Neue CD-Kritiken

Neue CD-Kritiken

 

Hier findet Ihr die neuesten CD-Kritiken der letzten Updates. Über Musik lässt sich nicht streiten, nur diskutieren. Deswegen bitte bitte keine beleidigenden Mails mehr, nur weil ich Eure Lieblings-CD schlecht kritisiert habe. Das hier ist AUSSCHLIESSLICH MEIN Musikgeschmack (bzw. natürlich der Geschmack meiner Co-Kritiker). Ich halte Euch ja auch nicht für blöd, nur weil Ihr Helene Fischer oder Andrea Berg gut findet. Schickt mir dann lieber eine Gegen-Kritik als TXT-Datei. Die wird dann selbstverständlich auch veröffentlicht.

Und wer Schreibfehler findet darf sie behalten !!

 

15.11.2020

13.03.2021

05.06.2021

Ayreon - Transitus

Bühlmann, Roland - Dubnos

Echo Us - The Windsong Spires

Blossom Cult - Closure

De Viala, Jaume - Sonoritat De Mil Miralls

Evergrey - Escape Of The Phoenix

Boscher, Xavier - Waterscapes

Dragony - Viribus Unitis

Hartmann - 15 Pearls And Gems

Fish - Weltschmerz

Dream Theater - Distant Memories Live In London

Lindemann - Live In Moscow

Heartscore - Sculptures

Flying Colors - Third Stage: Live In London

Nine Skies - 5.20

Methodica - Clockworks

Gabriel - New Life

Nine Skies - Prog En Beauce

Visions Of Atlantis - A Symphonic Journey To Remember

Gildenlöw, Kristoffer - Homebound

Poor Genetic Material - Spring Tidings (15th Anniversary)

 

Maxxess - Reactivate

RPWL - God Has Failed / Live & Personal

 

Nine Skies - Return Home

Saga - Symmetry

 

Nine Skies - Sweetheart Grips

Sylvan - One To Zero

 

No Terror In The Bang - Eclosion

 

 

Vanden Plas - The Ghost Xperiment Illumination

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ayreon - Transitus (VÖ: 25.09.2020)
Normalerweise ist, wenn Ayreon auf einem Album steht, auch Ayreon zu 100% drin. Man weiß zwar nicht wirklich was einen erwartet, denn von Rock-Album bis Rock-Oper ist bisher alles vorhanden gewesen. Meistens war es eine Si-Fi- Geschichte, meistens mit vielen Gästen und meistens ziemlich genial.
Und nun kommt Transitus. Und was soll ich sagen ... es ist eher ein Musical geworden. Viele Erzählungen (durch keinen Geringeren als Tom Baker), eigentlich keine herausstechende Songs sondern eine durchgehende Geschichte (wie das halt so in Musicals üblich ist) und viel storydienliches Drum herum.
Obwohl ich jetzt wirklich kein Liebhaber von Musicals bin, muss ich zugeben dass mir ‘Transitus’ nach mehrfachem Hören richtig gut gefällt. Klar, es gibt einige Längen in dem Album, aber das alles ist in sich sehr schlüssig.
Entgegen anderer Ayreon-Alben spielt ‘Transitus’ im Jahr 1884 und erzählt eine Liebesgeschichte des Protagonisten Daniel (Tommy Karevik - Kamelot), der in einer Zwischenwelt (Transitus) unter Hilfe eines Todesengels (Simone Simons - Epica) seine durch äußere Einflüsse komplizierte Liebe zu Abby (Camine Gilbert - Oceans Of Slumber) durchlebt und den Intrigen auf den Grund gehen kann. In der ganzen Geschichte kommen noch viele andere Personen vor, die unter Anderem von Marcela Bovio (Stream Of Passion), Paul Manzi (Ex- Arena), Johanne James (Threshold), Amanda Somerville (Avantasia und weitere Projekte), Michael Mills (Toehider) oder auch Dee Snider (Twisted Sister) übernommen wurden.
Leider liegen dem Album keine Lyrics bei, was das Verfolgen der Geschichte gelinde gesagt sehr schwierig macht. Allerdings lag meiner Version ein Heft in Form eines Comics bei, das die Story dann doch etwas verständlicher macht.
Insgesamt ist ‘Transitus’ zuerst eine sehr schwer verdauliche Kost. Aber vor allem das Ansprechen von gerade heute aktuellen Themen wie Rassismus und Klassendenken machen das Album zu etwas Besonderem, wenn man sich darauf einlässt. Ayreon Fans werden bestimmt schon blind zugegriffen haben, ein klassischer Einstieg für Nicht-Kenner der Band dürfte ‘Transitus’ aber nicht sein. Auf jeden Fall kann man Ayreon-Mastermind Arjen Lucassen nicht vorwerfen, dass er auf der Stelle stehen bleibt. Das Album ist dafür viel zu überraschend und auf seine eigene Weise auch genial.

