - Bringer Of Light

End Of The Dream - Until You Break

Delain - A Decade Of Delain Live At Paradiso

Dark Element, The - The Dark Element

Exit Eden - Rhapsodies In Black

Fúgú Mango - Alien Love

Echo Us - To Wake A Dream In Moving Water

Marillion - Misplaced Childhood

Gilmour, David - Live At Pompeii

Evanescence - Synthesis

Talinka - Talinka

Katinka - Der Sinn im Unsinn

Hackett, Steve - Wuthering Nights: Live In Birmingham

Threshold - Legends Of The Shires

Killerhertz, The - A Mirror’s Portrait

Innerspace - Rise

 

Lesoir - Latitude

Magnum - Lost On The Road To Eternity

 

Panzerballett - X-Mas Death Jazz

Sons Of Apollo - Psychotic Symphony

 

Schizofrantik - Ripping Heartaches

Vantomme - Vegir

 

Security Project - Contact

 

 

Serenity - Lionheart

 

 

Serious Black - Magic

 

 

Superscream - The Engine Cries

 

 

Vuur - In This Moment We Are Free - Cities

 

 

Wingfield / Reuter / Sirkis - Lighthouse

 

 

Angel Nation (eigentlich Enkelination)- Tears Of Lust (VÖ:21.07.2014)
Angel Nation ist eine relativ neue Band um die Leaves’ Eye - Sängerin Elina Siirala, die 2016 dort den Job von Liv Kristine übernommen hat. ‘Tears Of Lust’ wurde 2014 noch unter dem Band-Namen Enkelination (finnisch für Angel Nation wahrscheinlich) aufgenommen, mittlerweile hat man sich aber fanfreundlich in etwas einfacheres umbenannt.
Richtig angenehm an ‘Angel Nation’ finde ich, dass sie sich nicht in das Symphonic-Metal-Genre zwängen, sondern eher im Melodic Metal angesiedelt sind. Damit müssen sie sich nicht den Vergleichen zu Genre-Größen wie Delain, Epica, Within Temptation oder auch (in Teilen) Nightwish stellen. Die komplette Scheibe kommt ohne Bombast und übertriebene Keyboard-Teppiche aus und ist handwerklich richtig gut gemacht. Eingängige Melodien, angenehme Härte und ein außergewöhnlich guter Gesang. Hier merkt mann, dass Elina Siirala eine klassische Gesangsausbildung genossen hat. Einige Songs haben richtigen Ohrwurmcharakter, einige wenige möchte ich als durchchnittlich bezeichnen. Und auch wenn ‘Angel Nation’ den Melodic Metal nicht neu erfunden haben, hat die Band absolut ihre Daseinsberechtigung. Toller Gesang, gute Musiker, schöne eingängige Melodien. Was will man mehr?
Ende Oktober kommt übrigens eine neue Studio-Veröffentlichung auf den Markt. Mal sehen ... vielleicht gibt es dann hier wieder eine Review.

Arilyn - #eraser (VÖ:24.11.2017)
Die Band aus Ludwigshafen verfolge ich schon seit 2002 und ihrer CD ‘Tomorrow Never Comes’, die damals noch bei QuiXote veröffentlicht wurde. Damals noch als Space-Rock beschrieben, haben sich ‘Arilyn’ im Laufe der vielen Jahre richtig weiterentwickelt und bis zum letzten Werk ‘Shadows Of The Past’ aus dem Jahr 2013 eher in die härtere und auch proggigere Richtung verändert. Nun also, 4 Jahre später, und wenn man die Live-DVD mitrechnet, Veröffentlichung Nummer 6.
Schon der Opener ‘Eraser’ haut mich schon fast ein bißchen aus dem Sessel. Ein richtig geiler Song. Keyboard am Anfang, dann ein bißchen Gitarre dazu, ziemlich flott alles. Und dann der Gesang von Bassist Christian Külbs, der immer noch eine totale Ähnlichkeit mit Midge Ure in seiner Stimme hat. Gepaart mit einer Melodie und einem Refrain der einem nicht aus dem Kopf geht. Sensationell guter Song. Proggiger und getragener folgt dann ‘The Temple’, auch wieder mit einer genialen Gesangslinie. Ähnlich dann das nächste Stück ‘Resist’. Die Jungs haben echt ein gutes Händchen für Melodien. Ein bißchen spaciger kommt dann ‘Coming Back To Life’ daher, was vor allem an den Keyboards liegt. Aber auch die Gitarre darf endlich mal ein bißchen wimmern. Schönes Solo.
Weitere Songs einzeln zu erwähnen, ist eigentlich Zeitverschwendung, denn wirklich alle Songs haben ein herausragend hohes Niveau. Etwas aus der Reihe tanzt vielleicht ‘Special’, das ziemlich rockig und straight ist und ‘Shattered Pieces’, das ich mal als das proggigste Stück auf der CD bezeichnen möchte. Und dann gibt es am Schluss noch sowas wie eine Quoten-Ballade. ‘With Love’. Ein Song der eine ganz andere Seite von Arilyn zeigt. Richtig schön.
Fazit: Mit ‘#eraser’ haben es Arilyn mal wieder geschafft, mich zu begeistern und ich kann hier nur eine absolute Kaufempfehlung aussprechen. Mehr Infos über die Band gibt es auf ihrer Homepage

Blind Ego - Liquid Live (VÖ:10.11.2017)
Bereits seit über 10 Jahren besteht das Solo-Projekt ‘Blind Ego’ von RPWL-Gitarrist Kalle Wallner. Und somit ist es endlich mal Zeit für einen Live-Output. Mir liegt nur die Live-CD, aufgenommen beim dem Night Of The Prog - Festival 2017 auf der Loreley, vor, es gibt aber einen Digipack mit dieser CD und einer DVD (aufgenommen im Logo in Hamburg).
Als Mit-Musiker waren Scott Balaban (Gesang - war oder ist bei Amon Ra ... kann mich aber auch täuschen), Julian Kellner (Gitarre - Dante), Sebastian Harnack (Bass - Sylvan) und Michael Christoph (Drums - den kennt man noch unter seinem Mädchen-Namen ... haha ... was für ein Wortwitz ... Michael Schwager von Dreamscape) auf der Bühne. Somit also die halbe Combo die auch das letzte Studio-Werk ‘Liquid’ eingespielt hat.
Wie der Name der CD schon verspricht, lag das Hauptaugenmerk des Konzerts auf dem letzten Studio-Album ‘Liquid’. Nicht weniger als 7 von 9 Stücken des Albums wurden gespielt. Daneben noch 2 Songs vom Erstlingswerk ‘Mirror’ und ein Song vom zweiten Album ‘Numb’. Ich war dieses Jahr leider nicht auf der Loreley (übrigens ein sehr zu empfehlendes Festival), daher kann ich hier nur ‘Gerüchte’ weitergeben, dass ausgerechnet bei dem Song ‘Never Escape The Storm’ ein fettes Unwetter runter gegangen ist. Lustig ist daher die Ansage von Scott Balaban danach (You write songs about storm ... you gotta write songs about sunshine).
Über die Musik von Blind Ego habe ich ja mit meinen 3 Reviews zu den Studio-Veröffentlichungen schon genug geschrieben. Wer die CDs nicht gekauft hat ist echt selbst schuld. Deswegen möchte ich auf die einzelnen Songs gar nicht eingehen. Ein Highlight herauszupicken ist aber richtig schwierig. Man merkt von der ersten Minute, wie viel Spaß die Jungs bei der Arbeit haben und die 73 Minuten vergehen wie im Flug. Alle Songs werden knackig und erdig vorgetragen, teilweise ein bißchen abseits der Studio-Versionen. Aber genau das macht ja auch eine Live-Veröffentlichung aus. Richtig cooles Konzert und es ärgert mich, nicht dabei gewesen zu sein. Für Leser meiner Seiten die die Band noch nicht kennen ein hervorragender Einstieg in die Musik-Welt von Blind Ego. Fans der Band werden die Scheibe eh blind kaufen und machen damit nichts falsch. Veröffentlicht natürlich beim Haus-Label Gentle Art Of Music.

Boscher, Xavier - Embryogenesis (VÖ:24.11.2017)
Der Süd-Franzose ‘Xavier Boscher’ ist auf meinen Seiten schon mehrfach vertreten. Zuerst mit seinem Prog-Metal-Projekt ‘Nebuleyes’ und danach (Oktober 2016) auch mit seinem Solo-Werk ‘Pentagramme’. Diese CD fand ich zu Beginn nicht sehr prog-relevant, die letzten (längeren) Stücke waren aber glücklicherweise doch sehr proggig.
Ziemlich genau ein Jahr später legt Xavier Boscher nun sein nächstes Werk ‘Embryogenesis’ vor. Und es beginnt mit dem Song ‘Cornucopia’ sehr überraschend doch wieder recht rockig / proggig. Schöner Keyboard-Teppich, wenig Text, viel gefühlvolle Gitarren-Arbeit aber trotzdem eine angenehme Grund-Geschwindigkeit. Ein richtig schöner Einstieg. Auch ‘Illumination’, obwohl nur knapp 4 Minuten lang, überzeugt mich sehr. Wieder Keyboard-Teppich im Hintergrund und die Melodie-Linie mit der Gitarre. Mal sanft, mal richtig rockig. Xavier Boscher beherrscht sein Handwerk unbedingt. Dieses Mal rein instrumental. Dann der erste längere Song. Über 7 Minuten ‘Female Architecture’. Geile Breaks, Harte E-Gitarren, danach ein leicht jazziger Part, dann wieder Bombast, akustische Gitarre, danach richtig getragen und bombastisch. Es folgt ein bißchen Chaos um am Schluss bombastisch und melodisch enden. Das Ganze auch wieder rein instrumental. ‘Timelessness Kingdom’ ist dann nicht ganz so abwechslungsreich aber zwischendurch richtig rockig mit geilem langem Gitarren-Part. Auch instrumental. Das 4-minütige ‘Hybrid’ möchte ich dann fast nur als kleines Zwischenstück bezeichnen. Denn danach geht es erst richtig zur Sache. ‘Blastocyst’ - 9 Minuten lang - ist ein richtiger Rocker, auch hier wieder mit einigen Tempo-Wechseln, um dann nach gut 4 Minuten plötzlich sphärisch und akustisch zu werden. Dauert aber nur ne Minute, dann wird das Grund-Thema wieder aufgenommen und der Song rockt sich bis zum Ende. Ziemlich geiles Stück Musik. Das folgende ‘Cells’ (zusammen mit Jean-Jacques Moreac von der Band Misanthrope) ist am Anfang leicht jazzig angehaucht, wird im Mittelteil aber auch ziemlich rockig, dann wieder jazzig um im Bombast zu enden. Mit 9 1/2 Minuten folgt dann ‘0 Negative’, und das ist Instrumental-Prog at it’s best. Hammer Song. Und nein, das war noch nicht das Highlight. Denn es fehlt noch das Titel-Stück mit fast 20 Minuten. Unglaublich und Unvergleichlich. Keine Sekunde langweilig. Akustisch, elektrisch, getragen, schnell, heavy, bombastisch und manchmal spielt sich Xavier Boscher fast in Extase.
Mit ‘Embryogenesis’ ist Xavier Boscher ein kleines Meisterwerk des intstrumentalen Prog gelungen. Wer sich dieses Teil nicht zulegt ist echt selbst Schuld. Das Album kann direkt über seine Homepage als digitaler Download oder physische CD erworben werden. Essentiell !!!

