Neue CD-Kritiken

Neue CD-Kritiken

 

Hier findet Ihr die neuesten CD-Kritiken der letzten Updates. Über Musik lässt sich nicht streiten, nur diskutieren. Deswegen bitte bitte keine beleidigenden Mails mehr, nur weil ich Eure Lieblings-CD schlecht kritisiert habe. Das hier ist AUSSCHLIESSLICH MEIN Musikgeschmack (bzw. natürlich der Geschmack meiner Co-Kritiker). Ich halte Euch ja auch nicht für blöd, nur weil Ihr Helene Fischer oder Andrea Berg gut findet. Schickt mir dann lieber eine Gegen-Kritik als TXT-Datei. Die wird dann selbstverständlich auch veröffentlicht.

Und wer Schreibfehler findet darf sie behalten !!

 

04.09.2020

15.11.2020

13.03.2021

Boscher, Xavier - Zoologica Duodecim #3 Pond

Ayreon - Transitus

Bühlmann, Roland - Dubnos

Damnation Angels - Fiber Of Our Being

Blossom Cult - Closure

De Viala, Jaume - Sonoritat De Mil Miralls

Final Conflict - The Rise Of The Artisan

Boscher, Xavier - Waterscapes

Dragony - Viribus Unitis

Kamelot - I Am The Empire (Live from the 013)

Fish - Weltschmerz

Dream Theater - Distant Memories Live In London

Poor Genetic Material - Here Now

Heartscore - Sculptures

Flying Colors - Third Stage: Live In London

Virtual Symmetry - Exoverse

Methodica - Clockworks

Gabriel - New Life

Warkings - Revenge

Visions Of Atlantis - A Symphonic Journey To Remember

Gildenlöw, Kristoffer - Homebound

 

 

Maxxess - Reactivate

 

 

Nine Skies - Return Home

 

 

Nine Skies - Sweetheart Grips

 

 

No Terror In The Bang - Eclosion

 

 

Vanden Plas - The Ghost Xperiment Illumination

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ayreon - Transitus (VÖ: 25.09.2020)
Normalerweise ist, wenn Ayreon auf einem Album steht, auch Ayreon zu 100% drin. Man weiß zwar nicht wirklich was einen erwartet, denn von Rock-Album bis Rock-Oper ist bisher alles vorhanden gewesen. Meistens war es eine Si-Fi- Geschichte, meistens mit vielen Gästen und meistens ziemlich genial.
Und nun kommt Transitus. Und was soll ich sagen ... es ist eher ein Musical geworden. Viele Erzählungen (durch keinen Geringeren als Tom Baker), eigentlich keine herausstechende Songs sondern eine durchgehende Geschichte (wie das halt so in Musicals üblich ist) und viel storydienliches Drum herum.
Obwohl ich jetzt wirklich kein Liebhaber von Musicals bin, muss ich zugeben dass mir ‘Transitus’ nach mehrfachem Hören richtig gut gefällt. Klar, es gibt einige Längen in dem Album, aber das alles ist in sich sehr schlüssig.
Entgegen anderer Ayreon-Alben spielt ‘Transitus’ im Jahr 1884 und erzählt eine Liebesgeschichte des Protagonisten Daniel (Tommy Karevik - Kamelot), der in einer Zwischenwelt (Transitus) unter Hilfe eines Todesengels (Simone Simons - Epica) seine durch äußere Einflüsse komplizierte Liebe zu Abby (Camine Gilbert - Oceans Of Slumber) durchlebt und den Intrigen auf den Grund gehen kann. In der ganzen Geschichte kommen noch viele andere Personen vor, die unter Anderem von Marcela Bovio (Stream Of Passion), Paul Manzi (Ex- Arena), Johanne James (Threshold), Amanda Somerville (Avantasia und weitere Projekte), Michael Mills (Toehider) oder auch Dee Snider (Twisted Sister) übernommen wurden.
Leider liegen dem Album keine Lyrics bei, was das Verfolgen der Geschichte gelinde gesagt sehr schwierig macht. Allerdings lag meiner Version ein Heft in Form eines Comics bei, das die Story dann doch etwas verständlicher macht.
Insgesamt ist ‘Transitus’ zuerst eine sehr schwer verdauliche Kost. Aber vor allem das Ansprechen von gerade heute aktuellen Themen wie Rassismus und Klassendenken machen das Album zu etwas Besonderem, wenn man sich darauf einlässt. Ayreon Fans werden bestimmt schon blind zugegriffen haben, ein klassischer Einstieg für Nicht-Kenner der Band dürfte ‘Transitus’ aber nicht sein. Auf jeden Fall kann man Ayreon-Mastermind Arjen Lucassen nicht vorwerfen, dass er auf der Stelle stehen bleibt. Das Album ist dafür viel zu überraschend und auf seine eigene Weise auch genial.

Blossom Cult - Closure (VÖ: 11.09.2020)
Nach sieben Jahren Prog-Rock unter dem Namen ‘Seeking Raven’ war für die Band 2019 Schluss. Aus dieser Band sozusagen hervorgegangen ist nun ‘Blossom Cult’, denn János Krusenbaum (Gesang, Gitarre, Keyboards) und Max Krüger (Gesang, Gitarre) haben nach einem Jahr musikalischer Auszeit diese neue Formation gegründet. Im April 2020 gab es das erste Video von dem Song ‘Atlas’, im Mai 2020 folgte dann das nächste Video (‘Same Old Song’) und jetzt im September die erste EP namens ‘Closure. Und inzwischen sind noch weitere Musiker dazu gekommen. Rik Schindler (Drums), den man von ‘Ashby’ kennt sowie der Tastenmann Elias Bauer und Alexander Dachwitz am Bass als Live-Unterstützung.
 Die EP beinhaltet auf gut 26 Minuten insgesamt 8 Songs, wobei man den Opener ‘Beginning Of The End’ sowie den Abschlusstrack ‘The Road Home’ wegen der Kürze abziehen muss. Somit bleiben 6 Songs mit einer Laufzeit zwischen 3 1/2 und 5 Minuten übrig. Für Prog zwar alle ziemlich kurz, aber das will ja nichts heißen.
Nach dem schon genannten Intro ‘Beginning Of The End’, das sehr sphärisch, getragen und instrumental ist, gibt es mit der ersten Single ‘Atlas’ gleich mal ein bisschen was auf die Zwölf. Denn neben Klar-Gesang geht die ganze Sache auch recht heftig in Richtung Metal-Core, wobei es dann auch immer recht melodisch zwischendruch wird. Richtig guter und abwechslungsreicher Song.
Es folgt danach der längste Song ‘Burn’, der im Mid-Tempo Bereich angesiedelt ist und einen sehr eingängigen Refrain besitzt. ‘My Sickness’ geht dann wieder mehr recht heftig nach Vorne und erinnert mich ein bisschen an ‘Pain Of Salvation’, vor allem wegen den ‘zarten’ Parts zwischendurch.
‘Burden’ geht dann in eine ganz andere Richtung. Heftige Gitarren-Riffs, ein bisschen Keyboards im Hintergrund, Sprechgesang. Auch eher Metal-Core. Es folgt ‘Cotard Delusion, und das möchte ich mal als die Quoten-Ballade bezeichnen. Und zum Schluss dann noch ‘Same Old Song’, das dann alles Vorangegangene vermischt und für mich auf jeden Fall der abwechslungsreichste Track ist (einschließlich einem recht netten Gitarrensolo zwischendurch). Das ‘Outro’ ‘The Road Home’, auch wieder sehr sphärisch und instrumental beschließt dann endgültig die EP.
Mit ‘Closure’ ist ‘Blossom Cult’ auf jeden Fall ein sehr interessantes und abwechslungsreiches Erstlingswerk gelungen und irgendwie kann ich die musikalische Ausrichtung der Band noch nicht so ganz greifen. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen lohnt sich ein Ohr zu riskieren. Mehr Infos über die Band gibt es auf ihrer Homepage.