Blossom Cult - Closure (VÖ: 11.09.2020)
Nach sieben Jahren Prog-Rock unter dem Namen ‘Seeking Raven’ war für die Band 2019 Schluss. Aus dieser Band sozusagen hervorgegangen ist nun ‘Blossom Cult’, denn János Krusenbaum (Gesang, Gitarre, Keyboards) und Max Krüger (Gesang, Gitarre) haben nach einem Jahr musikalischer Auszeit diese neue Formation gegründet. Im April 2020 gab es das erste Video von dem Song ‘Atlas’, im Mai 2020 folgte dann das nächste Video (‘Same Old Song’) und jetzt im September die erste EP namens ‘Closure. Und inzwischen sind noch weitere Musiker dazu gekommen. Rik Schindler (Drums), den man von ‘Ashby’ kennt sowie der Tastenmann Elias Bauer und Alexander Dachwitz am Bass als Live-Unterstützung.
 Die EP beinhaltet auf gut 26 Minuten insgesamt 8 Songs, wobei man den Opener ‘Beginning Of The End’ sowie den Abschlusstrack ‘The Road Home’ wegen der Kürze abziehen muss. Somit bleiben 6 Songs mit einer Laufzeit zwischen 3 1/2 und 5 Minuten übrig. Für Prog zwar alle ziemlich kurz, aber das will ja nichts heißen.
Nach dem schon genannten Intro ‘Beginning Of The End’, das sehr sphärisch, getragen und instrumental ist, gibt es mit der ersten Single ‘Atlas’ gleich mal ein bisschen was auf die Zwölf. Denn neben Klar-Gesang geht die ganze Sache auch recht heftig in Richtung Metal-Core, wobei es dann auch immer recht melodisch zwischendruch wird. Richtig guter und abwechslungsreicher Song.
Es folgt danach der längste Song ‘Burn’, der im Mid-Tempo Bereich angesiedelt ist und einen sehr eingängigen Refrain besitzt. ‘My Sickness’ geht dann wieder mehr recht heftig nach Vorne und erinnert mich ein bisschen an ‘Pain Of Salvation’, vor allem wegen den ‘zarten’ Parts zwischendurch.
‘Burden’ geht dann in eine ganz andere Richtung. Heftige Gitarren-Riffs, ein bisschen Keyboards im Hintergrund, Sprechgesang. Auch eher Metal-Core. Es folgt ‘Cotard Delusion, und das möchte ich mal als die Quoten-Ballade bezeichnen. Und zum Schluss dann noch ‘Same Old Song’, das dann alles Vorangegangene vermischt und für mich auf jeden Fall der abwechslungsreichste Track ist (einschließlich einem recht netten Gitarrensolo zwischendurch). Das ‘Outro’ ‘The Road Home’, auch wieder sehr sphärisch und instrumental beschließt dann endgültig die EP.
Mit ‘Closure’ ist ‘Blossom Cult’ auf jeden Fall ein sehr interessantes und abwechslungsreiches Erstlingswerk gelungen und irgendwie kann ich die musikalische Ausrichtung der Band noch nicht so ganz greifen. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen lohnt sich ein Ohr zu riskieren. Mehr Infos über die Band gibt es auf ihrer Homepage.