Damnation Angels - Bringer Of Light (VÖ:22.02.2013)
Im Rahmen der letzten Tour von Threshold (Dezember 2017) war unter anderem die Band ‘Damnation Angels’ im Vorprogramm. Leider war beim Merchandising die neueste CD schon ausverkauft (was vieles über die Qualität der Band sagt), so musste ich mich mit ‘Bringer Of Light’ aus dem Jahr 2013 begnügen. Trotzdem wollte ich ein paar Worte über die Band verlieren. Auf der vorliegenden Scheibe singt noch Per Fredrik Asly, mittlerweile wurde er durch den mehr als guten und charismatischen Ignacio Rodriguez ersetzt, der mich auf dem Konzert 2017 so richtig überzeugt hat. Musikalisch bewegen sich, entgegen dem auf dem Konzert auftretendem Haupt-Act Threshold, nicht etwa im Prog-Metal-Bereich sondern decken eher den Symphonic Power Metal ab. Als Label-Kollegen von Threshold durften sie sich wohl der Metal-Gemeinde etwas bekannt machen. Als wahre Song-Perlen entpuppen sich die beiden Long-Songs ‘The Longest Day Of My Life’ (10 Minuten) und der Schluss-Track ‘Pride’ (ebenfalls über 9 Minuten lang). Symphonisch, fette Gitarren-Riffs, tolle Melodielinien, geniale Refrains. Was will man mehr. Beide Songs wurden auch auf dem Konzert gespielt (soweit ich mich noch erinnern kann) und kamen durchweg noch härter rüber als auf der Studio-CD. Ich prophezeie der Band mal viel Erfolg, wenn sie in dieser Richtung weiter machen und freue mich einfach mal auf eine Headliner-Tour. Eine halbe Stunde Vorprogramm waren definitiv zu wenig.

Dark Element, The - The Dark Element (VÖ:10.11.2017)
Anette Olzon, bekannt von Alyson Avenue oder noch eher als Ex-Sängerin von Nightwish, war lange in der musikalischen Versenkung verschwunden. Lediglich in den sozialen Netzwerken (z.B. Instagram) war sie weiterhin als Bloggerin aktiv. Nun hat sie sich mit dem früheren Sonata Arctica Gitarristen Jani Liimatainen zusammengetan und unter dem Namen ‘The Dark Element’ eine neue CD raus gebracht. Und was soll ich sagen ... so würde Nightwish vielleicht heute klingen, wenn sie nicht in Richtung Filmmusik abgedriftet wären. Naja ... nicht ganz ... so viel Symphonic Metal steckt gar nicht in ‘The Dark Element’. Es sind eher leicht symphonisch angehauchte Metal-Kracher, die teilweise richtig Ohrwurmcharakter haben. Einige Songs muss man unbedingt heraus heben, weil sie einem nicht mehr aus dem Kopf gehen. Da wäre z.B. ‘Dead To Me’ (was für ein genialer Text) und ‘The Ghost And The Reaper’ aus der härteren Fraktion sowie ‘Someone You Used To Know’ oder ‘Heaven Of Your Heart’ wenn man eher auf bombastische Balladen und Herz-Schmerz steht. Aber auch die restlichen Songs sind durchaus gut und abwechslungsreich. Wie ich finde ein gelungenes Debut der Band und ich hoffe da kommt noch mehr. Dass Anette Olzon eine gute Stimme hat (die eigentlich nie richtig zu Nightwish gepasst hat) muss ich glaube ich nicht weiter erwähnen.

Delain - A Decade Of Delain Live At Paradiso (VÖ:27.10.2017)
10 Jahre Delain. Grund genug für ein Jubiläums-Konzert im Paradiso in Amsterdam. Und Grund genug, das Jubiläum mit ein paar Gästen auf der Bühne (und der Video-Leinwand) zu feiern. Tolle Song-Auswahl (immerhin 22 Songs von ganz alt bis ganz neu wurden gespielt) und mit Alissa White-Gluz, Burton C. Bell, Rob van der Loo, Sander Zoer, Guus Eikens, George Oosthoek sowie Liv Kristine war ein illustre Runde mit am Start. Marco Hietala (Nightwish) wurde per Video-Leinwand zugeschaltet. Sicher insgesamt ein tolles Erlebnis für die Besucher des Konzerts.
Über Delain brauche ich glaub nicht mehr viel zu schreiben. Eine der Speer-Spitzen der Female-Fronted Symphonic Metal und auch das Konzert das ich letzte Woche in München besucht habe (hier war Marco Hietala tatsächlich live anwesend), war wieder richtig gut.
Leider lässt der Sound auf den 2 CDs etwas zu wünschen übrig, auf der DVD und BluRay (ich habe mir die komplette Box besorgt) ist er bedeutend besser. Und die Kameraführung ist auch fast perfekt.
Für Delain-Fans essentiell und für alle die die Band noch nicht kennen ein perfekter Einstieg.

Echo Us - To Wake A Dream In Moving Water (VÖ:29.11.2017)
Bereits das 5. Werk von ‘Echo Us’ ist ‘To Wake A Dream In Moving Water’ und wer meine 4 vorangegangenen Reviews über dieses Projekt von Ex-Greyhaven Musiker Ethan Matthews gelesen hat weiß, dass die Scheiben im Laufe der Jahre immer stärker geworden sind. Und da macht auch das neueste Werk keine Ausnahme. Gleich der Opener ‘Awakening Current’ klingt sowas von genial nach Mike Oldfield in seiner besten Zeit. Tolle Melodielinie von der Gitarre, schöner Keyboard-Teppich im Hintergrund und eine richtige Happy-Feeling-Nummer. Wenn man nicht wüsste dass das Echo Us ist ... man würde unweigerlich auf Herrn Oldfield tippen. Richtig gut gemacht. Auch das folgende Aeriel (Satre Dance) geht grob in die gleiche Richtung, ist aber etwas eigenständiger instrumentiert. Richtig folkig geht es dann mit ‘Begin To Remember VR 1’ weiter, nun auch mit Gesang. Und auch VR2 dieses Songs hat eigentlich einen folkigen Grund-Rhythmus, ist jetzt aber wieder etwas elektronischer. Ziemlich spannende Mischung auf jeden Fall. ‘May Morning Dew’ ist dann eher wieder was für die Oldfield-Freunde. Keyboard-Teppich meets geile Gitarre.
Was dann folgt ist kaum mit Worten zu beschreiben. ‘From The Highlands’, 15 1/2 Minuten lang, beginnt (mal wieder) mit Keyboard und Gitarre, wechselt nach 5 Minuten aber eher in Richtung ‘Enya’ (weiß nicht ob ihr die Dame noch kennt), wird danach wieder ruhig und atmosphärisch, und endet mal wieder in Oldfield-Manier. Richtig cooler Song. Es folgt das nicht minder atmosphärische ‘Doina’ und danach gibt es noch das 15-minütige Titelstück. Wieder typisch Echo Us und am Schluss eine richtig fette Rock-Gitarre.
Fazit: Wer nur im Weitesten mit Mike Oldfield, Vangelis, New-Age, Folk etwas anfangen kann, sollte sich ‘To Wake A Dream In Moving Water unbedingt besorgen. Mehr Infos gibt es auf der Homepage.

Eloy - The Vision, The Sword And The Pyre Part I (VÖ:25.08.2017)
Bereits in den 90er Jahren hat Eloy-Mastermind Frank Bornemann begonnen, ein Konzeptalbum über die französische Nationalheldin Jeanne d’Arc - auch bekannt unter der Bezeichnung die Jungfrau von Orléans - zu entwickeln. Aber erst in letzter Zeit gab es vor allem über die Sozialen Medien diverse Lebenszeichen und Ankündigungen. Und jetzt endlich ist der erste Teil der Saga unter dem Namen ‘The Vision, The Sword And The Pyre’ erschienen. Teil 2 soll dann 2018 folgen.
Musikalisch ist ‘The Sword ...’, wie kann man auch von Herrn Bornemann was anderes erwarten, ein typisches Eloy-Album geworden. Der Opener ‘The Age Of The Hundred Years War’ beginnt gleich ziemlich bombastisch mit Synthie-Teppich, fettem Schlagzeug und der markanten Gitarre von Frank Bornemann. Und spätestens nach 2 Minuten und dem Einsetzten des Sprech-Gesangs weiß man von wem die CD ist. ‘The Sword ...’ ist zum Glück keine klassische Rock-Oper geworden, so wie man das von anderen Bands (Avantasia, Ayreon usw.) kennt, denn Frank Bornemann übernimmt eigentlich sämtliche männlichen Charaktere (mit Ausnahme von 2 Sprech-Passagen die ein gewisser Kai Ritter als Jeannes Vater beisteuert).Kurioserweise wird die Rolle von Jeanne d’Arc von mehrerern Sängerinnen (oder Sprecherinnen) übernommen, nämlich von Alice Merton und Jessy Martens. Außerdem darf noch eine Dame namens ‘Isgaard’ im Song 9 ‘The Prophecy’ säuseln.
Von der Ursprungs-Besetzung (zumindest soweit ich sie kenne ... meine ersten Erfahrungen und Konzertbesuche waren in den 70er Jahren nach der Veröffentlichung von ‘Dawn’ und ‘Ocean’) ist immer noch Bassist Klaus-Peter Matziol dabei. Von den ‘späteren’ Eloy-Veröffentlichungen auch noch Keyboarder Michael Gerlach. Schlagzeuger Kristof Hinz hat Bodo Schopf ersetzt und zusätzlich dabei ist noch ein zweiter Keyboarder namens Hannes Folberth, der 1980 den damaligen Keyboarder Detlev Schmidtchen ersetzt hatte und bis glaube ich 1984 oder 1985 bei Eloy festes Mitglied war.
Insgesamt ist ‘The Sword ...’ von vorne bis hinten ein Eloy-Album ohne Überraschungen aber auch ohne Enttäuschung geworden. Bombastisch, symphonisch, melodisch, manchmal leicht kitschig. Mich als Fan der ersten Stunden der Band überzeugt die Scheibe auf jeden Fall und ich bin froh, dass Frank Bornemann endlich die Zeit gefunden hat, dieses Werk zu veröffentlichen. Und ich freue mich natürlich auf Teil 2 nächstes Jahr.