Boscher, Xavier - Zoologica Duodecim #3 - Pond (VÖ: 26.07.2020)
Wenn der Süd-Franzose Xavier Boscher seine Gitarren in die Hand nimmt, dann kommen immer traumhaft schöne, instrumentale Songs raus.
Bereits 2018 hat Xavier Boscher angekündigt, dass er insgesamt 12 Mini-Alben heraus bringen wird, auf denen er diverse Tiere in ihren unterschiedlichen Plätzen im Leben beschreiben will. #1 (Ocean) wurde 2018 veröffentlicht. #2 ging leider komplett an mir vorbei. Keine Ahnung warum. Und jetzt gibt es mit #3 (Pond ... auf Deutsch Teich) 5 weitere Tiere (Heron - Reiher, Swan - Schwan, Dragonfly - Libelle, Frog - Frosch und Carp - Karpfen), die musikalisch beschrieben wurden. Und das sind wieder ca. 20 Minuten geniale Gitarren-Musik.
‘(Guitar) Heron’, wie das Stück richtig heißt, fetzt schon mal richtig flott in die Ohren, rockt ohne Ende mit tollen Melodie-Linien und tollen Breaks. ‘Swan’ kommt, wie man schon vermuten könnte, etwas getragener daher. Ein geniales Werk im Mid-Tempo-Bereich und man sieht förmlich den Schwan auf dem See gemütlich durch die Gegend schwimmen. ‘Dragonfly’ ist dann eher ein experimentelleres Stück ohne richtige Melodie, lässt aber das filigrane Fliegen einer Libelle erahnen. ‘Frog’ ist eher am Anfang elektronisch angehaucht, wandelt sich dann aber in ein geniales Gitarren-Stück, auf dem das Instrument nur so wimmert. Richtig cool. Und zum Abschluss dann noch ‘Carp’, dem eher fetten Tier entsprechend wieder etwas gemächlicher.
Xavier Boscher hat auf jeden Fall ein Händchen, die Tiere tatsächlich musikalisch zu beschreiben und dabei dann auch noch geniale Songs zu komponieren. Auch #3 kann ich allen Liebhabern von instrumentaler Gitarrenarbeit nur wärmstens ans Herz legen. Wie immer gibt es das Album in rein digitaler Form auf der Bandcamp-Seite von Xavier Boscher für schlappe 2 Euro 50 (oder mehr) zu erwerben.

Bühlmann, Roland - Dubnos (VÖ: 22.12.2020)
Über den Schweizer Multiinstrumentalisten Roland Bühlmann habe ich auf meiner Seite schon wegen seinem dritten Album ‘Crucial’ aus dem Jahr 2019 geschrieben. Nun gibt es seit Ende Dezember 2020 das vierte Werk namens ‘Dubnos’.
Im Unterschied zu den Vorgängeralben hat sich Roland Bühlmann musikalische Unterstützung geholt. So ist Terl Bryant am Schlagzeug (u.a. Peter Gabriel, Iona, Steeleye Span) auf fast allen Songs zu hören, kein Geringerer als David Cross (King Crimson) kommt bei einem Song (‘Aaschutz’) mit seiner Violine zur Geltung und Yukiko Matsuyama, eine recht fleißige Musikeren in unterschiedlichen Genren darf auf zwei Songs das Instrument Koto spielen, eine japanische Wölbrettzither.
Roland Bühlmann ist auf dem Album natürlich vor allem als Gitarrist unterwegs, hat jetzt aber auch mit Sythesizern sowohl digital als auch anlaog experimentiert, was der Musik noch viel mehr Fülle und Tiefe verleiht.
In weiten Teilen bewegt sich Roland Bühlmann, wie auch bem Vorgänger ‘Crucial’, auf Prog-Jazz-Fusion-Pfaden, wenn man das so beschreiben kann. Es ist nicht Jazz (zum Glück), es ist nicht reiner Prog. Es ist eine richtig gute Mischung aus beiden Genres. Gepaart mit ein bisschen Welt-Musik. Eine kleine Ausnahme bildet hier der Song ‘Ubiquitous’, der ohne viel Schnick Schnack äußerst rockig aber auch entspannt daherkommt. Liegt vielleicht ein bisschen an dem Einsatz des analogen Sythesizers, der irgendwie 70er Feeling aufkommen lässt.
Insgesamt ist auch ‘Dubnos’ keine leicht verdauliche Kost. Aber das ist glaube ich auch nicht der Anspuch von Roland Bühlmann. Wer auf vertrackten Prog-Jazz steht, sollte das Album auf jeden Fall antesten. In diesem Genre ist Roland Bühlmann ganz sicher oben mit dabei.
Zu erwerben ist das Album auf der Bandcamp-Seite von Roland Bühlmann für schlappe 10 Schweizer Franken.

Boscher, Xavier - Waterscapes (VÖ: 20.11.2020)
Einer der fleißigsten Musiker in letzter Zeit ist auf jeden Fall der südfranzösische Gitarrist Xavier Boscher der in stetiger Regelmäßigkeit Musik veröffentlicht und auf seiner Bandcamp-Seite verkauft. Und gerade mal 4 Monate nach seinem dritten Teil seiner Zoologica-Reihe gibt es sozusagen zwischendurch ein komplettes neues Album namens ‘Waterscapes’.mit insgesamt 9 Songs auf knapp 40 Minuten.
Und was soll ich viel schreiben. Ich hoffe Ihr habt Euch das eine oder andere Album von Xavier Boscher zugelegt und wisst was Euch erwartet. Geniale Gitarren-Arbeit gepaart mit tollen Melodielinien die nicht mehr aus dem Kopf gehen. Das beginnt mit dem Opener ‘Cataract’, der richtig flott daherkommt, dann ein kleiner Ausflug in Jazz-Gefilde (‘Nectar Ocean’s Depth’), proggig bei ‘Atlantis’ (mit gut 6 1/2 Minuten der längste Song), richtig entspannend (‘Hydrotherapy’), sehr rockig (‘Fairy Pool’) und und und ...
Wer auf richtig gute Gitarren-Musik steht, kommt an Xavier Boscher nicht vorbei. Und da macht auch ‘Waterscapes’ keine Ausnahme. Liebhaber müssen das Album haben und können es für 7 Euro als Digitale Version auf der o.g. Bandcamp-Seite erwerben.

Damnation Angels - Fiber Of Our Being (VÖ: 31.07.2020)
’Damnation Angels’ habe ich zum ersten Mal als Opener von ‘Threshold’ im Jahr 2017 gesehen. Dort gleich das letzte Album ‘Bringer Of Light’ aus dem Jahr 2013 gekauft und hier auf meinen Seiten auch besprochen.
Auf dem Konzert 2017 war schon - anders als auf der Studio-CD - Iggy (Ignacio) Rodriguez am Mikrofon und hat einen sensationell guten Job gemacht. Und jetzt, auf ‘Fiber Of Our Being’, ist er wohl neues Mitglied in der Band geworden. Leider kommt Iggy aus Argentinien und es gab diverse Probleme mit Visum und Flug nach England zum Einsingen des neuen Albums. Deswegen hat es jetzt dann doch eine Weile gedauert, bis das Album veröffentlicht wurde. Aber ich kann jetzt schon mal sagen, dass sich das Warten absolut gelohnt hat.
Die Band um die Graney-Brüder William (Gitarre) und John (Drums) sowie noch Bassist Nic Southwood liefern mit ‘Fiber Of Our Being’ ein geniales Werk ab, das irgendwo zwischen Symphonic- und Prog-Metal angesiedelt ist.
Der Opener ‘More Than Human’ ist ziemlich rockig und direkt mit einer richtig genialen Melodie, die nicht mehr aus dem Ohr geht. Wow. Das folgende ‘Railrunner’ ist noch ein bisschen bombastischer, symphonischer aber auch proggiger mit tollen Breaks und einem wirklich genial gefühlvollen Gesang von Iggy bei den ruhigeren Parts. Da ist Gänsehaut vorprogrammiert. Und mit gut 6 1/2 Minuten hat der Song auch eine passende Länge, um mehrere Stile abzudecken.
Das folgende Titelstück ist dann eher im Mid-Tempo angesiedelt und hat einen Refrain, der auf Konzerten bestimmt mitgesungen wird ... geniale Melodie-Linie.
Alle Songs jetzt zu besprechen würde echt den Rahmen sprengen. Aber ich möchte auf jeden Fall noch das geniale ‘Fractured Amygdala’ herausheben, dass einfach total abwechslungsreich (und damit recht proggig) ist. Aber noch mehr den Song ‘Remnants Of A Dying Star’, der mit fast 13 Minuten wirklich alle Grenzen sprengt. Das ist Prog-Metal vom Feinsten.
Ich kann jedem dieses Album nur sehr ans Herz legen. Geniale Musik die einfach mehr Aufmerksamkeit braucht. Und ich hoffe, dass ich die Band irgendwann mal wieder Live erleben darf.
Zu erwerben gibt es das Album unter Anderem auch auf der Homepage der Band, bzw dort gibt es diverse Bezugsmöglichkeiten. Unbedingt kaufen!