Bühlmann, Roland - Dubnos (VÖ: 22.12.2020)
Über den Schweizer Multiinstrumentalisten Roland Bühlmann habe ich auf meiner Seite schon wegen seinem dritten Album ‘Crucial’ aus dem Jahr 2019 geschrieben. Nun gibt es seit Ende Dezember 2020 das vierte Werk namens ‘Dubnos’.
Im Unterschied zu den Vorgängeralben hat sich Roland Bühlmann musikalische Unterstützung geholt. So ist Terl Bryant am Schlagzeug (u.a. Peter Gabriel, Iona, Steeleye Span) auf fast allen Songs zu hören, kein Geringerer als David Cross (King Crimson) kommt bei einem Song (‘Aaschutz’) mit seiner Violine zur Geltung und Yukiko Matsuyama, eine recht fleißige Musikeren in unterschiedlichen Genren darf auf zwei Songs das Instrument Koto spielen, eine japanische Wölbrettzither.
Roland Bühlmann ist auf dem Album natürlich vor allem als Gitarrist unterwegs, hat jetzt aber auch mit Sythesizern sowohl digital als auch anlaog experimentiert, was der Musik noch viel mehr Fülle und Tiefe verleiht.
In weiten Teilen bewegt sich Roland Bühlmann, wie auch bem Vorgänger ‘Crucial’, auf Prog-Jazz-Fusion-Pfaden, wenn man das so beschreiben kann. Es ist nicht Jazz (zum Glück), es ist nicht reiner Prog. Es ist eine richtig gute Mischung aus beiden Genres. Gepaart mit ein bisschen Welt-Musik. Eine kleine Ausnahme bildet hier der Song ‘Ubiquitous’, der ohne viel Schnick Schnack äußerst rockig aber auch entspannt daherkommt. Liegt vielleicht ein bisschen an dem Einsatz des analogen Sythesizers, der irgendwie 70er Feeling aufkommen lässt.
Insgesamt ist auch ‘Dubnos’ keine leicht verdauliche Kost. Aber das ist glaube ich auch nicht der Anspuch von Roland Bühlmann. Wer auf vertrackten Prog-Jazz steht, sollte das Album auf jeden Fall antesten. In diesem Genre ist Roland Bühlmann ganz sicher oben mit dabei.
Zu erwerben ist das Album auf der Bandcamp-Seite von Roland Bühlmann für schlappe 10 Schweizer Franken.

Boscher, Xavier - Waterscapes (VÖ: 20.11.2020)
Einer der fleißigsten Musiker in letzter Zeit ist auf jeden Fall der südfranzösische Gitarrist Xavier Boscher der in stetiger Regelmäßigkeit Musik veröffentlicht und auf seiner Bandcamp-Seite verkauft. Und gerade mal 4 Monate nach seinem dritten Teil seiner Zoologica-Reihe gibt es sozusagen zwischendurch ein komplettes neues Album namens ‘Waterscapes’.mit insgesamt 9 Songs auf knapp 40 Minuten.
Und was soll ich viel schreiben. Ich hoffe Ihr habt Euch das eine oder andere Album von Xavier Boscher zugelegt und wisst was Euch erwartet. Geniale Gitarren-Arbeit gepaart mit tollen Melodielinien die nicht mehr aus dem Kopf gehen. Das beginnt mit dem Opener ‘Cataract’, der richtig flott daherkommt, dann ein kleiner Ausflug in Jazz-Gefilde (‘Nectar Ocean’s Depth’), proggig bei ‘Atlantis’ (mit gut 6 1/2 Minuten der längste Song), richtig entspannend (‘Hydrotherapy’), sehr rockig (‘Fairy Pool’) und und und ...
Wer auf richtig gute Gitarren-Musik steht, kommt an Xavier Boscher nicht vorbei. Und da macht auch ‘Waterscapes’ keine Ausnahme. Liebhaber müssen das Album haben und können es für 7 Euro als Digitale Version auf der o.g. Bandcamp-Seite erwerben.

De Viala, Jaume- Sonoritat De Mil Miralls (VÖ: 26.07.2019)
Jaume De Viala, ein katalanischer Gitarrist, war von 1979 bis 1983 Mitglied der katalanischen Prog-Ethno-Fusion-Band ‘Celobert Màgic’ und hat dort auch ein paar Songs geschrieben. Die Band ist mir völlig unbekannt und auch meine Recherchen im Internet haben irgendwie keinen Treffer ergeben. Aber egal ... Jaume De Viala will auf jeden Fall den musikalischen Geist von damals in ein moderneres Gewand zu bringen. Interessanterweise konnte Jaume für dieses Vorhaben die Sängerin Judit Cucala gewinnen, die damals auch zum Band-Line-Up gehört hat.
Wenn man jetzt noch die Masse der beteiligten Musiker durchblättert und so (für mich) bekannte Namen wie Dusan Jevtovic (Gitarre, u.a. bei Tony Levin, David Cross, Gary Husband) oder auch Xavi Reija (Drums, u.a. Markus Reuter, Tony Levin) wiederfindet (von beiden Musikern habe ich schon auf meiner Homepage berichtet), weiß man schon in welche Richtung das Album (das immerhin 22 Songs auf 62 Minuten beinhaltet) geht. Das ist richtig entspannter Light-Jazz, ein bisschen Bar-Musik, zum Teil Folk aber auch immer wieder interessante Wendungen in den Songs.
Es ist schwierig, einzelne Songs herauszuheben, dazu ist das Album einfach zu vielschichtig. Trotzdem finde ich den vierten Song ‘Quan ...’ ziemlich grandios, auch wenn er nur 2 Minuten lang ist. Gerade hier erkennt man, wie gefühlvoll Jaume De Viala mit der Gitarre umgehen kann.
Für reine Proggies dürfte das Album wohl zu seicht oder auch ‘weltmusikalisch’ zu sein. Aber es lohnt sich trotzdem mehr als nur ein Ohr. Am Besten bei einem Glas guten Rotwein am Abend in gemütlicher Stimmung.
Das Album kann für 10 Euro auf der Bandcamp-Seite von Jaume De Viala erworben werden.