End Of The Dream - Until You Break (VÖ:11.05.2017)
Gute Bands aus dem Symphonic Metal Genre gibt es eigentlich wie Sand am Meer. Und vor allem aus unserem Nachbarland Niederlande kommen so Größen wie Epica, Delain, oder auch Within Temptation. Genau in diese Kerbe schlagen nun ‘End Of Dream’, die mit ‘Until You Break’ jetzt ihr zweites Studiowerk auf den Markt geworfen haben.
Als Sängerin fungiert Micky Huijsmans, die sich, vorab schon mal bemerkt, hinter den Szene-Platzhirschinnen wie Charlotte Wessels, Simone Simons, Sharon Del Adel oder auch Floor Jansen nicht verstecken muss. Sie hat eine sehr angenehme Stimme, die weitestgehend ‘normal’ eingesetzt wird und angenehmerweise nur sehr selten als Sopran daher kommt. Eine Sirene a la Tarja bleibt uns also erspart.
‘Until You Break’ beginnt mit dem Titelstück recht solide und eher im genremäßigen Mid-Tempo-Bereich. Etwas aggressiver und bombastischer geht es dann mit ‘Who Do You Think You Are’ weiter. Sicher eines der Highlights der CD. Etwas vertrackter dann ‘Erase Me’, mehr Keyboard, mehr interessantes Schlagzeug, etwas mehr Gitarre. Mit ‘Wakeless’ folgt dann die obligatorische Quotenballade ... mit gut 6 1/2 Minuten auch das längste Stück. Wobei die letzten 2 1/2 Minuten des Songs dann eher keine Ballade mehr ist ... fettes Gitarrensole, mehr Tempo, mehr Bombast. Schöner, abwechslungsreicher Song. ‘The Heat In Me’ klingt ein bißchen Delain-Lastig ... guter Song aber irgendwie ein bißchen adaptiert. Jetzt aber die richtige Ballade :-). ‘I Am Nothing’ wird wahrscheinlich auf Konzerten mit vielen mitschwingenden Feuerzeugen gespielt. 3 Minuten ziemlich kitschig aber die restlichen fast 2 Minuten genial bombastisch. Die restlichen 5 Songs sind dann wieder eine Schnittmenge aus Within Temptation und Evanesence und einem kleinen Touch Delain.
Insgesamt ist ‘Until You Break’ eine richtig gute CD geworden, die im Genre Symphonic Metal sicher viele Freunde finden wird. Trotzdem stellt sich natürlich die Frage, ob gerade dieser Markt nicht langsam übersättigt ist und mit den oben genannten Bands einige Größen am Start sind, die sich nicht so leicht verdrängen lassen werden. Auf jeden Fall mal reinhören, wenn man mit dieser Musik-Richtung was anfangen kann.

Evanescence - Synthesis (VÖ:10.11.2017)
Mit der amerikanischen (wie heißt es so schön) Female Fronted Metal Band ‘Evanescence’ um die Sängerin Amy Lee wurde ich bis jetzt noch nie so richtig warm. Irgendwie war mir die Musik (bis auf ein paar wenige Songs wie z.B. ‘My Heart Is Broken’, ‘Bring Me To Life’ oder das allseits bekannte ‘My Immortal’) einfach zu belanglos oder auch austauschbar. Nun haben ‘Evanescence’ zusammen mit einem Orchester ihre grössten Hits nochmal aufgenommen, alle in einer eher ‘ruhigen’, getragenen, ja fast pathetischen Version. Insgesamt finde ich diese Varianten richtig gelungen, aber auf Dauer irgendwie ähnlich um nicht zu sagen langweilig. Und auch bei diesen Versionen stechen die o.g. Songs etwas heraus. Vor allem ‘My Heart Is Broken’ gewinnt gegenüber dem Original um Längen, da der Gesang von Amy Lee dermaßen gefühlvoll und dramatisch ist, dass man Gänsehaut bekommt. Und so geht es mir auch noch bei ein paar anderen Songs. Und mit ‘Imperfection’ gibt es am Schluss dann sogar noch einen neuen Song ... aber ebenfalls im Orchester-Gewand. Die CD kann man haben, muss man aber nicht.

Exit Eden - Rhapsodies In Black (VÖ:03.08.2017)
Vier weibliche Sirenen singen Welthits des Pop in einer Symphonic Metal Version. Klingt langweilig? Ist es aber nicht. Okay ... ein paar Songs sind furchtbar (A Question Of Time von Depeche Mode zum Beispiel. Oder noch schlimmer Heaven von Bryan Adams ... das ist einfach nur grausig) aber bei vielen Titeln funktioniert das hervorragend.
Hinter Exit Eden verstecken sich Clémentine Delauney (Ex-Serenity und jetzt Visions Of Atlantis), Amanda Somerville (vor allem von Avantasia und durch ihre Zusammenarbeit mit Michael Kiske bekannt), Marina La Torraca (ist live auch schon mal bei Avantasia dabei gewesen und ist eigentlich Musical-Darstellerin) und Anna Brunner (eine Absolventin der Mannheimer Pop-Akademie). Auf 2 Songs gibt es dann auch noch Unterstützung von Simone Simons (Epica) und bei ‘Total Eclipse Of The Heart’ darf dann auch noch Rick Altzi (Masterplan) mitmischen. Von den beteiligten Musikern ist mir so auf die Schnelle eigentlich nur Gitarrist Sascha Paeth bekannt, der ja vor allem im Symphonic-Metal-Bereich kein Unbekannter ist.
Richtig geil sind die Songs ‘Unfaithful’ (Rihanna), von dem es auf YouTube auch ein Video gibt, das schmalzige ‘Incomplete’ (Backstreet Boys), ‘Impossible (James Arthur), ‘Frozen’ (Madonna), das in einer Metal-Version richtig fett ist, ‘Paparazzi’ (Lady Gaga) und das wirklich unverwüstliche ‘Fade To Grey’ (Visage). Der Rest geht dann so.
Nette Idee, die richtig gut umgesetzt wurde.

Fúgú Mango - Alien Love (VÖ:01.09.2017)
Und jetzt mal wieder eine Review zum Thema Prog-Rock und anderes Zeug ... also der Bereich anderes Zeug.
Die Band ‘Fúgú Mango’ habe ich auf dem Burning Eagle Festival in Reutlingen 2017 kennen gelernt. Und auch wenn das nicht wirklich ‘meine’ Musik ist, hat mich die Band aus Brüssel vom ersten Ton an begeistert. Musikalisch ist Fúgú Mango in keine Schublade zu stecken. Ein bißchen Elektronik, ein bißchen Afrika, viele komische Rhythmus-Instrumente. Was ganz Eigenes.
Fúgú Mango haben den harten Weg genommen, in fast ganz Europa zu touren um ihre Musik vorzustellen. Denn neben einer etwas älteren EP gab es bis dato nichts zu kaufen. Erst jetzt wurde die erste richtige CD namens ‘Alien Love’ veröffentlicht. Und ich hoffe mal diese Taktik ist aufgegangen. Zumindest auf dem Festival in Reutlingen war das Publikum durchweg begeistert und hingerissen. Indie-Afro-Electro-Pop/Rock beschreibt es vielleicht am Besten.
Geht einfach mal auf YouTube, schaut Euch ein paar Videos von der Band an und macht Euch ein eigenes Bild. Ich könnte auf jeden Fall die Songs ‘Blue Sunrise’ und ‘Alien Love’ empfehlen, um einen kleinen Eindruck zu gewinnen. Und auch wenn es kein Prog-Rock ist, hat die Band auf jeden Fall eine Chance verdient. Macht richtig Laune.

Gilmour, David - Live At Pompeii (VÖ:29.09.2017)
45 Jahre nachdem der legendäre Konzert-Film Pink Floyd at Pompeii aufgenommen wurde, kehrte Pink-Floyd-Gitarrist David Gilmour für 2 Konzerte in das Amphi-Theater zurück um auf der ausgedehnten Tour sein aktuelles Solo-Album ‘Rattle That Lock’ vorzustellen. Leider liegt mir nur die Doppel-CD vor, so dass ich über die visuellen Eindrücke des Konzerts nichts sagen kann. So wie ich aber die Konzerte von David Gilmour kenne, muss es auch optisch ein Highlight gewesen sein. Zumindest die Fotos im Booklet sagen doch einiges aus.
Geboten wurden, wie sollte man es anderes erwarten, einige Solo-Stücke (alt und neu) wie z.B. ‘Ratlle That Lock’, ‘Faces Of Stone’, ‘The Blue’ oder auch ‘On An Island’, aber auch ein breites Spektrum an Pink Floyd - Songs mit wenig Überraschungen im Vergleich zu früheren Live-Aufnahmen von David Gilmour. ‘What Do You Want From Me’, ‘The Great Gig In The Sky’, ‘Wish Your Were Here’, ‘Money’, ‘High Hopes’, ‘One Of These Days’, ‘Sorrow’, ‘Shine On You Crazy Diamond’ sowie die unverwüstlichen ‘Run Like Hell’ und ‘Comfortably Numb’ um nur mal einige zu nennen. Eine professionelle Begleit-Band sowie ein überragender Sound sind auch nicht wirklich außergewöhnlich. Trotzdem oder genau deswegen kann ich ‘Live At Pompeii’ uneingeschränkt empfehlen. Schöne Scheibe mit einem tolle Querschnitt aus gefühlten 50 Jahren David Gilmour.

Hackett, Steve - Wuthering Nights: Live In Birmingham (VÖ:26.01.2018)
Steve Hackett ... was soll man viel zu ihm schreiben. Fleißig auf Tour, ab und zu eine Solo-Scheibe mit 2 oder 3 genialen Songs. Und viel altes Genesis-Material im Gepäck. So überrascht es nicht, dass auch auf der Live-Doppel-CD aus Birmingham genau dieses passiert. Zuerst ein paar Solo-Sachen zum warm werden (mit diversen Gitarren-Parts mit Gänsehaut-Effekt), gesungen von Herrn Hackett himself (Every Day, El Nino, The Steppes, Behind The Smoke und wie sie alle heißen) und dann ein Best Of Genesis aus der Hackett-Aera, dann mit Nad Sylvan am Mikrofon, der mir teilweise echt zu affektiert rüber kommt. Aber ist Geschmacksache. Auf jeden Fall gibt es so Perlen wie Blood On The Rooftops, In That Quiet Earth, Afterglow, Dance On A Volcano, Firth Of Fifth, The Musical Box, Eleventh Earl Of Mar und der üblche Abschluss Los Endos. Alles perfekt und fast in Studio-Qualität gespielt. Er ist halt ein Profi. Und seine Mitmusiker (Roger King, Keyboards - Gary O’Toole, Drums - Rob Townsend, alles mögliche und Nick Beggs, Bass) sind ja auch in den einschlägigen Kreisen als Top-Instrumentalisten bekannt. Das Paket kommt als 2-CD, 2-DVD für einen Schnäppchenpreis von unter 20 Euro in den Handel und ich finde dafür bekommt man echt ordentlich was für sein Geld. Für Hackett-Fans unverzichtlich.