De Viala, Jaume- Sonoritat De Mil Miralls (VÖ: 26.07.2019)
Jaume De Viala, ein katalanischer Gitarrist, war von 1979 bis 1983 Mitglied der katalanischen Prog-Ethno-Fusion-Band ‘Celobert Màgic’ und hat dort auch ein paar Songs geschrieben. Die Band ist mir völlig unbekannt und auch meine Recherchen im Internet haben irgendwie keinen Treffer ergeben. Aber egal ... Jaume De Viala will auf jeden Fall den musikalischen Geist von damals in ein moderneres Gewand zu bringen. Interessanterweise konnte Jaume für dieses Vorhaben die Sängerin Judit Cucala gewinnen, die damals auch zum Band-Line-Up gehört hat.
Wenn man jetzt noch die Masse der beteiligten Musiker durchblättert und so (für mich) bekannte Namen wie Dusan Jevtovic (Gitarre, u.a. bei Tony Levin, David Cross, Gary Husband) oder auch Xavi Reija (Drums, u.a. Markus Reuter, Tony Levin) wiederfindet (von beiden Musikern habe ich schon auf meiner Homepage berichtet), weiß man schon in welche Richtung das Album (das immerhin 22 Songs auf 62 Minuten beinhaltet) geht. Das ist richtig entspannter Light-Jazz, ein bisschen Bar-Musik, zum Teil Folk aber auch immer wieder interessante Wendungen in den Songs.
Es ist schwierig, einzelne Songs herauszuheben, dazu ist das Album einfach zu vielschichtig. Trotzdem finde ich den vierten Song ‘Quan ...’ ziemlich grandios, auch wenn er nur 2 Minuten lang ist. Gerade hier erkennt man, wie gefühlvoll Jaume De Viala mit der Gitarre umgehen kann.
Für reine Proggies dürfte das Album wohl zu seicht oder auch ‘weltmusikalisch’ zu sein. Aber es lohnt sich trotzdem mehr als nur ein Ohr. Am Besten bei einem Glas guten Rotwein am Abend in gemütlicher Stimmung.
Das Album kann für 10 Euro auf der Bandcamp-Seite von Jaume De Viala erworben werden.

Dragony - Viribus Unitis (VÖ: 15.01.2021)
Die österreichischen (Symphonic-) Metaller ‘Dragony’ sind ja schon ein bisschen dafür bekannt, ‘lustige’ Geschichten in geniale Musik zu verwandeln. Man denke nur an den grandiosen Song ‘If It Bleeds We Can Kill It’ vom Vorgänger-Album ‘Masters Of The Multiverse’, auf dem Arnold Schwarzenegger gehuldigt wird.
Und auch auf ‘Viribus Unitis’ kommt der Spaßfaktor nicht zu kurz. Denn dieses ‘Konzeptalbum’ ist von der Story her sowas von schräg. Es handelt von der ‘wahren Geschichte’ Habsburgs, von Kaiser Franz Joseph I, seiner Frau Elisabeth (eher bekannt unter Sissi), dem gemeinsamen Sohn Kronprinz Erzherzog Rudolf und der völlig verdrehten Version, dass Rudolf seinen Suizidversuch überlebt, nach Sissi sucht und diese dann als Zombie mit einem Heer von Untoten zurückkehrt. Ganz ehrlich ... phantasielos ist anders :-).
Völlig schräg dann schon der Opener ‘On The Blue Danube’ ... wie könnte man besser diese Geschichte einleiten als mit ‘An der schönen blauen Donau’ von Johann Strauss. Ist dieser Schock erst mal verdaut, gibt es mit ‘Gods Of War’ gleich mal so richtig einen auf die Fresse. Was für ein geiler Song (geschrieben von Tommy Johansson - Sabaton, Majestica, Symphony Of Tragedy und Tomas Svedin - Symphony Of Tragedy), der überhaupt nicht mehr aus dem Ohr geht. Auch ‘Love You To Death’, geschrieben von Michele Guaitoli (Temperance, Visions Of Atlantis) ist einfach nur grandios ... eine Melodie zum dahinknien. Dragony at it’s best. Mehr Power-Metal dann bei ‘Magic’ ... zumindest im Refrain.
Jeden Song jetzt hier zu beschreiben wäre reine Zeitverschwendung. Denn das ganze Album besteht eigentlich nur aus Killern. Trotzdem möchte ich noch den Song A.E.I.O.U. erwähnen. Austriae Est Imperare Orbi Universo (es ist Österreich bestimmt die Welt zu beherrschen), ein Habsburger Wahlspruch bei dem die Geschichte gezeigt hat, dass er etwas daneben war. Aber ... der Song ist geil und die zweite Strophe darf Georg Neuhauser (Serenity) singen ... und das mal wieder in seiner unverwechselbaren Art. Grandioser Refrain inclusive.
11 geile Songs, null Sekunde langweilig, Hammer-Album. Nur beim Bonus-Track haben Dragony mal wieder völlig daneben gegriffen. Oder es ist mal wieder gewollt, was völlig anderes zu vertonen. Dieses Mal ist es ‘Haben Sie Wien Schon Bei Nacht Gesehen’ von Rainhard Fendrich. Ich möchte es als fast grausam bezeichnen. Aber mit einem kleinen Augenzwinkern kann man auch das ertragen.
Das Album muss man haben.

Dream Theater - Distant Memories Live In London (VÖ: 27.11.2020)
Dream Theater. Immer das gleiche Muster. Studio-Album, Tour, Live-Album. Studio-Album, Tour, Live-Album. Es stellt sich echt die Frage, ob man das immer alles braucht. Klar, Dream Theater haben mittlerweile ein solch großes Repertoire, dass sich auch Konzerte von der Song-Auswahl nie wiederholen. Und auch bei dem Konzert hier, aufgenommen am 21. und 22. Februar 2020 im Apollo-Theater in London, macht da keine Ausnahme. Denn ... man feiert den 20. Geburtstag des grandiosen Studio-Albums ‘Scenes From A Memory’ und spielt es einfach mal in der Mitte des Konzerts komplett. Davor ein paar Songs vom neuesten Studio-Album (‘Unthethered Angel’, ‘Fall Into The Light’, ‘Barstool Warrior’ und ‘Pale Blue Dot’ sowie 2 ältere Heuler (‘A Nightmare To Remember’, ‘In The Presence Of Enemies’) ... sozusagen eine Stunde Einstimmung auf das Highlight ... und danach dann nochmal 2 neue Songs zum runter kommen.
Was auf jeden Fall auffällt ist, dass Sänger James LaBrie noch nie so gut (live) gesungen hat wie auf dieser Aufnahme. Das ist echt schon ein bisschen erstaunlich muss ich sagen. Über den Rest braucht man keine Worte verlieren. Technisch sind alle Musiker auf höchstem Niveau und dürfen das auch ausgiebig zeigen.
Ob man das jetzt alles (schon wieder) braucht, darf sich jeder selbst beantworten. Aber das fette Paket mit 3 CDs und 2 BluRay gibt es zu recht günstigem Preis, von daher macht man nichts falsch. Und das komplette genialste Album der Band mal wieder am Stück zu hören macht ja auch richtig Spaß. Von daher ... Daumen hoch.

Final Conflict - The Rise Of The Artisan (VÖ: Januar.2020)
Die englische Neo-Prog-Band ‘Final Conflict’ ist mir Mitte der Neunziger mal über den Weg gelaufen und fand sie eigentlich ganz gut. Zwei oder drei Songs waren sogar überragend und vor allem das Album ‘Stand Up!’ kann ich empfehlen. Danach habe ich eigentlich von der Band nichts mehr gehört ... okay, mein Musikgeschmack hat sich im Laufe der Jahre auch etwas geändert und ich bin doch ein bisschen weg vom Neo-Prog.
Irgendwie habe ich (ich denke durch Facebook) erfahren, dass es die Band immer noch gibt und dass sie mit ‘The Rise Of The Artisan’ ein neues Album veröffentlicht haben. Und in Erinnerung an alte Zeiten habe ich mir das Teil dann direkt bei der Band bestellt. Und was soll ich sagen ... ‘Final Conflict’ haben sich eigentlich nicht groß geändert und machen immer noch die Musik von damals. Das fällt vor allem beim ersten Track auf, der gelichzeitig auch das Titelstück ist. Knapp über 9 Minuten Neo-Prog, der mich sehr an ‘Stand Up!’ erinnert. Und dieses Gefühl bleibt eigentlich das komplette Album über bestehen. Neo-Prog-Liebhaber machen mit dem Kauf von ‘The Rise Of The Artisan’ sicher gar nichts falsch. Richtig schöne Melodien, viel Raum für instrumentale Parts die ab und zu sogar an Pink Floyd erinnern (z.B. der Anfang von ‘Stop And Stare’) und keine unangenehmen Überraschungen.
Mehr Infos gibt es auf der Band-Homepage. Dort kann das Album auch für schlappe 11 Pfund bestellt werden.