Dragony - Viribus Unitis (VÖ: 15.01.2021)
Die österreichischen (Symphonic-) Metaller ‘Dragony’ sind ja schon ein bisschen dafür bekannt, ‘lustige’ Geschichten in geniale Musik zu verwandeln. Man denke nur an den grandiosen Song ‘If It Bleeds We Can Kill It’ vom Vorgänger-Album ‘Masters Of The Multiverse’, auf dem Arnold Schwarzenegger gehuldigt wird.
Und auch auf ‘Viribus Unitis’ kommt der Spaßfaktor nicht zu kurz. Denn dieses ‘Konzeptalbum’ ist von der Story her sowas von schräg. Es handelt von der ‘wahren Geschichte’ Habsburgs, von Kaiser Franz Joseph I, seiner Frau Elisabeth (eher bekannt unter Sissi), dem gemeinsamen Sohn Kronprinz Erzherzog Rudolf und der völlig verdrehten Version, dass Rudolf seinen Suizidversuch überlebt, nach Sissi sucht und diese dann als Zombie mit einem Heer von Untoten zurückkehrt. Ganz ehrlich ... phantasielos ist anders :-).
Völlig schräg dann schon der Opener ‘On The Blue Danube’ ... wie könnte man besser diese Geschichte einleiten als mit ‘An der schönen blauen Donau’ von Johann Strauss. Ist dieser Schock erst mal verdaut, gibt es mit ‘Gods Of War’ gleich mal so richtig einen auf die Fresse. Was für ein geiler Song (geschrieben von Tommy Johansson - Sabaton, Majestica, Symphony Of Tragedy und Tomas Svedin - Symphony Of Tragedy), der überhaupt nicht mehr aus dem Ohr geht. Auch ‘Love You To Death’, geschrieben von Michele Guaitoli (Temperance, Visions Of Atlantis) ist einfach nur grandios ... eine Melodie zum dahinknien. Dragony at it’s best. Mehr Power-Metal dann bei ‘Magic’ ... zumindest im Refrain.
Jeden Song jetzt hier zu beschreiben wäre reine Zeitverschwendung. Denn das ganze Album besteht eigentlich nur aus Killern. Trotzdem möchte ich noch den Song A.E.I.O.U. erwähnen. Austriae Est Imperare Orbi Universo (es ist Österreich bestimmt die Welt zu beherrschen), ein Habsburger Wahlspruch bei dem die Geschichte gezeigt hat, dass er etwas daneben war. Aber ... der Song ist geil und die zweite Strophe darf Georg Neuhauser (Serenity) singen ... und das mal wieder in seiner unverwechselbaren Art. Grandioser Refrain inclusive.
11 geile Songs, null Sekunde langweilig, Hammer-Album. Nur beim Bonus-Track haben Dragony mal wieder völlig daneben gegriffen. Oder es ist mal wieder gewollt, was völlig anderes zu vertonen. Dieses Mal ist es ‘Haben Sie Wien Schon Bei Nacht Gesehen’ von Rainhard Fendrich. Ich möchte es als fast grausam bezeichnen. Aber mit einem kleinen Augenzwinkern kann man auch das ertragen.
Das Album muss man haben.