Innerspace - Rise (VÖ:29.09.2017)
Die kanadische Band ‘Innerspace’ kenne ich vor allem von ihrem grandiosen Werk ‘The Village’, das in keinem CD-Regal fehlen darf. Pures Pink Floyd-Feeling, was speziell durch das gefühlvolle Gitarrenspiel von Simon Arsenault und dem charakteristischen Gesang von Phil Burton aufgekommen ist. Dazu Melodien zum dahinschmelzen.
Lange mussten wir jetzt auf einen Nachfolger warten, der jetzt mit ‘Rise’, finanziert über eine Crowd-Funding-Kampagne, endlich das Licht der Welt erblickt hat. Und wer jetzt denkt, dass die neue Scheibe nahtlos an ‘The Village’ anknüpft, wird im ersten Moment überrascht sein. Denn ‘Rise’ ist lange nicht so homogen und ruhig sondern eher abwechslungsreich und mit etwas mehr Härte ausgestattet.
Los geht es mit dem Opener ‘Dawn’ ... Windgeräusche, Sirenen, Hundegebell, Glockengeläut, Schritte, lateinischem Choral (der sich im Laufe der CD immer mal wieder einstreut). Dann 10 1/2 Minuten ‘Tree Of Life’, ein geniales Werk, das noch am ehesten an die Stimmung von ‘The Village’ heran kommt. Fast ein bißchen akustische Filmmusik, nach 5 Minuten Bombast mit synthetischen Streichern, nach knapp 8 Minuten das erste Gitarrensolo, und zum Schluss hartes Gitarrenriff mit dem lateinischen Choral vom Opener gefolgt von einem weiteren Gitarrensolo. Genial. Dann mit ‘The Other Side’ eine gefühlvolle Ballade, mit Gänsehaut-Gesang von Phil Burton. Auch das erinnert stimmungsmäßig an ‘The Village’. Das folgende ‘In Motion’, knapp 8 Minuten lang, kommt ziemlich an Pink Floyd - Atmosphäre ran, ausufernd instrumental mit tollen Gitarren-Parts. Auch hier ein Gesang, der unweigerlich an Pink Floyd erinnert (irgendwie eine geniale Mischung aus Gilmour und Waters). Auf jeden Fall noch ein Highlight. Äußerst flott dann ‘Fill The Void’, das in eine ganz andere Richtung geht. Fast ein Rocker mit einer Gesangslinie, die im Kopf hängen bleibt. Dann ein richtig gefühlvolles Instrumentalstück ‘Sunset’ ... einfach herzzerreissend. Das Innerspace auch Midtempo-Rock können, beweisen sie mit ‘Under The Spotlight’, das man als Video auch bei YouTube finden kann. Super gemacht. Zum Abschluss dann das 5-teilige ‘Dystopian Delirium’, beginnend wieder mit dem Latein-Choral vom Anfang, Part 2 ein Prog-Rockiges Teil (Shadow Of Freedom), das wegen den Keyboards im Hintergrund ein bißchen an Spock’s Beard erinnert, Part 3 (Forsaken Dreams ... fast 12 Minuten) mit Bombast, Breaks, Keyboard-Teppich, Gitarrensolo usw. Also alles was das Progger-Herz höher schlagen lässt. Danach Part 4 (Stronger Than Death), 6 1/2 Minuten neuere Pink Floyd gepaart mit dem mehrstimmigen Chor von Dark Side Of The Moon. Und wie sollte es anders sein ... Part 5 mit Namen ‘Dusk’ zum Abschluss. Noch ein Istrumental-Stück mit viel Streicher-Einsatz und ... nochmal der lateinische Choral.
Fazit: Auch wenn sich ‘Rise’ vom Vorgänger ‘The Village’ doch ein bißchen unterscheidet, möchte ich dieses Werk trotzdem ganz oben auf meine Lieblings-Liste setzen. Genial gemachter Prog, der in keinem CD-Regal fehlen darf. Mehr Infos über die Band gibt es auf ihrer Homepage. Bestellen kann man die CD unter anderem bei Just For Kicks. Pflichtkauf.

Katinka - Der Sinn im Unsinn (VÖ:06.10.2017)
’Katinka’ ist eine für mich ziemlich neue Band aus Mannheim, die sich aus Mitgliedern aus Österreich und Deutschland zusammensetzt. Namentlich genannt sind das Katharina Münz (Vocals), Raphael Neikes (Gitarre), Thomas Woschitz (Bass) sowie Michael Nowatzky (Drums). Wie der Titel der vorliegenden EP schon erahnen lässt, machen ‘Katinka’ Musik mit deutschen Texten und die Songs rocken ganz schön.
Der Opener ‘Russisch Roulette’, den man auf YouTube auf jeden Fall mal anschauen sollte, zeigt schon mal wie straight und rockig die Band drauf ist. Der zweite Song ‘Fata Morgana’ nimmt dann die Geschwindigkeit und Härte etwas raus, ist aber nicht weniger geil. Vor allem die richtig gute Stimme von Katharina Münz sticht echt heraus. Selten bei einer deutschen Band so einen guten Gesang gehört. Das folgende Stück ‘Wunderland’ ist dann ziemlich abwechslungsreich zwischen Gitarren-Riffs und ruhigen Parts. Herzstück der EP ist dann auf jeden Fall das knapp 8-minütige ‘Weil Ich Dich Mag’ mit einem ziemlich sado-masochistischem Text und bis zur Mitte recht psychedelisch angelegt, danach ein recht ruhiger Mittelteil um ziemlich bombastisch extatisch zu enden ... passt auf jeden Fall zum Thema des Songs :-).
Danach gibt es auf der EP noch zwei Bonus-Tracks mit ‘Ausverkauf’, ein schöner Rocker auf dem Katharina Münz teilweise ein bißchen wie Nina Hagen klingt und ‘Ein Liebeslied’, das mitnichten die Quotenballade ist sondern auch recht straight nach Vorne rockt.
‘Der Sinn im Unsinn’ ist zwar weit weg von dem hier überwiegend besprochenen Prog, aber ich kann mir richtig gut vorstellen, dass die Band live ein Feuerwerk abbrennen kann. Mehr Infos gibt es auf der Band-Homepage. Unbedingt rein hören.

Killerhertz, The - A Mirror’s Portrait (VÖ:17.11.2017)
’The Killerhertz’ ist eine relativ neue Hardrock-Band aus Kastrup in der Nähe von Kopenhagen. Bereits 2014 hat die Band unter der Mithilfe von Produzent Flemming Rasmussen (Metallica, Blind Guardian) ein Album namens ‘A Killer Anthem’ veröffentlicht. Nun also 3 Jahre später der Nachfolger, ebenfalls wieder produziert von Flemming Rasmussen.
‘The Killerhertz’ beschreiben sich selbst als Bindeglied zwischen 80er und 90er Heavy Metal (Metallica, Megadeath) kombiniert mit mehr Modern Metal und einer Prise dänischem Rocksound der Marke Pretty Maids. Und mit diesem Vergleich haben sie sich gleich mal eine hohe Hürde geschaffen. Jetzt aber keine Angst ... ‘The Killerhertz’ sind jetzt nicht die 3.785 Thrash-Metal-Band die versucht, Metallica zu kopieren. Im Gegenteil. Das ist richtig erdiger, moderner Hard Rock / Metal, der mit Thrash-Metal aber so gar nichts am Hut hat. Schon der Opener ‘Black Canvas’ geht richtig straight ab, überzeugt mit toller Gitarren-Arbeit und auch als Sänger macht Thomas Trold einen richtig guten Job. Kein unangenehmes Geschrei sondern wirklich eine hervorragende Metal-Stimme. Auch das folgende ‘The Curse Of 2.7.7.0’ ist richtig Rock ‘n’ Rollig mit einem eingängigen Refrain und nettem Chorus im Hintergrund. Den nächsten Song ‘Teenage Rebellion’ kann man sich als offizielles Video auf YouTube anschauen und sich selbst ein Bild machen, wobei gerade dieser Song eher untypisch weil etwas getragener ist. Noch herausheben möchte ich den Titelsong, der mit ein paar Tempo-Wechsel richtig interessant und ‘anders’ ist und den Schluss-Track ‘Renegade Patrol, bei dem es geschwindigkeitsmäßig nochmal so richtig ab geht.
Für Freunde des ehrlichen Hard Rock / Metal auf jeden Fall zu empfehlen. Für mehr Infos über über die Band empfehle ich mangels einer eigenen Homepage das Band-Sheet der Promo-Firma.

Lesoir - Latitude (VÖ:17.11.2017)
Die niederländische Art-Rock / Prog-Rock-Band ‘Lesoir’ legt mit ‘Latitude’ bereits das vierte Studioalbum vor. Die ersten drei Werke gingen völlig an mir vorbei, die Band war mir bis dahin komplett unbekannt. Das ist eigentlich sehr schade, denn musikalisch haben die Mädels und Jungs so richtig was drauf. Der 5er besteht aus Maartje Meessen (Gesang, Flöte, Piano), Ingo Dassen (Gitarre), Eleen Bartholomeus (Gesang, Gitarre, Keyboards, Percussions), Ingo Jetten (Bass) und Bob Van Heumen (Schlagzeug). Und wer jetzt bei Flöte und Piano an ein Folk-Album denkt, liegt völlig daneben. ‘Latitude’ ist ein richtig fett produziertes Prog-Album geworden, das ab und zu sogar (wegen den richtig geilen Gitarren-Riffs ... z.B. beim dritten Song ‘Icon’) ein bißchen in Prog-Metal abdriftet. Manchmal noch eine Prise Art-Rock eingestreut, dazu ein sehr guter Gesang, zwischendurch viel Atmosphäre und ruhige Parts. Viele Breaks (hört Euch nur mal den längsten Song auf dem Album ‘In Their Eyes’ an ... 7 1/2 Minuten Abwechslung vom Feinsten) und das alles in einem brillanten Sound.
Produziert wurde das Album von John Cornfield, der schon für Muse gearbeitet hat, Unterstützung hat er von Pineapple Thief - Frontmann Bruce Soord bekommen. Richtig fett produziert, hierfür auch Daumen hoch.
Lesoir kann ich nur jedem Prog-Rock oder Art-Rock - Liebhaber ans Herz legen. Richtig coole Scheibe.
Mehr Infos über die Band gibt es auf ihrer Homepage. Veröffentlicht wurde das Ganze bei Gentle Art Of Music, die mal wieder ein tolles Händchen für neue Bands gezeigt haben.

Magnum - Lost On The Road To Eternity (VÖ:19.01.2018)
Bei Magnum kann man eigentlich nie was falsch machen. Nach einem kurzen Durchhänger vor ein paar Jahren mit ein oder zwei schwächeren Veröffentlichungen beglücken uns die Jungs um Sänger Bob Catley und Gitarrist / Songschreiber Tony Clarkin seit längerem wieder mit toller Musik. Und auch ‘Lost On The Road To Eternity’ ist rundum gelungen. Rockige Ohrwürmer en masse wie z.B. ‘Peaches And Cream’, ‘Show Me Your Hands’, das über 8 Minuten lange ‘Welcome To The Cosmic Cabaret’ (das tatsächlich ein bißchen an die alten Zeiten von der Storyteller’s Night erinnert), das Titelstück (mit Tobias Sammet als Gast-Sänger), und und und. Zum Abschluss dann noch das eher getragene ‘King Of The World’. Einfach richtig gut. Über den Gesang von Bob Catley braucht man wohl auch keine Worte verlieren. Der könnte Alle meine Entchen oder Atemlos singen und es wäre Magnum. Mal wieder ein Pflichtkauf für alle Fans.