Fish - Weltschmerz (VÖ: 25.09.2020)
Eine absolute Weltkarriere geht zu Ende. Derek W. Dick, besser bekannt als Fish und ehemaliger (und einzig wahrer) Sänger von Marillion, macht Schluss mit Musik und haut am Ende nochmal ein Doppel-Album namens ‘Weltschmerz’ raus. Und um es vorweg zu nehmen macht es mich ein bisschen traurig, war ich doch vor allem in den 90ern auf allen möglichen Konzerten von ihm in ganz Europa. Danach ging es stimmlich abwärts und am Ende wieder richtig aufwärts.
Und nun kommt mit ‘Weltschmerz’ ein richtig gutes, meist trauriges, nachdenkliches Werk und man kann eigentlich nicht glauben, dass nach so einem Aufbäumen Schluss sein soll.
Für ‘Weltschmerz’ hat Fish nochmal alte Weggefährten zusammengetrommelt. So kommen wir in den Genuss von Steve Vantsis (Bass), Robin Boult (Gitarre), John Mitchell (Gitarre), Foss Paterson (Keyboards), Craig Blundell (Schlagzeug) oder auch Dave Stewart (Drums) um einfach mal ein paar Namen in die Runde zu werfen ... also (bis auf Herrn Mitchell von Arena) alles Musiker, die Fish auf seiner langen Solo-Karriere begleitet haben. Und es sind noch massenweise andere (nicht so bekannte) Musiker dabei samt ein paar Streichern.
CD1 beginnt mit ‘The Grace Of God’, einem recht getragenen Stück, bei dem Fish zeigt, dass er stimmlich wieder so richtig auf der Höhe ist. Richtig schöner Song. Das folgende ‘Man With A Stick’ ist ein bisschen flotter angehaucht und auch hier bringt Fish eine richtig gute Sangesleistung.
‘Walking On Eggshells’ erinnert ein bisschen an die Anfänge seiner Solo-Karriere und ist für mich der vielleicht eingängigste Song mit ein paar angedeuteten Folk-Passagen und wimmernder Gitarre im Hintergrund wie zu guten alten Vigil-Zeiten.
‘The Party’s Over’ ist im Vergleich zum Rest ein richtiger Happy-Song und mit knapp 4 1/2 Minuten der Short-Track des Albums.
Ein absolutes Highlight folgt mit dem Schluss-Track von CD 1. ‘Rose Of Damascus’, mit über 15 1/2 Minuten sicher eines der Herzstücke von ‘Weltschmerz’. Und gerade hier zeigt Fish dass er überhaupt nichts verlernt hat. Ein absolutes Prog-Sahnestückchen.
CD 2 beginnt mit ‘Garden Of Remberance’, einem sehr sehr nachdenklichen Stück, nur minimal instrumentiert mit Piano und akustischer Gitarre. Da ist Gänsehaut garantiert.
Richtig fröhlich und folkig dann ‘C Song (The Trondheim Waltz)’, gefolgt von ‘Little Man What Now?’. Knapp 11 Minuten auch wieder sehr getragen und nachdenklich aber daher auch richtig schön.
‘Waverley Steps (End Of The Line), mit fast 14 Minuten ein grandioser Long-Song, vereint nochmal alles was Fish in seiner Solo-Karriere so außergewöhnlich gemacht hat. Er ist halt ein richtig großer Erzähler (gewesen).
Zum Abschluss gibt es dann noch das Titel-Stück ‘Weltschmerz’, und das ist absolut eine Reminiszenz an alte Tage. Einfach nur genial.
Als Fazit kann ich nur sagen: Danke Fish für viele schöne Momente und ‘Weltschmerz’ ist ein würdiger Abschluss der Karriere. Viel Spaß im Ruhestand. Fans müssen das Teil haben. Zu bestellen ausschließlich über seine Homepage.

Flying Colors - Third Stage: Live In London (VÖ: 18.09.2020)
Normalerweise halte ich von sogenannten Supergruppen nicht viel. Und so ging es mir auch bei ‘Flying Colors’. Zwar versprechen die Band-Mitglieder Dave LaRue (Bass), Casey McPherson (Gitarre, Gesang), Neal Morse (Keyboards, Gesang), Steve Morse (Gitarre) und Mike Portnoy (Drums und Gesang) so einiges, doch über die erste Studio-Veröffentlichung bin ich wegen Langeweile nicht hinweg gekommen.
Seit dem gab es 2 weitere Studio-Alben sowie 3 Live-Outputs und das neueste Live-Werk habe ich mir mal wieder gegönnt. Und zwar in der Version CD / DVD / BluRay ... wobei ich mich immer frage, warum man DVD und BluRay in ein Paket verfrachtet. Denn eine Version davon wird dann verstauben, je nachdem welches Abspielgerät man zu Hause hat.
Aufgenommen wurde das Konzert am 14. Dezember 2019 im altehrwürdigen Sheperds Bush Empire in London und natürlich war es gut besucht und das Publikum war begeistert.
Nun ... was soll ich sagen? Nach jahrelanger Flying Colors - Abstinenz kann ich der Musik nun doch ein bisschen was abgewinnen. Zwar sind die Songs für mich immer noch meistens zu langweilig und ermüdend, aber trotzdem hatte ich zugegebenermaßen ein paar Mal doch Gänsehaut. Songs wie ‘Kayla’ (Steve Morse kann es halt), ‘You Are Not Alone’ (was für ein gefühlvoller Song) und ‘Peaceful Harbor’ gehen dann doch runter wie Öl.
Meine Lieblingsband wird ‘Flying Colors’ bestimmt nicht mehr. Aber in der richtigen Stimmung kann man das dann doch mal anhören.

Gabriel - New Life (VÖ: 24.02.2020)
Gabriel Agudo ist ein argentinischer Sänger aus Buenos Aires. Mittlerweile ist er Solo-Künstler, wurde aber in der Musikszene bekannt als Sänger und Songwriter der Band ‘Bad Dreams’, Sänger der Band ‘In Continuum’ sowie als Leadsänger der Steve Rothery Band. Seine Solo-Karriere startete Gabriel Agudo im Jahr 2019 und mit ‘New Life’ gibt es seit Februar 2020 sein erstes Solo-Album, das er eigentlich auch auf dem Night Of The Prog Festival 2020 auf der Loreley vorstellen wollte. Aber wir wissen ja alle dass sämtliche Konzerte ab Frühjahr 2020 wegen der Corona-Krise ausgefallen sind.
Auf dem Album sind eine ganze Reihe von Gast-Musikern vertreten. Und darunter sind so bekannte Namen wie Steve Rothery (Marillion), Jan-Vincent Velazco (Pendragon), Clive Nolan (Pendragon, Arena), Dave Kerzner (In Continuum) aber auch ein paar Namen aus dem klassischen Genre wie z.B. Hélène Collerette (erste Violine des Radio France Philharmonic Orchestra) oder auch René Bosc (Orchesterdirektor des Shanghai Symphony Orchestra), der das Album auch mitproduziert hat.
Die Stimme von Gabriel Agudo klingt für mich tatsächlich ein bisschen nach Peter Gabriel und so Songs wie ‘Karmatic’ haben teilweise ein paar Anleihen an ‘The Lamb Lies Down On Brodway’ (vor allem der Piano-Part in der Mitte des Songs).
‘New Life’ ist ein richtig gutes Neo-Prog-Album geworden, bei dem die ruhigeren Parts überwiegen, aber auch ein paar rockige Elemente hat. Insgesamt ist aber alles sehr sehr melodisch und einfach ‘schön’ zum genießen. Mir fällt es schwer, Parallelen zu anderen Bands aus dem Genre zu finden, dafür ist ‘New Life’ einfach zu eigenständig. Proggies müssen auf jeden Fall unbedingt rein hören. Coole Scheibe, die es unter anderem beim polnischen Versender Independent Music Market zu erwerben gibt (dort habe ich das Album bestellt und es kam richtig schnell an). Digital kann man das Album auch auf der Bandcamp-Seite von Gabriel kaufen.