Dream Theater - Distant Memories Live In London (VÖ: 27.11.2020)
Dream Theater. Immer das gleiche Muster. Studio-Album, Tour, Live-Album. Studio-Album, Tour, Live-Album. Es stellt sich echt die Frage, ob man das immer alles braucht. Klar, Dream Theater haben mittlerweile ein solch großes Repertoire, dass sich auch Konzerte von der Song-Auswahl nie wiederholen. Und auch bei dem Konzert hier, aufgenommen am 21. und 22. Februar 2020 im Apollo-Theater in London, macht da keine Ausnahme. Denn ... man feiert den 20. Geburtstag des grandiosen Studio-Albums ‘Scenes From A Memory’ und spielt es einfach mal in der Mitte des Konzerts komplett. Davor ein paar Songs vom neuesten Studio-Album (‘Unthethered Angel’, ‘Fall Into The Light’, ‘Barstool Warrior’ und ‘Pale Blue Dot’ sowie 2 ältere Heuler (‘A Nightmare To Remember’, ‘In The Presence Of Enemies’) ... sozusagen eine Stunde Einstimmung auf das Highlight ... und danach dann nochmal 2 neue Songs zum runter kommen.
Was auf jeden Fall auffällt ist, dass Sänger James LaBrie noch nie so gut (live) gesungen hat wie auf dieser Aufnahme. Das ist echt schon ein bisschen erstaunlich muss ich sagen. Über den Rest braucht man keine Worte verlieren. Technisch sind alle Musiker auf höchstem Niveau und dürfen das auch ausgiebig zeigen.
Ob man das jetzt alles (schon wieder) braucht, darf sich jeder selbst beantworten. Aber das fette Paket mit 3 CDs und 2 BluRay gibt es zu recht günstigem Preis, von daher macht man nichts falsch. Und das komplette genialste Album der Band mal wieder am Stück zu hören macht ja auch richtig Spaß. Von daher ... Daumen hoch.

Echo Us - The Windsong Spires (VÖ: 22.06.2021)
’The Windsong Spires’ ist meines Wissens nach das bereits sechste Album des Ex-Greyhaven-Musikers Ethan Matthews unter dem Namen ‘Echo Us’. Und wer meine Besprechungen über die letzten 5 Alben gelesen hat weiß, dass Ethan Matthews musikalisch nicht mehr in der Greyhaven Richtung unterwegs ist, sondern sich jetzt eher im elektronischen Ambient-Genre tummelt. Anleihen an Mike Oldfield oder auch Enya waren bisher die absoluten Trademarks. Und daran hat sich zum Glück auch bei ‘The Windsong Spires’ grundsätzlich nichts geändert.
Neu ist die Zusammenarbeit mit Sängerin Charlotte Engler, die wohl vor allem in der Gegend um Portland (Oregon) in einigen Bands aktiv war oder ist.
Vor allem die Songs, auf denen Charlotte Engler die Lead Vocals übernimmt (hier vor allem der Song ‘If You Can Imagine’) machen das Album zu etwas Besonderem bzw. unterscheiden sich dann doch sehr von den vorangegangenen Werken von ‘Echo Us’. Das ist dann einfach mal richtig schön. Und der Rest ... es ist Echo Us vom Feinsten. Viele Instrumentalparts, Harfe, Gitarre, Keyboard-Teppich. Und auch wenn ich es schon ein paar Mal geschrieben habe. Freunde von Mike Oldfield und Liebhaber von Ambient Music kommen hier einfach voll auf ihre Kosten. Da kann man bei Echo Us einfach nichts falsch machen. Somit heißt es auch hier: Zugreifen!
Mehr Infos gibt es natürlich auf der Homepage von Echo Us.