Marillion - Misplaced Childhood (4 CDs / Blu Ray) (VÖ:21.07.2017)
Manche Platten sind einfach unsterblich und für die Ewigkeit. Dazu gehört auf jeden Fall das dritte Werk von Marillion ‘Misplaced Childhood’ aus dem Jahr 1985. Und obwohl das Werk schon mehrfach remastert wurde, kann man offensichtlich immer noch einen Tacken heraus kitzeln. Hier hat Michael Hunter, der sich der Scheibe angenommen hat, wirklich einen tollen Job gemacht.
Über ‘Misplaced Childhood’ brauche ich wohl kein Wort mehr verschwenden ... einfach genial und zeitlos.
Das 2017er-Paket hat allerdings noch ein paar tolle Features zu bieten. Da wäre z.B. auf 2 CDs ein Konzert aus dem Jahr 1985, das in Utrecht aufgenommen wurde. Und da gibt es dann alle Marillion-Klassiker (die bis zu diesem Zeitpunkt natürlich geschrieben wurden) wie ‘Script’, ‘Incubus’, ‘Chelsea Monday’, ‘The Web’, ‘Fugazi’, ‘Garden Party’ und ‘Market Square Heroes’. Und natürlich die komplette ‘Misplaced Childhood. Einfach genial. CD4 beinhaltet B-Seiten, Mixes sowie Berge von Demos. Und dann ist auch noch eine BluRay dabei mit Remixes von Steven Wilson, einer 72-minütigen Dokumentation und 4 Promo-Videos.
Ein richtig fettes Paket für unter 40 Euro, das auf jeden Fall in keinem CD-Regal fehlen darf. Sensationell. Ach ja ... ein knapp 100-seitiges Booklet mit vielen Liner-Notes und Fotos darf natürlich auch nicht fehlen. Und das alles im größeren DVD-Format.

Panzerballett - X-Mas Death Jazz (VÖ:24.11.2017)
Auch wenn wir jetzt erst Anfang November haben, sollte man doch schon langsam darüber nachdenken, ob man eine Weihnachts-CD im Regal stehen hat, die man an den Festtagen dann laufen lassen kann. Und damit man auf so Perlen der Weihnachtsmusik wie ‘White Christmas’, ‘Kling Glöckchen’, ‘Last Christmas’ oder auch ‘Let It Snow’ auf einer Compilation nicht verzichten muss, hat die ‘krasse’ Jazz-Metal-Band ‘Panzer Ballett’ das Unmögliche möglich gemacht, genau diese (und noch ein paar andere) Klassiker fast zur Unkenntlichkeit zu verwursten. Man braucht natürlich eine ordentliche Prise Humor, um die Scheibe zu verstehen. Aber wer meine 2 Reviews über die Band gelesen und sich danach die Alben gekauft hat, ist schon mal gut vorbereitet.
Es sind einfach genial schräge Versionen zwischen Jazz, Metal und Groove, die einem den Mund offen stehen lassen. Kommt ‘White Christmas’ noch im Ansatz an das Original heran (man könnte auch schreiben man erkennt den Song noch), wird es bei ‘Kling Glöckchen’ schon viel schwieriger. Geiler Funk-Jazz und erst bei den letzten Tönen nach 6 1/2 Minuten erkennt man, was das eigentlich gewesen sein soll. ‘Little Drummer Boy’ ist dann einfacher zu erkennen, da die Melodie-Linie vom Saxophon mehr als angedeutet wird. ‘Es kommt bald’ (also das Christkind) ist auch so ein Fall von wir spielen eine bekannte Melodie (oder eher mehrere ... denn I wish you a merry christmas’ ist auch versteckt) kurz an und dann machen wir was wir wollen ... um in eine Rap-Version abzudriften. Herrlich schräg.
Es folgt mein absolutes Hass-Weihnachtslied ‘Last Christmas’, weil es um die Weihnachtszeit einfach gefühlt jede halbe Stunde im Radio gespielt wird. Keinen Song habe ich so über wie diesen. Aber Panzerballett machen daraus einfach was ganz Besonderes. Zuerst der Refrain mit Tenor-Saxophon angespielt und dann ein paar fette Gitarren-Riffs usw. Da gehen sogar 7 Minuten rum wie im Flug. Ein weiterer Meilenstein der Weihnachts-Songs, ‘Rudolpg, The Red-Nosed Reindeer’ kommt ja schon fast ans Original ran (nein Spaß), es ist eher eine Rap-Metal-Version wie sie Korn oder Limp Bizkit nicht besser hätten machen können. Nächster Song ist ‘For Whom The Jingle Bells Toll’, eine geile Jazz-Version von ‘Jingle Bells’. Den Abschluss bildet dann ‘Let It Snow’. Auch da ist es teilweise richtig schwierig, den Song zu erkennen. Aber herrlich gemacht mit zwischendurch bösen ‘Let It Snow - Growls. Zum schieflachen.
Als Bonus gibt es dann noch 4 Instrumental-Versionen von ‘White Christmas’, Rudolph ...’, ‘Es kommt bald’ und ‘Let It Snow’,
Alles Scheiße geil ... nur stellt sich die Frage was Oma und Opa dazu sagen, wenn die Scheibe bei der Bescherung gespielt wird. Auf jeden Fall ein krasses Album und Panzerballett enttäuscht mal wieder nicht.
Mehr Infos über die Band gibt es auf ihrer Homepage. Das Album wurde wie immer bei Gentle Art Of Music veröffentlicht.

Schizofrantik - Ripping Heartaches (VÖ:27.10.2017)
Vor etwa 4 Jahren habe ich schon einmal eine CD von ‘Schizofrantik’ (The Knight On The Shark) besprochen. Und ich fand damals die geniale Mischung von Mastermind Martin Mayrhofer aus Avantgarde-Prog, Jazz-Prog, Prog-Metal mit einer Prise Tango zwar nicht leicht verdaulich aber wirklich interessant.
Jetzt gibt es ein neues Werk namens ‘Ripping Heartaches’. Von den damaligen Musikern ist niemand (außer natürlich Martin Mayrhofer) übrig geblieben. Auf dem neuen Album wird er von Henning Lübben (Keyboards), Marco Osmajic (Bass) sowie Christian Schichtl (Drums) unterstützt. Und war das Vorgänger-Werk noch mit ein bißchen Humor zu sehen, geht ‘Ripping Heartaches’ viel tiefer, was man schon an den Song-Titeln wie z.B. ‘Children Stopped Crying In Aleppo’ oder auch ‘Satan And Death Separated By Sin’ erkennen kann.
Normalerweise schreibe ich ja nichts vom Beipackzettel der CD ab, aber dieser Satz beschreibt eigentlich alles: “Wer immer schon einmal hören wollte, wie es wohl geklungen hätte, wenn King Crimson gemeinsam mit Frank Zappa und Bela Bartok die Symptome eines präzise konzertierten Schlaganfalls vertont hätten, der erhält auf Ripping Heartaches endlich die Antwort.” Damit ist eigentlich alles gesagt. Denn genau so kann man die Mischung der unterschiedlichen Stile, die hier verarbeitet werden, vorstellen. Der Opener ‘Satan ...’ ein völlig vertracktes und kompliziertes Stück Avantgarde-Prog, das auf knapp 13 Minuten wirklich keine Sekunde langweilig wird. Bombastisch am Anfang, leicht jazzig in der Mitte, ein ruhiges, fast akustisches Zwischenstück und danach King Crimson - Anleihen ohne Ende. Sperrig aber genial. Danach mit ‘A New Day’ eine schöne Ballade mit auch richtig gutem Gesang von Martin Mayrhofer. Eine ganz neue Seite. Auf den nächsten zwei Stücken ‘Personal Hell’ und ‘Hungry Ghosts’ gibt es dann wieder eine richtig gute Mischung aus Avantgarde-Prog, Jazz und ruhigeren Teilen. ‘Why Is My Mind?’, auch fast 8 Minuten lang ist dann eher in Richtung Art-Rock angesiedelt und könnte auch (in Ansätzen) locker von einer älteren Porcupine Tree - Scheibe sein.
Das oben schon erwähnte ‘Children Stopped Crying In Aleppo) zeigt dann eine ganz andere Seite von Schizofrantik, denn dieser Song ist - rein instrumental - am Anfang ziemlich akustisch instrumentiert mit ein bißchen Percussions und akustischer Gitarre, hat aber ein sagen wir mal merkwürdiges Ende. Das letzte Stück ‘Infinity’, knapp 12 Minuten lang, möchte ich mal das melodischste aller Prog-Songs von Schizofrantik bezeichnen. Tolle Keyboard-Läufe, geile Gitarren-Parts und am Schluss noch ein mehrstimmig gesungenes Ende. Richtig interessanter Song.

Auch mit ‘Ripping Heartaches’ hat Martin Mayrhofer mal wieder ein Werk erschaffen, das man in keine musikalische Schublade stecken kann. Es ist wieder nicht einfach zu verdauen und es braucht einige Durchläufe, um damit so richtig warm zu werden. Aber ich kann Euch die Scheibe nur ans Herz legen. Wer auf kompliziertere Sachen und nicht nur den Einheitsbrei steht, macht beim Kauf der CD nichts falsch. Mehr Infos über die Band gibt es auf ihrer Homepage. Veröffentlicht wurde die Scheibe wieder bei Gentle Art Of Music.

Security Project - Contact (VÖ:17.11.2017)
Das ‘Security Project’ ist ein ziemlich interessanter Zusammenschluss verschiedender Musiker, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Songs von Peter Gabriel neu zu interpretieren. Und unter den Musikern sind Einige, die musikalisch schon einmal die Wege mit Peter Gabriel gekreuzt haben. Mitglieder der Band sind:

Happy Rhodes - eine ziemlich geniale Sängerin, die mit einem Stimmumfang von 4 Oktaven (!!) bereits als Solo-Künstlerin 11 Alben heraus gebracht hat.

Jerry Marotta - Drummer auf den ersten Gabriel-Alben und mit ihm auch schon auf Tour. Aber auch Tour-Drummer von so Größen wie Hall and Oates, Tears For Fears, Elvis Costello, Paul McCartney, Cher oder Stevie Nicks.

Trey Gunn - Touch Gitarre und Gesang - vor allem bekannt wegen seinem Engagement bei King Crimson aber auch als Produzent bzw. Tour-Drummer bei Tool, oder Steve Wilson.

Michael Cozzi - Gitarre - und auch schon mit Peter Gabriel, den Simple Minds oder auch INXS auf Tour

David Jameson - Keyboards und viele Jahre mit ‘Time Machine’ auf Tour.

‘Contact’ ist eine Live-CD, aufgenommen auf der letzten US- und Japan-Tour und es werden auschließlich ‘Früh-Werke’ von Peter Gabriel neu interpretiert. So kommt man hier in den Genuss von so Song-Perlen wie ‘Lay Your Hands On Me’, ‘Lead A Normal Life’, ‘No Self Control’, ‘Rhythm Of The Heat’, ‘San Jacinto’ oder auch ‘Intruder’, die Peter Gabriel ja selbst auch oft live performt. Aber auch ein Song von Kate Bush (Mother Stands For Comfort), auf dem Happy Rhodes stimmlich zu fast 100% an das Original heran kommt. Sehr geil.
Die Gabriel-Songs sind alle eher ‘melodisch sanft’ interpretiert, was manchen Stücken eine völlig neue Atmosphäre gibt. Gerade so Songs wie ‘Intruder’ oder auch ‘No Self Control’ haben ... auch wegen dem weiblichen Gesang ... was völlig Neues.
‘Contact’ würde ich mal als absolut relevant für jeden Peter Gabriel - Fan bezeichnen. Unbedingt antesten. Mehr Infos über die Band gibt es auf ihrer Homepage.