Gildenlöw, Kristoffer - Homebound (VÖ: 18.04.2020)
Vom Vorgängeralbum ‘The Rain’ (2016) des früheren Pain Of Salvation - Bassisten Kristoffer Gildenlöw war ich ja mehr als begeistert. Danach habe ich nichts mehr von ihm gehört und nun durch Zufall das neue Album ‘Homebound’ gefunden. Irgendwie ging die Veröffentlichung so völlig an mir vorbei. Und auch wenn das Album nur 35 Minuten lang ist, möchte ich es als wunderschön bezeichnen.
Thematisch ist ‘Homebound’ am Erstlingswerk ‘Rust’ angeknüpft. Es geht um die Schönheit des Lebens, um das Älter werden und um unterschiedliche Phasen des Lebens.
Der Opener ‘Eternal’ beginnt mit Vogelgezwitscher und einer richtig schönen Violine von Anne Bakker, die auch schon auf dem Vorgängeralbum zu hören war. Und dieses Into geht dann nahtlos über in den ersten ‘richtigen’ Song ‘Holy Ground’. Und das erzeugt schon wieder mal Gänsehaut. Und das nicht nur wegen der genialen Stimme von Kristoffer Gildenlöw sondern auch wegen der getragenen Stimmung, dem teilweise mehrstimmigen Gesang, dem Keyboardteppich hinter den akustischen Gitarren.
Auch der nächste Song ‘Like Father, Like Son’ ist ein geniales Stück Musik. Hier ist vor allem zu erwähnen, dass Dirk Bruinenberg (Elegy, Adagio) als Drummer gewonnen werden konnte. Auch das Gitarrensolo ist richtig cool. Die weiteren Songs gehen alle in die ruhige, nachdenkliche Richtung, ohne auch nur eine Sekunde langweilig zu werden. Immer wieder gibt es Momente zum wegschweben (z.B. bei ‘Snow’) und träumen.
Richtig genial ist auch die Cover-Version ‘Chelsea Hotel #2’ von Leonard Cohen sowie ganz am Ende die Piano-Ballade ‘You Need Not Stay (Away)’ auf dem ein alter Bekannter aus Pain Of Salvation - Zeiten (Fredrik Hermansson) in die Tasten greifen darf.
Wer auf ruhige Songs im Singer / Songwriter - Stil steht, kommt an diesem Album nicht vorbei.

Heartscore - Sculptures - Neue Version (VÖ: 03.10.2020)
’Sculptures’ war das erste Album von ‘Heartscore’, das ich auf meiner Seite besprochen habe. Das war, wenn ich mich noch genau erinnern kann, im Jahr 2002. Und nun, 18 Jahre später, hat Dirk Radloff, der Kopf hinter ‘Heartscore’, das Album nochmals völlig neu eingespielt und produziert. Zwar wurden die Songs im Prinzip beibehalten, doch ist der Stand der Technik, was Aufnahme, Mixing und Mastering betrifft, natürlich ein ganz anderer als vor 18 Jahren.
Neben einer anderen Reihenfolge der Songs (die zweite Hälfte wurde nach vorne gezogen, weil sie härter, metallischer ist und somit mehr den heutigen ‘Geschmack’ von Dirk Radloff zeigt) wurde als größter Unterschied mit Giacomo Rossi ein Sänger gefunden, der die Songs neu eingesungen hat. Und das macht die ganzen Songs dann schon zu was ganz anderem. Und für mich sind die ersten paar Songs richtig rockig geworden und kein Vergleich zu den Original-Versionen. Alles einfach eine Klasse besser. Wobei ich schon das alte Album richtig gut und interessant fand.
Auf jeden Fall war es eine richtig coole Idee, das Album nochmals neu zu veröffentlichen und ich kann es jedem nur ans Herz legen. Zu bestellen auf der Bandcamp-Seite von Heartscore.

Kamelot - I Am The Empire (Live from the 013) (VÖ: 14.08.2020)
’Kamelot’ kann man sicher als eine der Speerspitzen des Symphonic Metal bezeichnen. Und auch wenn die Band meiner Meinung nach im Laufe der Zeit einfach richtig langweilig geworden ist was Studio-Alben betrifft, ist die Fan-Gemeinde wohl immer mehr gewachsen. Hab ich ‘Kamelot’ noch in Ludwigsburg in der Rockfabrik vor ein paar hundert Besuchern gesehen, füllen sie heute, wie das vorliegende Live-Album beweist, sogar Hallen die 3.000 Menschen fassen. Denn so weit ich weiß hat das altehrwürdige Poppodium 013 im niederländischen Tilburg eben diese Kapazität. Und für die Aufnahme dieses Konzertes wurden keine Kosten und Mühen gescheut ... fette Light-Show, einige Gäste (Lauren Hart, Alissa White-Gluz, Elize Ryd, Charlotte Wessels, Sascha Paeth sowie die Streicher der Formation Eklipse plus einem Kinderchor. Eigentlich wäre der Rahmen für ein geniales Konzert gesteckt. Eigentlich ... denn, auch wenn ich mir jetzt sicher keine Freunde unter den Kamelot-Fans machen werde, finde ich die Songauswahl mäßig (zu viel Neues, Belangloses), der Sound auf der BluRay und auch der DVD ist grottig schlecht, von Menüwahl einer DVD scheinen die Produzenten noch nichts gehört zu haben. Und auch die Doppel-CD finde ich vom Sound her nicht wirklich auf dem neuesten Stand. Irgendwie klingt alles etwas dumpf und breiig. Dafür ist die Kameraführung auf den visuellen Silberlingen richtig gut. Da kann man nicht meckern.
Schwierig für mich ein paar Highlights herauszuheben. Vielleicht der richtig geniale Song ‘Under Grey Skies’ ... das Duett mit Charlotte Wessels (Delain) geht schon ziemlich unter die Haut. Vielleicht noch ‘March Of Mephisto’ und vielleicht auch noch ‘Forever’, das leider samt langweiligem SingSang der Zuschauer und Band-Vorstellung auf schlappe 14 Minuten verlängert wurde.
Naja, meiner Meinung nach haben Kamelot ihren Zenit schon seit längerer Zeit überschritten. Aber richtig schlecht ist da alles natürlich nicht. Fans werden eh bedenkenlos zugreifen.

Maxxess - Reactivate (VÖ: 01.02.2021)
Von dem schwäbischen Multiinstrumentalisten Max Schiefele aka Maxxess habe ich auf meiner Seite mit ‘Ultra’ und ‘Green Fairy’ schon 2 Alben besprochen und war von den rein instrumentalen Werken mehr als begeistert.
‘Reactivate’ beginnt recht flott mit dem Opener ‘Black Sheep’, das mit knapp 5 Minuten auch das kürzeste Stück auf dem Album ist. Und gleich hier zeigen sich die Stärken von ‘Maxxess’, nämlich einfach geniale Melodien die nicht mehr aus dem Kopf gehen. Witzig auch das ‘Mäh’ eines Schafes zwischendrin :-).
Das nachfolgende Titelstück ist dann eher heavy angehaucht. Hier darf die Gitarre auch mal ein paar richtig fette Riffs rauslassen. Auf den knapp 7 Minuten dürfen aber auch ein paar Prog-Elemente in Form von Breaks nicht fehlen.
Noch abwechslungsreicher dann das 7 1/2 Minuten-Stück ‘Illusion’. Hier paart sich ein wabernder Keyboard-Teppich mit gefühlvoller Gitarre und entwickelt sich nach ca. 4 1/2 Minuten zu einem fast bombastischen Song. Sehr geil.
Mehr in die elektronische Richtung geht dann ‘Lazy’. Das erinnert eher an frühere Werke von Sven Väth und Konsorten. Aber ist echt eine spannende Sache, auch wenn es mehr Techno als Prog oder Rock ist.
‘Protection’, ‘Sandstorm’ und ‘Rainy Sunday’ sind dann wieder eher in der ‘Komfortzone’ von ‘Maxxess. Alles richtig coole Songs mit viel Keyboard und natürlich Gitarre.
Und zum Schluss gibt es mit ‘Magnetic Repulsion’ noch einen Song mit über 15 1/2 Minuten, den ich eher in die Ambient-Richtung stecken möchte. Gute 10 Minuten Keyboard-Gewaber und dann eine richtig geile Steigerung mit der einsetzenden Gitarre.
Mit ‘Reactivate’ hat Max Schiefele mal wieder ein richtig geniales Instrumentalalbum abgeliefert, das Freunde dieses Genres haben müssen. Mehr Infos gibt es auf der Homepage von Maxxess. Dort gibt es dann auch Bezugsmöglichkeiten.