Evergrey - Escape Of The Phoenix (VÖ: 26.02.2021)
’Evergrey’, die Band um Ausnahmesänger Tom S. Englund, wurden am Anfang ihrer Karriere fälschlicherweise in die Prog-Metal-Schublade gesteckt. Das lag wahrscheinlich daran, dass sie bei Inside Out untergekommen waren, die ja eher dem Prog-Bereich zuzurechnen sind. Aber eigentlich waren Evergrey nie so richtiger Prog sondern eher eine fette Metal-Band. Aber ... und das muss ich jetzt auch mal sagen ... so richtig weiterentwickelt hat sich die Band jetzt auch nicht. Ich will jetzt nicht sagen dass es langsam langweilig wird, aber irgendwie ist dann doch ein Album wie das Andere. Und da macht jetzt auch ‘Escape Of The Phoenix’ keine wirkliche Ausnahme. Es ist halt immer die selbe Grundstimmung, mal schneller, mal langsamer. Meistens recht fett und eher düster. Einen kleinen (positiven) Ausrutscher haben sie sich dann aber doch geleistet. Denn der Song ‘Stories’ ist einfach mal so richtig genial. Vor allem das Gitarrensolo in der Mitte ... wow ... das geht runter wie Öl. Ein richtig schöner, getragener Song der einen dahinschmelzen lässt. Und mit 6 Minuten 40 dann auch noch der längste Song.
Es gibt dann auch noch ein Duett mit James LaBrie (Dream Theater) namens ‘The Beholder’. Ich hoffe der hat dafür kein Geld verlangt.
Genug gelästert ... am Ende ist ‘Escape Of The Phoenix’ ein typisches Evergrey-Album geworden. Nicht mehr und nicht weniger. Fans können somit bedenkenlos zugreifen, neue Freunde wird man damit sicher nicht gewinnen.

Fish - Weltschmerz (VÖ: 25.09.2020)
Eine absolute Weltkarriere geht zu Ende. Derek W. Dick, besser bekannt als Fish und ehemaliger (und einzig wahrer) Sänger von Marillion, macht Schluss mit Musik und haut am Ende nochmal ein Doppel-Album namens ‘Weltschmerz’ raus. Und um es vorweg zu nehmen macht es mich ein bisschen traurig, war ich doch vor allem in den 90ern auf allen möglichen Konzerten von ihm in ganz Europa. Danach ging es stimmlich abwärts und am Ende wieder richtig aufwärts.
Und nun kommt mit ‘Weltschmerz’ ein richtig gutes, meist trauriges, nachdenkliches Werk und man kann eigentlich nicht glauben, dass nach so einem Aufbäumen Schluss sein soll.
Für ‘Weltschmerz’ hat Fish nochmal alte Weggefährten zusammengetrommelt. So kommen wir in den Genuss von Steve Vantsis (Bass), Robin Boult (Gitarre), John Mitchell (Gitarre), Foss Paterson (Keyboards), Craig Blundell (Schlagzeug) oder auch Dave Stewart (Drums) um einfach mal ein paar Namen in die Runde zu werfen ... also (bis auf Herrn Mitchell von Arena) alles Musiker, die Fish auf seiner langen Solo-Karriere begleitet haben. Und es sind noch massenweise andere (nicht so bekannte) Musiker dabei samt ein paar Streichern.
CD1 beginnt mit ‘The Grace Of God’, einem recht getragenen Stück, bei dem Fish zeigt, dass er stimmlich wieder so richtig auf der Höhe ist. Richtig schöner Song. Das folgende ‘Man With A Stick’ ist ein bisschen flotter angehaucht und auch hier bringt Fish eine richtig gute Sangesleistung.
‘Walking On Eggshells’ erinnert ein bisschen an die Anfänge seiner Solo-Karriere und ist für mich der vielleicht eingängigste Song mit ein paar angedeuteten Folk-Passagen und wimmernder Gitarre im Hintergrund wie zu guten alten Vigil-Zeiten.
‘The Party’s Over’ ist im Vergleich zum Rest ein richtiger Happy-Song und mit knapp 4 1/2 Minuten der Short-Track des Albums.
Ein absolutes Highlight folgt mit dem Schluss-Track von CD 1. ‘Rose Of Damascus’, mit über 15 1/2 Minuten sicher eines der Herzstücke von ‘Weltschmerz’. Und gerade hier zeigt Fish dass er überhaupt nichts verlernt hat. Ein absolutes Prog-Sahnestückchen.
CD 2 beginnt mit ‘Garden Of Remberance’, einem sehr sehr nachdenklichen Stück, nur minimal instrumentiert mit Piano und akustischer Gitarre. Da ist Gänsehaut garantiert.
Richtig fröhlich und folkig dann ‘C Song (The Trondheim Waltz)’, gefolgt von ‘Little Man What Now?’. Knapp 11 Minuten auch wieder sehr getragen und nachdenklich aber daher auch richtig schön.
‘Waverley Steps (End Of The Line), mit fast 14 Minuten ein grandioser Long-Song, vereint nochmal alles was Fish in seiner Solo-Karriere so außergewöhnlich gemacht hat. Er ist halt ein richtig großer Erzähler (gewesen).
Zum Abschluss gibt es dann noch das Titel-Stück ‘Weltschmerz’, und das ist absolut eine Reminiszenz an alte Tage. Einfach nur genial.
Als Fazit kann ich nur sagen: Danke Fish für viele schöne Momente und ‘Weltschmerz’ ist ein würdiger Abschluss der Karriere. Viel Spaß im Ruhestand. Fans müssen das Teil haben. Zu bestellen ausschließlich über seine Homepage.