Serenity - Lionheart (VÖ:27.10.2017)
Meine Lieblings-Symphonic-Metal-Band ‘Serenity’ aus Tirol hat mal wieder zugeschlagen. Und wie. Und ich langweile Euch dieses Mal nicht mit der Frage ‘wo ist die Frau’ (wie ich es bei meiner Review zum Vorgänger ‘Codex Atlanticus’ gemacht habe). Denn Serenity haben sich weitestgehend von Duetten mit weiblichen Vocals verabschiedet. Lediglich auf 2 Songs gibt es Gast-Auftritte von der Ex-Faun-Sängerin Katja Moslehner (im Song ‘Heaven’) und Federica Lanna (von der Band Sleeping Romance) bei ‘The Final Crusade’. Soviel zu diesem Thema.
‘Lionheart’, wie könnte man es anders vermuten, handelt textlich von Richard Löwenherz. Aber das Album ist kein Konzept-Album im eigentlichen Sinne (also Song 1 Geburt von Richard Löwenherz, letzter Song der Tod des Kreuzzug-Helden) sondern eher ein nicht chronologisch geordnetes Themen-Album über historisch belegte Fakten und nicht über die Mythen, die sich um Richard Löwenherz ranken. Diese Fakten können auch als glaubhaft hingenommen werden, ist doch Sänger Georg Neuhauser Dozent für Geschichte an der Universität Innsbruck. Umso erstaunlicher finde ich deshalb, dass die meisten Texte von Gitarrist Christian Hermsdörfer und Bassist Fabio D’Amore stammen. Lediglich das Titelstück ‘Lionheart’ sowie ‘Empire’ wurden von Georg Neuhauser (mit)geschrieben.
An den Tasten wurde wieder Jan Vacik (Ex-Dreamscape, Keyboarder bei Serious Black, Inhaber der Dreamsound Studios und jetzt bei einer genialen Münchner Party-Band namens ‘Blind Date’ als Keyboarder und Mit-Sänger unterwegs) verpflichtet, der auch intensiv als Songwriter involviert ist sowie die CD mit einem richtig amtlichen Sound produziert hat.
Im Gegensatz zum Vorgänger ‘Codex Atlanticus’ ist ‘Lionheart’ eindeutig wieder gitarrenlastiger geworden, was der Musik von Serenity absolut gut tut. ‘Codex Atlanticus’ war mir fast schon ein bißchen über-orchestriert und teilweise ein bißchen weg vom Metal. Somit ist für mich ‘Lionheart’ unbedingt ein Schritt in die richtige Richtung da härter, erdiger, erwachsener und insgesamt auch homogener.
Aber nun genug des Vorgeplänkels ... kommen wir zur CD:

Deus Lo Vult: Für alle Nicht-Lateiner unter uns ‘Gott will es’ - die Antwort der Menschenmenge auf eine Predigt von Papst Urban II, in der er zur Befreiung des Heiligen Landes bzw. Jerusalems aufgerufen hatte - ist ein feudaler und opulenter instrumentaler Opener, geschrieben von Lukas Knoebl, der auch die kompletten Orchester-Arrangements übernommen hat. Ein perfekter Einstieg (und auch das Intro zum Konzert, das ich letzte Woche besucht habe).

United: Die erste (von vielen) Metal-Hymnen, die erfrischend gitarrenlastig ist, gewohnt starker Gesang, fettes Gitarren-Solo in der Mitte, ein Refrain der im Kopf hängen bleibt und nach ca. 4 Minuten ein Part der ein bißchen an Sabaton erinnert. Den Song habe ich schon live erlebt und ist gigantisch.

Lionheart: Das Titelstück beginnt ziemlich flott mit einem Gitarren-Intro und knackigem Schlagzeug, wird dann aber bald zu einem typischen Serenity-Song (geile Melodie, eingängiger Refrain). Ein Stück zum mitgröhlen. Live der Hammer. Und natürlich wieder mit einem genialen Gitarren-Solo im Mittelteil

Hero: Noch etwas härter und schneller am Anfang (hat schon fast was von Metallica-Riffs), dann auch wieder ein bißchen zurückgenommen in der Geschwindigkeit, der Rest wie gehabt ... geile Melodie, toller Refrain, Orchester / Keyboards dezent im Hintergrund aber immer präsent. Dann plötzlich richtig getragen (was für ein Break) mit einer Gesangslinie zum Dahinknien und zurück zum Refrain. Mein heimliches Highlight der CD.

Rising High: Ziemlich kriegerischer mehrstimmiger Gesang am Anfang, dann eine fette Metal-Hymne. Auch geil.

Heaven: Sie musste kommen. Die Quoten-Ballade. Aber sie passt auch gut hier rein. Kommt nicht ganz an ‘Fairytales’ ran, ist aber auch zum dahinschmelzen. Und Gast-Sängerin Katja Moslehner macht stimmlich hier eine richtig gute Figur.

King’s Landing: Ein 2-minütiges Piano-Zwischenstück von Jan Vacik. Wunderschön gespielt.

Eternal Victory: Schon wieder eine Hymne, die live richtig der Kracher werden könnte. Geiler Scheiß.

Stand And Fight: Wie schon bei ‘Codex Atlanticus’ darf Bassist Fabio D’Amore zeigen dass er auch ein recht guter Sänger ist und hat die Strophen übernommen. Ansonsten ... geile Hymne :-).

The Fortress (Of Blood And Sand): Die Protagonisten scheinen im Orient angekommen zu sein ... zumindest musikalisch könnte man das annehmen, denn hier kommen ganz andere Klänge zum Vorschein. Insgesamt ist der Song ein bißchen langsamer als die vorangegangen Metal-Hymnen ... aber ... geile Hymne. Sensationelle Melodie, toller Refrain, fette Gitarre. Die etwas anderen Serenity.

Empire: Langsam wird’s langweilig ... wieder eine fette Metal-Hymne.

My Fantasy: Vielleicht der poppigste, eingängigste, radiotauglichste (?) Song auf dem Album. Zumindest teilweise. Zwischendurch aber doch recht knackig.

The Final Crusade: Was für ein Abschluss. Gitarrensolo / Intro, Growls, Traum-Refrain, orchestrales Zwischenstück, Tempowechsel, Duett mit Federica Lanna (sau gut die Frau). Ich will’s nicht schon wieder schreiben ... was für eine Hymne.

Fazit:
Eine Serenity-CD ohne irgend einen Durchhänger oder Skip-Song. Ein Meilenstein des Symphonic-Metal-Genres mit einer perfekten Mischung aus Härte, Melodie, sensationellen Refrains, Gitarren, geilem Gesang, toller Schlagzeug-Arbeit von Andreas Schipflinger (die ich hier ausdrücklich erwähnen möchte), ohne dass der (orchestrale) Bombast, der zu dieser Musikrichtig einfach dazu gehört, vernachlässigt wird.
In der ewigen Serenity-Rangliste kommt das 6. Album ‘Lionheart’ für mich persönlich zwar nicht an das Über-Werk ‘War Of Ages’ heran (die Duette mit Clémentine Delauney, der damaligen ‘festen’ Sängerin waren dafür einfach zu perfekt), übertrifft aber locker ‘Codex Atlanticus’ und landet für mich somit auf Platz 2. Mit dieser Meinung mache ich mir in der immer größer werdenden Serentiy-Gemeinde vielleicht nicht unbedingt Freunde, aber über Musik lässt sich ja hervorragend streiten und diskutieren. Ich freue mich auf jeden Fall jetzt schon auf die Headliner-Tour zusammen mit Visions Of Atlantis (hier mit der brillanten Clémentine als Sängerin) im Februar 2018 und ein Besuch wird unbedingt empfohlen. Serenity-Konzerte sind immer ein Highlight ... und als Headliner umso mehr. Mich trifft man auf jeden Fall am 22.02.2018 in München im Backstage.

Ein kleines Wort noch zu den Kritiken, die ich über ‘Lionheart’ gelesen habe. Alle Reviews mit einer Ausnahme waren durchweg positiv bis euphorisch. Nur eine Zeitung musste mal wieder aus der Reihe tanzen. Das Rock Hard. Vorhersehbare Melodien, nichts Neues, Na und? Warum soll man das Genre neu erfinden wenn man es so perfekt hin bekommt? Geile Melodien sind einfach geile Melodien. Und in letzter Zeit wurde nichts Besseres veröffentlicht. Punkt. Muss man haben. Ein essentielles Album.

Und endlich gibt es auch mal wieder eine Gast-Kritik von Martina L. aus dem Heimatland von Serenity. Vielen Dank dafür.
Lang erwartet ist es nun endlich da! Das neue Album der österreichischen Symphonic Metal Band Serenity. Das Warten hat sich gelohnt, und wie!!!
Mit Lionheart geht Serenity wieder einen Schritt weiter, das Album klingt extrem ausgereift und "erwachsen". Abwechslungsreiche, teilweise gewohnt bombastische Melodien, wunderbare Harmonien, perfekt eingesetzte Orchestrierung, geniale Gitarrenparts und dazu der wie immer herausragende Gesang machen Lionheart zu einem wunderbaren Hörerlebnis. Die Songs, wovon keiner dem anderen gleicht, lassen mich Bilder sehen von Rittern in Kettenhemden auf schweissnassen Pferden, Flaggen wehen, Schwerter und Lanzen blitzen in der Sonne, Staub wirbelt auf, wenn der Kreuzzug nach Jerusalem zieht....Die Musik ist so mitreißend, dass ich mich am liebsten selbst in den Sattel schwingen möchte, um mich ihnen anzuschließen ;)
Das Album besticht auch durch seine intelligenten Texte über das Leben von Richard Löwenherz, alles ist wohl durchdacht und die Texte und Musik der einzelnen Songs sind perfekt aufeinander abgestimmt.
Ich könnte keinen Favoriten nennen, die Songs sind durchwegs großartig, in jedem gibt es so viele geniale Details und tolle Überraschungen.
Ein Hörerlebnis von Beginn bis zum Schluß!
Volle Punktezahl, 10 von 10! Unbedingte Kaufempfehlung!
Vielen Dank, Serenity!!!