Methodica - Clockworks (VÖ: 02.10.2020)
Die italienische Prog-Metal-Band ‘Methodica’ habe ich 2019 zufällig auf dem Isola Rock Festival in der Nähe von Verona kennen und auch ein bißchen lieben gelernt. Sie hatten einen richtig coolen Auftritt und auch das letzte Album ‘The Silence Of Wisdom’ aus dem Jahr 2015 fand ich richtig gut (siehe meine Review).
Nun gibt es endlich neues Material in Form vom Album ‘Clockworks’, und das ist auch wieder richtig genial geworden.
Ich habe immer noch keine Ahnung, mit welcher Band ich ‘Methodica’ vergleichen könnte. Sänger Massimo Piubelli singt einfach in seiner eigenen Welt und da gibt es im Prog-Metal-Bereich keinen anderen Sänger, der auch nur annähernd an seine Stimmfarbe heran kommt. Und vor allem beim Sänger könnte man Vergleiche ziehen.
Auf ‘Clockworks’ sind ein paar richtig geile Songs drauf. Das beginnt beim Opener ‘A Trick’, das richtig fett ist. Dann danach ‘When I Fell Out Of The Sky’, dass vor allem wegen den Keyboard-Läufen an ‘Dream Theater’ erinnert, dann ‘The Door To You’, dass in Richtung ‘Fates Warning’ geht, oder auch der Song ‘1994’, der eine Mischung aus Beidem ist.
Es wird auf jeden Fall gefrickelt ohne Ende, aber immer sehr Song-orientiert und irgendwann immer wieder auf dem (melodischen) Punkt.
Ach was soll ich noch viel schreiben ... wer auf genialen Prog-Metal steht, kommt an ‘Methodica’ nicht vorbei. Das Album muss man haben. Zu bestellen über die Homepage der Band. Unbedingt kaufen.

Nine Skies - Return Home (VÖ: 30.11.2017)
Nine Skies ist eine französische Prog-Band, die bisher völlig an mir vorbei gegangen ist. ‘Return Home’ ist das Debut-Album der Band und erzählt die Geschichte aus den Augen des Protagonisten das Leben verschiedener Charaktere einer großen Stadt und damit die Absurditäten unserer heutigen Welt.
Musikalisch ist es etwas schwierig, ‘Nine Skies’ in eine Schublade zu stecken. Dafür ist das Album zu vielschichtig, abwechslungsreich und enthält auch zu viele Stile aus unterschiedlichen Musikrichtungen.
Tatsächlich erinnern mich die ersten zwei Songs ‘Return Home’ und ‘Season Of Greed’ ein bisschen an ‘Arena’ in ihren ruhigen Momenten. Das liegt zum Einen natürlich an den Songs selbst aber auch an der Stimme des Sängers Alexandre Bousaccre, der mich doch sehr an die Anfangszeiten von Arena erinnern.
Auch Ausflüge in die Jazz-Richtung gibt es. Zum Beispiel bei dem Stück ‘The Blind Widower’. Da wird dann schon mal eine Jam-Session gemacht und es kommen Flöte und Saxophon zum Einsatz. Richtig fette Prog-Songs sind aber auch enthalten. So begeistert mich der Song ‘Roses Never Hatch’ jedes Mal durch seine abwechslungsreiche Art, seinen Bombast, seine Instrumentalparts, den Breaks. Ein richtig cooles Stück Musik. Auch das letzte (reguläre) Stück ‘A Way Back (Return Home Pt. 2) ist so genial ... auch wegen dem elend langen Gitarrensolo in der Mitte.
Auf der mir vorliegenden Version gibt es dann noch 4 alternative, instrumentale Versionen, die auch richtig interessant sind.
Ein richtig tolles Debut-Album, das in keinem Prog-Schrank fehlen sollte. Mehr Infos über die Band gibt es auf der Homepage der Band.

Nine Skies - Sweetheart Grips (VÖ: 01.10.2019)
’Sweetheart Grips’ ist das zweite Studio-Album der französichen Prog-Band ‘Nine Skies’. Und dass die Band nur so vor Ideen sprüht erkennt man schon mal daran, dass es sich hier um eine Doppel-CD handelt.
Ganz neu bei ‘Nine Skies’ ist jetzt, dass mit Aliénor Favier eine Sängerin gefunden wurde, das den Songs ein völlig neues Gewand gibt. Auf dem Debut-Album ‘Return Home’ waren ja ausschließlich männliche Stimmen im Einsatz.
Auch ‘Sweetheart Grips’ ist ein Konzept-Album geworden und handelt von den Erinnerungen und Gedanken eines Soldaten im zweiten Weltkrieg mit einem post-traumatischen Syndrom und dem Widerspruch zwischen Gewalt und Humanität im Krieg.
Für das Album wurden auch ein paar illustre Gäste gewonnen. So sind Prog-Größen wie Clive Nolan (Pendragon, Arena), Craig Blundell (Frost), Dave Foster (Steve Rothery Band) oder auch Johnny Marter (Fish, SAS Band) mit an Bord.
Musikalisch haben ‘Nine Skies’ irgendwie ihre Richtung gefunden. War das Vorgänger-Album auch noch mit vielen Jazz-Elementen gespickt, ist ‘Sweetheart Grips’ nun ein reines Prog-Album geworden, das sich vor den Genre-Größen wie Arena oder Pallas nicht verstecken braucht. Es gibt ruhige, nachdenkliche Momente, es gibt bombastische Parts, es gibt geniale Gitarren-Solis, Breaks ohne Ende, Abwechslung ohne Ende, folkige Einflüsse ... und das zum Beispiel alles verpackt im Titelstück.
Ich finde vor allem die Gitarren-Parts richtig genial, die mich an Arena in ihren besten Zeiten erinnern. Und wenn dann auch noch ein Marillion-Keyboard dazu kommt, grenzt es schon fast an Perfektion (zum Beispiel beim Song ‘Somewhere Inside Mankind’).
‘Sweetheart Grips’ ist ein richtig geniales Prog-Album geworden, das in keinem CD-Regal fehlen darf. Unbedingt kaufen.
Mehr Infos über die Band gibt es auf ihrer Homepage.

No Terror In The Bang - Eclosion (VÖ: 05.03.2021)
’No Terror In The Bang’ ist eine Cinematic-Metal-Band aus Rouen (Frankreich), die im Jahr 2019 gegründet wurde. Der Band-Name ist ein Zitat von Alfred Hitchcock.
Geprägt wird die Musik von ‘No Terror In The Bang’ von der (weiblichen) Stimme von Sofia Bortoluzzi, die richtig fies und brutal singen kann. Da kommen schon mal Gedanken an ‘Skunk Anansie’, wobei mich die Musik selbst eher an ‘Pain Of Salvation’ oder auch ‘System Of A Dawn’ erinnert. Und ein bisschen ‘Korn’ ist auch mit dabei.
Ich möchte hier gar nicht auf die einzelnen Songs eingehen, denn ich denke mit den Vergleichen zu den obigen Bands habe ich eigentlich schon alles gesagt. Trotzdem gibt es ein paar Momente oder auch Songs (wie z.B. ‘No More Helpful Peace Pt. II), die eine völlig andere Seite zeigen, nämlich eine ruhige, nachdenkliche Seite mit Piano-Klängen, oder auch der Song ‘Poison’, bei der Sofia Bortoluzzi klingt wie Gwen Stefani von No Doubt.
‘Eclosion’ ist sicher kein Prog-Album wie man es auf meiner Seite erwarten sollte. Aber wer auch mal Metal-Core mit einigen ruhigen Phasen hören kann um sich abzureagieren, ist mit ‘No Terror In The Bang’ bestens bedient. Ich finde das Album total spannend.
Mehr Infos über die Band gibt es auf ihrer Homepage.