Flying Colors - Third Stage: Live In London (VÖ: 18.09.2020)
Normalerweise halte ich von sogenannten Supergruppen nicht viel. Und so ging es mir auch bei ‘Flying Colors’. Zwar versprechen die Band-Mitglieder Dave LaRue (Bass), Casey McPherson (Gitarre, Gesang), Neal Morse (Keyboards, Gesang), Steve Morse (Gitarre) und Mike Portnoy (Drums und Gesang) so einiges, doch über die erste Studio-Veröffentlichung bin ich wegen Langeweile nicht hinweg gekommen.
Seit dem gab es 2 weitere Studio-Alben sowie 3 Live-Outputs und das neueste Live-Werk habe ich mir mal wieder gegönnt. Und zwar in der Version CD / DVD / BluRay ... wobei ich mich immer frage, warum man DVD und BluRay in ein Paket verfrachtet. Denn eine Version davon wird dann verstauben, je nachdem welches Abspielgerät man zu Hause hat.
Aufgenommen wurde das Konzert am 14. Dezember 2019 im altehrwürdigen Sheperds Bush Empire in London und natürlich war es gut besucht und das Publikum war begeistert.
Nun ... was soll ich sagen? Nach jahrelanger Flying Colors - Abstinenz kann ich der Musik nun doch ein bisschen was abgewinnen. Zwar sind die Songs für mich immer noch meistens zu langweilig und ermüdend, aber trotzdem hatte ich zugegebenermaßen ein paar Mal doch Gänsehaut. Songs wie ‘Kayla’ (Steve Morse kann es halt), ‘You Are Not Alone’ (was für ein gefühlvoller Song) und ‘Peaceful Harbor’ gehen dann doch runter wie Öl.
Meine Lieblingsband wird ‘Flying Colors’ bestimmt nicht mehr. Aber in der richtigen Stimmung kann man das dann doch mal anhören.

Gabriel - New Life (VÖ: 24.02.2020)
Gabriel Agudo ist ein argentinischer Sänger aus Buenos Aires. Mittlerweile ist er Solo-Künstler, wurde aber in der Musikszene bekannt als Sänger und Songwriter der Band ‘Bad Dreams’, Sänger der Band ‘In Continuum’ sowie als Leadsänger der Steve Rothery Band. Seine Solo-Karriere startete Gabriel Agudo im Jahr 2019 und mit ‘New Life’ gibt es seit Februar 2020 sein erstes Solo-Album, das er eigentlich auch auf dem Night Of The Prog Festival 2020 auf der Loreley vorstellen wollte. Aber wir wissen ja alle dass sämtliche Konzerte ab Frühjahr 2020 wegen der Corona-Krise ausgefallen sind.
Auf dem Album sind eine ganze Reihe von Gast-Musikern vertreten. Und darunter sind so bekannte Namen wie Steve Rothery (Marillion), Jan-Vincent Velazco (Pendragon), Clive Nolan (Pendragon, Arena), Dave Kerzner (In Continuum) aber auch ein paar Namen aus dem klassischen Genre wie z.B. Hélène Collerette (erste Violine des Radio France Philharmonic Orchestra) oder auch René Bosc (Orchesterdirektor des Shanghai Symphony Orchestra), der das Album auch mitproduziert hat.
Die Stimme von Gabriel Agudo klingt für mich tatsächlich ein bisschen nach Peter Gabriel und so Songs wie ‘Karmatic’ haben teilweise ein paar Anleihen an ‘The Lamb Lies Down On Brodway’ (vor allem der Piano-Part in der Mitte des Songs).
‘New Life’ ist ein richtig gutes Neo-Prog-Album geworden, bei dem die ruhigeren Parts überwiegen, aber auch ein paar rockige Elemente hat. Insgesamt ist aber alles sehr sehr melodisch und einfach ‘schön’ zum genießen. Mir fällt es schwer, Parallelen zu anderen Bands aus dem Genre zu finden, dafür ist ‘New Life’ einfach zu eigenständig. Proggies müssen auf jeden Fall unbedingt rein hören. Coole Scheibe, die es unter anderem beim polnischen Versender Independent Music Market zu erwerben gibt (dort habe ich das Album bestellt und es kam richtig schnell an). Digital kann man das Album auch auf der Bandcamp-Seite von Gabriel kaufen.