Serious Black - Magic (VÖ:23.08.2017)
Die Band ‘Serious Black’ ist bis jetzt so richtig an mir vorbeigegangen, obwohl sie schon diverse Alben veröffentlicht und jetzt mit ‘Magic’ ein neues Werk am Start haben.
‘Serious Black’ bestehen aktuell aus Urban Breed (Vocals - Ex-Tad Morose, Project Arcadia), Jan Vacik (Keyboards, Ex-Dreamscape, Blind Date und Eigentümer der Dreamsound-Studios), Bob Katsionis (Gitarre - Firewind), Dominik Sebastian (Gitarre - Edenbridge), Mario Lochert (Bass - Ex-Visions Of Atlantis) und Alex Holzwarth (Drums - Ex-Sieges Even, Avantasia, Blind Guardian und Rhapsody Of Fire). Und diese fast schon geniale Mischung aus unterschiedlichen Band-Einflüssen macht sich auch in der Musik von Serious Black bemerkbar. Es gibt astreinen Metal, es gibt (Melodic) Power-Metal, es gibt getragenere Stücke und vor allem gibt es Ohrwürmer en masse. Eine richtig geniale Scheibe, die ich musikalisch zwischen Def Leppard und Masterplan einordnen würde. Urban Breed hat manchmal echt fast zu 100% die Stimmfarbe alter Masterplan Scheiben drauf (hört Euch nur mal ‘Burn Witches Burn’ an), ab und zu wird sich aber tatsächlich auch an das Def Leppard - Meisterwerk ‘Hysteria’ angelehnt (z.B. bei dem Song ‘Now You’ll Never Know’). Die Band hat echt eine unglaubliche Bandbreite und ein hervorragendes Händchen für Songwriting. Lediglich beim letzten Stück ‘One Final Song’ wird dann doch ein bißchen dick aufgetragen. Der ist nach knapp 4 1/2 Minuten eigentlich vorbei, ab 7 Minuten 12 kommt dann aber noch ein Hidden-Track, der dann eher nach einem Musical klingt. Nette Idee, mehr aber auch nicht.
Metal-Freunde und Fans der o.g. Bands der teilnehmenden Musiker können auf jeden Fall bedenkenlos zugreifen. ‘Magic’ ist auf jeden Fall eines der Highlights des Jahres 2017 in dieser Musik-Richtung.

Sons Of Apollo - Psychotic Symphony (VÖ:20.10.2017)
Supergruppe ... wie oft wurde dieser Titel schon vergeben und man wurde dann trotz genialer Musiker enttäuscht. Auch ‘Sons Of Apollo’ haben erst mal diesen ‘Makel’. Der unverwüstliche Mike Portnoy (Ex-Dream Theater, The Winery Dogs, Transatlantic und und und), Derek Sherinian (Black Country Communion, Ex-Dream Theater), Ron ‘Bumblefood’ Thal (Ex-Guns N’ Roses), Billy Sheehan (The Winery Dogs, Mr. Big) und Jeff Scott Soto (TSO, Ex-Journey), so lautet die Besetzung von ‘Sons Of Apollo’ und verspricht eigentlich viel ... leider hält sie meiner Meinung nach sehr sehr wenig. Natürlich sind das alles richtig gute Musiker die in ihren (Ex-) Stammbands schon gezeigt haben, zu was sie alles fähig sind. Aber wenn die Songs so dermaßen uninspiriert, zusammengestückelt und nichtssagend komponiert werden, dann helfen auch gute Musiker nichts. Es ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Ein bißchen klingt es ab und zu nach Dream Theater (klar ... Portnoy ist Portnoy und sein Schlagzeugspiel prägt halt), man versucht trotz aller Frickelei auch mal einen recht melodischen Refrain einzustreuen. Aber das war’s dann auch. Am besten gefällt mir noch der Opener ‘God Of The Sun’, etwas orientalisch angehaucht und mit über 11 Minuten auch recht abwechslungsreich (auch wenn es manchmal nach Perfect Stranger von Deep Purple klingt). Eigentlich freut man sich dann auf mehr und es kommt ... Langeweile. Ich habe echt probiert, die CD mehrfach durchzuhören, aber es ging einfach nicht. Am Ende musste ich jeden Song weiter skippen. Schade. Ganz nett ist vielleicht noch der letze Song ‘Opus Maximus’, immerhin 10 1/2 Minuten lang und teilweise Richtung frickelige Dream Theater. Das war’s dann aber auch schon. Wahrscheinlich mache ich mir jetzt mit dieser Review nicht viel Freunde, weil die Reaktionen in der Presse und im Internet eigentlich durchweg positiv sind. Aber was soll ich machen ... ist echt nicht meins.

Superscream - The Engine Cries (VÖ:05.05.2017)
Wow, was für ein Brett. ‘Superscream’ aus der Normandie legen mit ‘The Engine Cries’ ein (Prog-)Metal-Album vom Feinsten ab. Von der Band ist mir nur Sänger Eric Pariche bekannt, der ja bekanntermaßen bei der Symphonic-Metal-Band ‘Waverly Lies North’ die CD ‘A Soul In The Void’ eingesungen hatte (siehe meine Review). Und schon damals war ich von der Stimme Erics richtig begeistert, muss er sich doch keinesfalls hinter den Szene-Größen verstecken.
Und auch auf ‘The Engine Cries’ legt er eine sensationell gute Performance hin. Seine Mit-Musiker Phil Vermont (Gitarre), Daniel Sminac (Gitarre), Stephane Lescarbotte (Bass), Martin Mabire (Drums) sowie die zwei Gast-Keyboarder Boris Branilovic und Nicolas Goulay machen einen hervorragenden Job.
Musikalisch kommen ‘Superscream’ ziemlich nahe an Symphony X heran, also fetter, ausschweifender Metal mit ein paar leichten Prog-Einflüssen. Und auch die Stimmlage von Eric Pariche ist der von Russell Allen oder auch Lance King (früher bei Balance Of Power) sehr ähnlich.
Ich möchte gar nicht auf die einzelnen Songs der CD eingehen, denn mit Ausnahme der obligatorischen Quoten-Ballade ‘Your Necklace Of Bites’, die nicht nur wegen dem brillanten Gesang unter die Haut geht, gibt es einen Rocker nach dem anderen. Ob das jetzt unbedingt Prog-Metal ist möchte ich bezweifeln, obwohl ‘Superscream’ als Einfluss Dream Theater oder auch Pain Of Salvation nennen. Ausufernder Melodic-Metal trifft es dann schon eher. Nahe am Prog ist auf jeden Fall das 9 1/2 minütige ‘Ways Out’. Geiler Song.
Einen kleinen Einblick über die Scheibe könnt Ihr bei YouTube bekommen, unter diesem Link könnt Ihr Euch das Titelstück anhören. Mehr Infos über die Band gibt es natürlich auch auf ihrer Homepage. Geile Scheibe.

Talinka - Talinka (VÖ:30.06.2017)
‘
Talinka’ ist ein neues Quartett von Tali Atzmon, einer in Israel geborenen Sängerin, Schauspielerin und Songwriterin, die mittlerweile in London lebt. Gleichzeitig ist sie die Ehefrau von Multiinstrumentalist Gilad Atzmon, der in der Band Bass Klarinette, Sopran Saxophon und Akkordeon spielt. Noch dabei sind dann noch der Ausnahme-Bassist im Jazz-Bereich Yaron Stavi und Jenny Bliss Bennett (Viola Da Gamba, Violine, Flöte und auch Vocals). Als Gäste wurden Frank Harrison am Piano und Enzo Zirilli an den Percussions verpflichtet.
Wenn man die Instrumentierung, den Background der Musiker und die Tatsache betrachtet, dass ‘Talinka’ im amerikanischen und asiatischen Markt bei Moonjune Records untergekommen sind, weiß man schon in welche Richtung die Musik gehen wird. Sie ist auf jeden Fall im Jazz-Bereich angesiedelt. Wobei ‘Talinka’ keinesfalls Free-Jazz machen sondern eher die ruhige, melodische Richtung abdecken.
Die CD ist eine wunderbare Scheibe aus schönen, entspannten Songs geworden, bei denen neben dem außergewöhnlich guten Gesang von Tali Atzmon vor allem das Zusammespiel zwischen dem Double-Bass von Yaron Stavi mit den weiteren Instrumenten (manchmal im Duell / Duett mit Piano, und fast noch besser zusammen mit den Blasinstrumenten) begeistern kann. Einige Songs sind richtig herausragend, wenn man mit der Musikrichtung etwas anfangen kann. Mir persönlich gefallen so Titel wie ‘Don’t Explain’, ‘Losing Vision’ oder auch ‘You Don’t Know Whar Love Is’ ausgesprochen gut ... die ganze CD kann ich mir abends an einer Bar mit einem guten Whisky, Rum oder Gin Tonic hervorragend vorstellen. Und wenn der Vergleich auch ein bißchen hinkt ... hätte anstatt Tali Azmon Sting die Vocals übernommen, wäre die CD wahrscheinlich ein Welterfolg. So kann ich nur hoffen, dass ‘Talinka’ mit diesem Werk im entsprechenden Genre die Aufmerksamkeit bekommen die sie verdient haben. Auch wenn es kein Prog ist, möchte ich meinen Lesern die CD wärmstens ans Herz legen. Der Herbst und Winter kommt bald und das kann man bei einem Gläschen Rotwein am Abend auf jeden Fall hören. Mehr Infos über die Band gibt es auf ihrer Homepage.

Threshold - Legends Of The Shires (VÖ:08.09.2017)
Einen kleinen (oder vielleicht auch größeren) Paukenschlag gab es mal wieder bei meinen Lieblings-Prog-Metallern ‘Threshold’, denn Ausnahmesänger Damian Wilson ist raus und wurde durch Glynn Morgan ersetzt, der kurzzeitig schon mal bei der Band war und auf der 2. Scheibe ‘Psychedelicatessen’ aus dem Jahr 1994 gesungen hat. Und auch da hatte er schon Damian Wilson ersetzt, der ja das Debutalbum ‘Wounded Land’ (1993) eingesungen hatte.
Über die Gründe der Trennung gibt es leider nicht viele Informationen. Nach meiner Kenntnis gab es wohl schon bei den ersten Aufnahmen zu ‘Legends Of The Shires’ Terminprobleme mit Damian Wilson, um die Gesangsspuren aufzunehmen. Außerdem äußerte sich Damian gegenüber der Band wohl auch dahingehend, dass er nicht mehr so viel Zeit für Live-Auftritte haben wird. Und um die Aufnahmen nicht weiter zu verzögern hat man sich auf eine Trennung geeinigt.
Naheliegend war es dann, den alten Sänger Glynn Morgan zu fragen ob er wieder Lust hat, da man mit ihm auch weiterhin verbunden war und z.B. im Jahr 2009 zusammen ein paar Neueinspielungen alter Songs gemacht hatte. Offensichtlich stimmte die Chemie sofort wieder und somit hatte Threshold einen neuen (alten) Sänger.
Auch wenn mir persönlich das Album ‘Psychedelicatessen’ nicht wirklich richtig gefallen hat (der Vorgänger ‘Wounded Land’ war dafür einfach zu perfekt), fand ich Glynn Morgan als Sänger herausragend, da Glynn mit seiner Stimmfarbe etwas mehr Härte in die Songs gebracht hatte. Er ist halt eher ein Metal- als ein Prog-Sänger. Damian Wilson hatte dagegen eine schon eher ‘problematischere’ Stimmfarbe, die vor allem in seinen Solo-Werken rüber kommt und eher in ruhigen Passagen glänzen kann.
‘Legends Of The Shires’ kommt als Doppel-CD mit einer Spielzeit von insgesamt 82 Minuten daher. Und um gleich mal die Frage zu beantworten, ob man nicht einfach einen Song weg lassen konnte damit alles auf eine CD passt .. NEIN!
Inhaltlich geht es um einen Staat, der seinen Platz in der Welt sucht (ein Schelm der hierbei an England und den Brexit denkt und das zukünftige Verhältnis Englands zum Rest Europas). Es geht um Selbstfindung, Wahrheitssuche und Erkenntnis. Somit ein hoch politisches und aktuelles Thema.
Musikalisch wandeln ‘Threshold’ auf ziemlich sicheren Pfaden. Der Wiedererkennungswert ist sehr sehr hoch ... imposante Kompositionen, schneller Metal, eingängige Melodien, ausufernde Instrumental-Parts, geile Gitarren-Soli, fetter Sound. 2 Long-Songs über 10 Minuten. Zuerst (‘The Man Who Saw Through Time’ mit 12 Minuten auf jeden Fall das Herzstück auf CD 1 mit einem Gänsehaut-Beginn ... ruhig, pathetisch, saugeiler Gesang ... Gitarre zum dahinschmelzen ... dann nach knapp 4 Minuten mehr Tempo und ein typischer Threshold Song mit brillantem Refrain und einem fetten Gitarren-Solo gegen Ende ... hier hat Richard West als Songschreiber sein Meisterstück abgeliefert. Und auf CD 2 dann ‘Lost in Translation’, insgesamt etwas härter aber nicht weniger interessant und abwechslungsreich. Weitere Highlights sind ... bla bla bla ... nicht ein Ausfall oder Lückenfüller. Vielleicht noch besonders zu erwähnen sind die 2 Power-Balladen ‘The Shire Pt. 2 (wieder mit einem Gänsehaut-Gitarren-Solo) und ‘State Of Independence’, das schon fast ein bißchen radiotauglich ist.
Fazit: Geile CD, geiler neuer (alter) Sänger, Threshold legen noch eine Schippe drauf und überspringen die Latte des Vorgängers ‘For The Journey’, die für mich neben ‘Wounded Land’ ganz oben auf der Liste stand, ohne sie auch nur zu streifen. Ein weiterer Meilenstein in der Band-Geschichte.