Poor Genetic Material - Here Now (VÖ: 18.09.2020)
Ziemlich genau vier Jahre haben sich die Rhein-Neckar-Art-Progger ‘Poor Genetic Material’ Zeit gelassen, um einen - ich nehme es mal vorweg - mehr als würdigen Nachfolger von ‘Absence’ zu veröffentlichen.
Die Band um Philip Jaehne (Keyboards), Stefan Glomb (Gitarren), Dennis Sturm (Bass),Dominik Steinbacher (Drums), Pia Darmstaedter (Flöte) und den beiden Sängern Phil und Martin Griffiths (so weiterhin die aktuelle Besetzung) verfolge ich schon seit ihren Anfängen vor keine Ahnung 20 Jahren oder so und seit dem sind jetzt schon 9 Alben auf meiner Homepage verewigt. Und mit ‘Here Now’ folgt nun sozusagen ein runder Geburtstag.
Wie auch schon der Vorgänger ‘Absence’ ist ‘Here Now’ kein Konzeptalbum und hat auch keine literarische Vorlage sondern beschäftigt sich eben mit dem Hier und Jetzt (nachdem der Vorgänger mit Vergänglichkeit und Verlust sein Thema hatte).
Musikalisch sind ‘Poor Genetic Material’ hier auf etwas ‘leichteren Pfaden’ unterwegs, alles ist etwas leichtgängiger und nicht so ausufernd wie in den vergangenen Jahren. Das beginnt mit dem knackigen Titelstück, das nahezu fröhlich daher kommt und mit nicht mal 5 Minuten für PGM fast schon ein kleines Intro ist. Auch das folgende ‘Serendipity’, nur 3 1/2 Minuten lang, ist sogar ein bisschen tanzbar. Eine völlig andere und auch irgendwie witzige Seite der Band.
Aber das war es dann auch mit den Short-Tracks. ‘The Waiting Game’ bringt es immerhin auf knapp 7 Minuten und hier zeigen PGM ganz deutlich, dass sie dem Art-Prog-Rock ganz sicher nicht abgeschworen haben. Der erste richtig ‘typische’ Song mit allen Trademarks von ausschweifendem Keyboard-Into über gefühlvollem Gesang bis zu Tempowechsel, Flöteneinsätzen und Gitarren-Solo am Schluss. Auch das folgende ‘Note From My Younger Self’ ist ein Beispiel dafür, dass PGM nichts verlernt haben einschließlich einem Refrain mit Gänsehautgarantie. Für mich eines der Highlights des Albums.
Das Herzstück folgt dann mit ‘The Garden’. Gute 13 Minuten lang, mit Martin Griffiths am Mikrofon und was soll ich sagen ... das ist mit der beste Prog-Song den ich in den letzten Jahren gehört habe. Zuerst im Marsch-Rhythmus, dann etwas ruhiger und dann mit einer gewaltigen Steigerung, ruhiger, schneller, elektronischer, bombastischer und immer wieder die erste Zeile des Refrains ‘On The Run From A Smoking Gun ...’ mit folgender , inhaltlich wechselnder zweiten Zeile. Richtig cool gemacht. Nach gut 6 Minuten klingt es kurz nach Pink Floyd’s ‘Echoes’, danach folgen noch ein paar richtig geile Instrumental-Parts, es wird immer bombastischer und lauter und das alles mündet dann nach 11 Minuten zum Gitarren-Schluss-Solo (endlich mal wieder gute 2 Minuten lang). Und Martin Griffiths hat nichts verlernt ... das kann ich echt behaupten.
Das Album endet dann mit ‘This Place’ nochmal knapp 10 Minuten Art-Prog vom Feinsten samt knapp 2 Minuten Gitarren-Solo plus anschließendem Piano-Ausklang.
Ja was soll ich sagen? Wie immer => unbedingt kaufen. ‘Here Now’ ist mal wieder ein richtig geiles Werk zwischen Art-Rock und Prog geworden. Veröffentlicht wurde das Album wie immer bei Quixote Music.

Vanden Plas - The Ghost Xperiment Illumination (VÖ: 04.12.2020)
’Vanden Plas’ mögen es ja gerne mehrteilig. Und so auch mit ‘The Ghost Xperiment’, das im Jahr 2019 mit dem ersten Teil ‘Awakening’ begonnen wurde, und nun mit ‘Illumination’ fortgeführt wird. Und das nicht nur musikalisch (klar ... Vanden Plas ist eben Vanden Plas) sondern auch was die Geschichte des Protagonisten Gideon Grace betrifft.
Es ist für mich immer schwierig, eine Vanden Plas - Scheibe zu kritisieren ... denn es gibt einfach nichts zu kritisieren. Das beginnt mit dem Opener ‘When The World Is Falling Down’, das ist einfach Vanden Plas at it’s best. Fett, bombastisch und mit den typischen VP-Riffs gepaart mit dem genialen Gesang von Andy Kuntz. Epische Songs in einer Länge von 7 bis über 13 Minuten (mit Ausnahme des Schluss-Tracks ‘Ghost Engineers’, der es nicht mal auf 5 Minuten bringt) ... ich weiß echt nicht was ich schreiben soll. Fans werden eh schon zugegriffen haben (und werden wie immer begeistert sein) und wer mit Vanden Plas bisher nichts anfangen konnte, wird auch mit ‘Illimination’ nicht warm werden. Für mich ist das Album einfach mal wieder ein Meisterwerk. Aber VP haben eh noch nie schlechte Alben abgeliefert.
Einen Kritikpunkt hätte ich aber doch. Denn den Bonus Track ‘Krieg kennt keine Sieger’ von ‘Saltatio Mortis’ im Vanden Plas - Gewand hätte ich jetzt so nicht erwartet. Das wird man hassen oder lieben, weil der Song aus einem völlig anderen Genre stammt ... aber Vanden Plas machen daraus einfach was richtig geiles. Ich glaube die könnten ‘Alle meine Entchen’ vervandenplassen und ich würde es gut finden :-).