Vantomme - Vegir (VÖ:05.01.2018)
Mal wieder was Neues aus dem Hause Moonjune Records, bekannt für erstklassige Jazz-Veröffentlichungen, die auch für Prog-Freunde interessant sein können. Und das trifft vor allem auf die vorliegende Scheibe ‘Vegir’ von ‘Vantomme’ zu, die neben (natürlich) vielen Jazz-Anleihen vor allem auch hervorragende Prog-Momente hat. Und das liegt vor allem an den teilnehmenden Musikern. Zu allererst möchte ich hier Dominique Vantomme nennen, der mit seinen diversen Tasteninstrumenten (Fender Rhodes Electric Piano, Piano, Mini Moog, Mellotron) einen unglaublich guten Background-Sound hinbekommen hat. Dazu der Ausnahme-Gitarrist Michel Delville (The Wrong Object, Doubt, Machine Mass), der ein paar herausragende Gitarren-Parts abliefert. Die Rhytmusfraktion besteht dann noch aus keinem Geringeren als Tony Levin am Bass (vor allem natürlich über Peter Gabriel bekannt) und dem Drummer Maxime Lenssens, den ich bis jetzt noch nicht kannte.
Da die CD rein instrumental ist, finde ich immer witzig, wie Jazz-Bands auf ihre Song-Namen kommen, da es ja keinen Text-Bezug gibt. Und auch bei ‘Vegir’ gibt es meiner Meinung nach 2 richtige Perlen. ‘Playing Chess With Barney Rubble’ (das ist der englische Name von Barney Geröllheimer von den Feuersteins) oder noch besser ... ‘The Self Licking Ice-cream Cone’. Unglaublich kreativ würde ich mal sagen.
Musikalisch liegen ‘Vantomme’ eindeutig im ziemlich ruhigen Jazz-Prog Bereich, Kein ausuferndes Gedudel sondern immer sehr homogen und auch Melodie-Orientiert. Natürlich dürfen die einzelnen Musiker auch mal ihrer Kreativität freien Lauf lassen, aber insgesamt ist die Scheibe durchweg eher leicht verdaulich und somit auch eventuell für Hörer die mit Jazz normalerweise nicht so viel anfangen können, sehr verdaulich. Muss man unbedingt mal antesten.

Vuur - In This Moment We Are Free - Cities (VÖ:19.10.2017)

Vuur (niederländisch für Feuer) ist die neueste Band von Ex-The-Gathering Chanteuse Anneke van Giersbergen. Mit ihren letzten Solo-Alben unter verschiedenen Namen hatte sie ja eher ihre folkige, poppige und ruhige Seite entdeckt. Nun, mit zum Teil alten Weggefährten, die man von ‘The Gentle Storm’ und ‘Ayreon’ kennt, geht es (endlich) wieder zurück zu den Wurzeln und in härtere Gefilde. Zur Band gehören noch Ed Warby (Drums), Ferry Duijsens (Gitarre), Johan van Stratum (Bass) sowie Jord Otto (Gitarre). Die Songs wurden teilweise mitgeschrieben von Esa Holopainen (Amorphis), Mark Holcomb (Periphery) und Daniel Cardoso (Anathema). Das klingt zwar sehr interessant, aber am Ende ist ein Album entstanden, mit dem ich nur recht wenig anfangen kann.
Jeder Song ist einer Weltstadt gewidmet, begonnen wird mit ‘My Champion - Berlin’, bei einer Spielzeit von gut 7 1/2 Minuten auch gleich der längste Song auf dem Album. Und man muss sich erst mal wieder daran gewöhnen, dass die eigentlich liebliche Stimme von Anneke auch mal zu härteren Tönen gepasst hat. Klingt schon ein bißchen nach ‘The Gathering’, vor allem die Gesangs-Linien. Ein richtig guter Einstieg in das Album ... oder ... um es vorweg zu nehmen ... eines der wenigen Highlights, weil auch ein bißchen im Prog-Metal angesiedelt. Schöne Breaks, ein paar richtig gute Gitarren-Parts und Anneke singt halt wie Anneke.
Danach wird es leider lange Zeit weniger griffig. ‘Time - Rotterdam’, ‘The Martyr And The Saint - Beirut’ und auch das folgende ‘The Fire - San Francisco’ sind eher langweilig bis belanglos.
Erst mit ‘Freedom - Rio’, geschrieben von Mark Holcomb, wird es wieder hochklassig. Richtig guter Song zwischen Gefühl und Härte und es ist das zweite Mal auf dem Album wo der Gesang von Anneke nicht ins nervige abdriftet.
‘Days Go By - London’ kann man mal so als überdurchschnittlich durchgehen lassen. Hat schöne (harte) Momente, ein ziemlich gutes Riffing aber auch ein wenig Leerlauf zwischendurch. Amorphis-Mann Esa Holopainen ist dann verantwortlich für ‘Sail Away - Santiago’. Leider kommt seine Stammband hier so gar nicht durch. Trotzdem ganz nett. Auch ‘Valley Of Diamonds - Mexico City’, geschrieben von Daniel Cardoso, hat eher weniger was von Anathema sondern erinnert mich mehr an die guten alten Zeiten von ‘The Gathering’. Richtig guter Song mit einem Refrain der sich im Kopf einprägt. ‘Your Glorious Light Will Shine - Helsinki’ könnte dann fast als die Quoten-Power-Ballade durch gehen, wären nicht die harten Gitarren-Riffs zwischendurch. Insgesamt auch eher ein The Gathering - Song. Es folgt ‘Save Me - Istanbul’, der zweite Song von Holopainen. Ein bißchen orientalisch angehaucht (das Hintergrund-Gedudel) aber haut mich nicht wirklich aus den Socken.
Das Album endet mit ‘Reunite! - Paris’. Und das ist jetzt wirklich die Quoten-Ballade und Anneke dar endlich mal ihre gesamte Range an Stimmumfang zeigen. Schöner Abschluss.
Insgesamt bin ich von ‘In This Moment We Are Free - Cities’ vor allem wegen den ganzen beteiligten Musikern und Gast-Song-Schreibern ein wenig enttäuscht, aber vielleicht waren auch einfach die Erwartungen zu hoch. Für mich sind auf dem Album leider zu viele ähnliche Songs drauf. Abwechslungsreich kann man die Scheibe sicher nicht nennen. Aber es gibt auch ein paar richtig herausragende Songs (vor allem Berlin, Rio und Paris möchte ich ausdrücklich erwähnen). Für ein Debut-Album aber richtig gut gemacht. Ich bin gespannt ob und wie es mit dieser Band weiter geht.

Wingfield / Reuter / Sirkis - Lighthouse (VÖ:20.10.2017)
Für die Jazz-Freunde unter meinen Lesern hätte ich mal wieder einen ultimativen Tipp. Das Album ‘Lighthouse’ von Mark Wingfield (Gitarre), Markus Reuter (Touch-Gitarre) und Asaf Sirkis (Drums), aufgenommen innerhalb von wenigen Tagen in den La Casa Murada Studios in Katalonien - einem Haus aus dem 11. Jahrhundert - , ist eigentlich während den Aufnahmen zu dem Album ‘Stone House’ zusammen mit dem begnadeten Ausnahme-Bassisten Yaron Stavi entstanden. Stavi kam erst später und so hat man einfach mal ein bißchen die Kreativität raus gelassen und ein paar Stunden Musik aufgenommen. Ergebnis ist nun ‘Lighthouse’.
Es ist nicht wirklich Jazz, es ist nicht wirklich Rock. Eher eine Mischung aus beiden (völlig unterschiedlichen) Richtungen. Natürlich wird gejammed was das Zeug hält aber es bleibt eben nicht nur bei Free-Jazz sondern es sind auch genügend rockige Elemente enthalten. Aber überragend ist natürlich die technische Perfektion der Musiker. Da fällt einem schon mal die Klappe herunter, mit was für einer Leichtigkeit selbst schwierigste Parts fast lässig gespielt werden.
Als absolutes Highlight möchte ich mal den über 14 Minuten langen Song ‘Ghost Light’ herausheben. Selten so eine gefühlvoll gespielte E-Gitarre gehört die einfach nur traumhaft wimmert. Das kann eigentlich sonst nur David Gilmour.
Natürlich muss man musikalisch schon sehr aufgeschlossen sein, um mit ‘Lighthouse’ warm zu werden. Die Hobby-Musiker unter uns können sich aber hier doch mal anhören, wie es richtig geht. Veröffentlicht wurde das Album - natürlich - beim New Yorker Jazz-Label Moonjune Records, offensichtlich hat Leonardo Pavkovic, der Label-Boss in Cargo Records einen deutschen Distributor gefunden, so dass es wohl einfacher wird, Moonjune-Veröffentlichungen in Deutschland zu bekommen.

 

BuiltWithNOF
[Index] [CD-Kritiken] [Neue Kritiken] [A - C] [D - E] [F - H] [I - L] [M - O] [P - R] [S - T] [U - Z] [HRC-Shirts]