Virtual Symmetry - Exoverse (VÖ: 30.06.2020)
Die Schweizer Prog-Metal-Band ‘Virtual Symmetry’ habe ich eigentlich nur durch Zufall entdeckt, nachdem ich Bekanntschaft mit dem Sänger Marco Pastorino in einem ganz anderen musikalischen Rahmen gemacht habe (er ist auch noch Gitarrist und Dritt-Sänger der italienischen Symphonic Metal Band ‘Temperance’). Und über Marco habe ich dann erfahren, dass er auch noch in einer Prog-Metal-Band namens ‘Virtual Symmetry’ singt. Das letzte Live-Album habe ich dann auch hier auf meiner Seite besprochen.
Mit ‘Exoverse’ ist nun das nächste Studio-Album auf dem Markt, und hier haben die Jungs (dabei sind noch Valerio Villa an den Gitarren, Mark Bravi an den Tasten, Alessandro Poppale am Bass und als Gast-Drummer der Österreicher Thomas Lang, der sogar in der engeren Auswahl als Nachfolger von Mike Pornoy bei Dream Theater gehandelt wurde) weder Kosten noch Mühen gescheut, um ein sensationell gutes Prog-Metal-Album abzuliefern. Denn als Gäste wurden unter Anderem Jordan Rudess (Dream Theater ... auf 3 Songs zu hören) und Tom S. Englund (Evergrey ... Vocals auf einem Song) verpflichtet und Peter Gabriel’s Real World Studios gemietet, um das Ganze aufzunehmen. Gemischt wurde das Werk von Sascha Paeth, das Mastering hat Michael ‘Miro’ Rodenberg übernommen. Und das alles garantiert schon mal einen brillanten Sound.
Musikalisch bewegen sich ‘Virtual Symmetry’ eindeutig auf den Pfaden ihrer Vorbilder Dream Theater, bei denen sie sogar schon mal im Vorprogramm auftreten durften. Und das machen sie alles richtig gut.
Der instrumentale Opener ‘Entropia’ stotzt schon mal von DT-Zitaten, was nicht weiter verwunderlich ist, da Jordan Rudess hier das Lead Solo an den Keyboards übernommen hat. Und er hat halt einen richtig einzigartigen Stil. Und nach gut 2 Minuten ruhigem Intro geht es dann voll auf die Zwölf. Valerio Villa steht Petrucci in nichts nach, Thomas Lang macht einen richtig genialen Job, die Bass-Linien von Alessandro Poppale könnten echt von Herrn Myung sein und der einsetztende Keyboard-Tepppich nach gut 3 Minuten ist sowas von DT. Und das Gitarren-Solo ... meine Fresse ... das ist einfach 100% Petrucci.
Zum Glück sind Virtual Symmetry keine billige DT-Kopie, denn sonst könnte man sich schon fragen, ob man das braucht wenn es auch das Original gibt. Aber ja ... das macht eben das geniale von Virtual Symmetry aus. Auch wenn sie manchmal nahe am Original sind, haben sie doch was völlig Eigenständiges. Und das zeigt sich am Besten beim Gesang von Marco Pastorino. Denn im Gegensatz von Herrn LaBrie ist Marco eher ein Metal-Sänger, der auch mal höhere Töne wagt und sich nicht nur in seinem Komfort-Bereich bewegt. Das mag im ersten Moment manchmal etwas eigenwillig klingen, machen die Songs dann aber auch zu was Besonderem. Das merkt man auch gleich beim folgenden Song ‘Xi’. Zuerst richtig flott in DT-Manier, aber wenn Marco mit seiner Stimme einsetzt, ist es einfach weit weg von DT. Im Übrigen 10 Minuten Prog-Metal vom Feinsten mit richtig genialen Breaks, Gitarren-Parts und Momente zum Schütteln der Matte auf dem Kopf (wenn man noch eine hat). Und dann immer wieder zurück zu langsameren, bombastischen Parts. Das ist das was für mich richtig guten Prog-Metal ausmacht.
Richtig ruhig, balladesk wird es dann mit Odyssey auf dem Marco auch mal seine gefühlvollen Seiten zeigen kann. Richtig schöne Ballade mit einem genialen, langen Gitarren-Solo am Schluss. Ich liebe es.
Mit ‘Vortrex’ wird es dann wieder härter und es wird gefrickelt ohne Ende um am Schluss in ein richtig genial bombastisches, melodisches Ende zu kommen. Hammer Song.
Danach hat Tom S. Englund (Evergrey) seinen Auftritt. Bei ‘Exodus’, immerhin gut 8 1/2 Minuten lang, darf er so richtig zeigen, was er stimmlich drauf hat (und bei seiner Stamm-Band manchmal untergeht). Und ganz erstaunlich ... die beiden Stimmen, also Tom und Marco passen gerade wegen der Unterschiedlichkeit richtig gut zusammen. Für mich eines der absoluten Highlights des Albums.
A propos Highlight ... wenn jemand die perfekte Ballade sucht ... sie folgt mit ‘Remember’. Selten so einen schönen, perfekten Song gehört. Gänsehaut von Anfang bis Ende ... und die Gast-Sängerin Jennifer Vargas macht zusammen mit der Stimme von Marco Pastorino die ganze Sache noch runder. Bei dem Song kann man dann in der richtigen Stimmung auch schon mal in Tränen ausbrechen (ich nenne jetzt keine Namen). Und dann noch das Saxophon-Outro von Ruben Paganelli ... oh mein Gott ... das ist einfach PERFEKT.
Danach geht es weiter mit Prog-Metal vom Feinsten. Zuerst ‘Save’ mit über 9 1/2 Minuten samt einer Piano-Improvisation von Jordan Rudess und danach ... auch wieder oh mein Gott ... 23 Minuten ‘Exoverse’ auch hier wieder mit Jordan Rudess an den Tasten. Und das ist schon ein Niveau wie ‘Illumination Theory’ von Dream Theater. Da fehlen mir einfach die Worte. Echt. Das ist ein Opus am Rande der Genialität.
Was soll ich noch viel schreiben. Wer auch nur annähernd was mit Dream Theater anfangen kann, sollte sich UNBEDINGT das Album kaufen. Was Besseres kommt wahrscheinlich nicht mal mehr von DT selbst auf den Markt. Zu bestellen direkt bei der Band auf ihrer Homepage.

Visions Of Atlantis - A Symphonic Journey To Remember (VÖ: 30.10.2020)
Viele regelmäßige Besucher meiner Homepage werden es vielleicht schon festgestellt haben ... seit einigen Jahren stehe ich neben Prog auch auf Symphonic Metal. Und in diesem Genre sind ‘Visions Of Atlantis’ sicher ganz weit oben. Und ich mag die Band nicht nur wegen ihrer genialen Musik sondern auch weil sie richtig nette Leute sind. Einige Musiker kenne ich jetzt schon seit ewigen Zeiten persönlich und es ist immer wieder schön, sich mit ihnen zu unterhalten.
VoA haben in ihrer Karriere einige Wechsel vor allem am Mikrophon hinnehmen müssen. Und ich hoffe mal, dass die derzeitige Besetzung mit Clémentine Delauney und Michele Guaitoli endlich Bestand hat, denn dieses Duo ist einfach nur passend.
‘A Symphonic Journey To Remember’ ist ganz sicher bisher das absolute Highlight der Bandgeschichte, was Live-Auftritte betrifft. Denn hier kommen wir in den Genuss eines Konzerts vom Bang Your Head - Festival in Balingen aus dem Jahr 2019, als sie zusammen mit dem Bohemian Symphony Orchestra Prague ein bisher einmaliges Konzert gegeben haben. Denn leider hat die Corona-Krise dazu geführt, dass weitere Auftritte in dieser Besetzung z. B. auf dem Metal On The Hill Festival in Graz nicht stattfinden konnten.
Die Song-Auswahl ist einfach nur grandios. Viel vom (damals) letzten Album ‘The Deep & The Dark’, einige neue Songs vom späteren Output ‘Wanderers’ und ein paar ganz alte Sachen wie z.B. ‘Memento’, ‘Seven Seas’ oder auch ‘Passing Dead End’.
Ich brauche wahrscheinlich nicht erwähnen, dass die Verpflichtung des Orchesters gerade bei Symphonic Metal mehr als Sinn macht (im Gegensatz zu gescheiterten Versuchen im ‘normalen’ Metal-Bereich). Die Songs werden dadurch noch mehr besonders und einfach fetter. Und der Spiellaune merkt man an, dass die Musiker von VoA bei dem Konzert richtig Spaß hatten. Daher empfehle ich nicht nur das Album zu kaufen, sondern sich natürlich die Version mit DVD / BluRay zuzulegen, denn da kommt das Konzert noch viel intensiver rüber.
Muss man haben.

Warkings - Revenge (VÖ: 31.07.2020)
Als die Kriegsgötter 2018 dem Reich der Toten entschwunden sind und mit 'Reborn' ihr Erstlingswerk veröffentlicht hatten, waren die Reaktionen darauf in der überwiegenden Mehrheit sehr positiv. Auch ich war von dem Album richtig angetan und es hat auf Wochen meinen Player nicht verlassen. Das Album hatte was von erfrischend neuem Power-Metal.
Ich habe die Band seit ihrem allerersten Konzert in der Szene in Wien (dort war noch alles sehr von verständlicherweise Nervosität geprägt) mittlerweile 5 oder 6 weitere Male live gesehen und da haben sie teilweise die Headliner an die Wand gespielt.
Nun ist also das zweite Album 'Revenge' auf dem Markt und das in für Musiker sehr schwere Zeiten. Denn wegen der Corona-Pandemie gibt es keine Möglichkeit den Fans das neue Material zu präsentieren und die ... ich vermute mal ... hohen Produktionskosten wieder rein zu spielen. Denn es wurden weder Kosten und Mühen gescheut, ein genial abgemischtes Album mit sensationellem Artwork und ein paar Vorab-Videos in höchster Qualität abzuliefern.
Musikalisch sind Warkings meiner Meinung nach noch abwechslungsreicher geworden. Denn neben absoluten Power-Metal-Hymnen wie dem Opener 'Freedom', dem folgenden 'Maximus' oder auch der ersten Video-Auskopplung 'Warriors' (absolut sehenswert) gibt es mit 'Banners High' ein Mid-Tempo-Stück vom Feinsten und mit 'Azrael' auch noch einen sehr orientalisch angehauchten Song. Und das ganze steigert sich dann noch in den Schlusstrack 'Warking', vor dem sogar Rammstein ein bisschen erblassen könnten.
Auch die Queen Of The Damned aka Melissa Bonny hat bei 'Odin' Sons' wieder einen genialen Auftritt (war sie ja schon bei der Video-Version von 'Sparta' mit im Boot, das auf dem Album von Herrn Debauchery Thomas Gurrath veredelt wurde und hier jetzt auf Revenge nochmals als Bonustrack in der Melissa-Version beigelegt wurde), und der Song ist für mich auch eines der absoluten Highlights.
Als Fazit kann ich nur sagen, dass die Warkings mit 'Revenge' einen mehr als würdigen Nachfolger des Erstlingswerks veröffentlicht haben und ich prophezeie der Band ... in der Hoffnung dass bald wieder Konzerte stattfinden können ... noch eine große Karriere. Das Album muss man haben, wenn man nur annähernd auf Power-Metal steht.


 

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