Gildenlöw, Kristoffer - Homebound (VÖ: 18.04.2020)
Vom Vorgängeralbum ‘The Rain’ (2016) des früheren Pain Of Salvation - Bassisten Kristoffer Gildenlöw war ich ja mehr als begeistert. Danach habe ich nichts mehr von ihm gehört und nun durch Zufall das neue Album ‘Homebound’ gefunden. Irgendwie ging die Veröffentlichung so völlig an mir vorbei. Und auch wenn das Album nur 35 Minuten lang ist, möchte ich es als wunderschön bezeichnen.
Thematisch ist ‘Homebound’ am Erstlingswerk ‘Rust’ angeknüpft. Es geht um die Schönheit des Lebens, um das Älter werden und um unterschiedliche Phasen des Lebens.
Der Opener ‘Eternal’ beginnt mit Vogelgezwitscher und einer richtig schönen Violine von Anne Bakker, die auch schon auf dem Vorgängeralbum zu hören war. Und dieses Into geht dann nahtlos über in den ersten ‘richtigen’ Song ‘Holy Ground’. Und das erzeugt schon wieder mal Gänsehaut. Und das nicht nur wegen der genialen Stimme von Kristoffer Gildenlöw sondern auch wegen der getragenen Stimmung, dem teilweise mehrstimmigen Gesang, dem Keyboardteppich hinter den akustischen Gitarren.
Auch der nächste Song ‘Like Father, Like Son’ ist ein geniales Stück Musik. Hier ist vor allem zu erwähnen, dass Dirk Bruinenberg (Elegy, Adagio) als Drummer gewonnen werden konnte. Auch das Gitarrensolo ist richtig cool. Die weiteren Songs gehen alle in die ruhige, nachdenkliche Richtung, ohne auch nur eine Sekunde langweilig zu werden. Immer wieder gibt es Momente zum wegschweben (z.B. bei ‘Snow’) und träumen.
Richtig genial ist auch die Cover-Version ‘Chelsea Hotel #2’ von Leonard Cohen sowie ganz am Ende die Piano-Ballade ‘You Need Not Stay (Away)’ auf dem ein alter Bekannter aus Pain Of Salvation - Zeiten (Fredrik Hermansson) in die Tasten greifen darf.
Wer auf ruhige Songs im Singer / Songwriter - Stil steht, kommt an diesem Album nicht vorbei.

Hartmann - 15 Pearls And Gems (VÖ: 17.04.2020)
Schon seit geschlagenen 15 Jahren ist Ausnahmesänger (und Gitarrist) Oliver Hartmann mit seiner Band ‘Hartmann’ aktiv. (Leider) besser bekannt ist er aber durch seine Mitwirkung bei ‘At Vance’, natürlich durch seine Auftritte mit ‘Avantasia’ sowie, was viele vielleicht nicht wissen, durch die Pink Floyd Cover Band ‘Echoes’. Genannt werden muss aber auch die Akustik-Version des Serenity-Songs ‘Souls And Sins’, auf dem Oliver Hartmann einfach Gänsehaut bereitet (Bonus-Track auf dem Album ‘The Last Knight’).
Das Album ‘15 Pearls And Gems’ beinhaltet ... oh Wunder ... insgesamt 15 Songs. Davon sind 4 neu, eins neu aufgenommen. Daneben dann noch 5 Cover-Versionen sowie 5 Live-Aufnahmen.
Die 4 neuen Songs beginnen mit ‘Can’t Stop This Train’, und das ist schon mal ein genialer Melodic-Rocker vom Feinsten. Auch das folgende ‘Walking On A Thin Line’ geht ... mit mehr Geschwindigkeit ... in die selbe Richtung. Danach folgt die Ballade ‘How Does It Feel’. Das erinnert mich an die besten Zeiten von Tony Martin. Schmalzig und einfach schön. Der vierte neue Song ist dann ‘You Will Make It’, der eher im Mid-Tempo angesiedelt ist. Danach folgt der Remix von ‘Glow’ vom 2016er Album ‘Shadows & Silhouettes’
Nun die 5 Cover-Versionen. Und da gibt es doch eine recht witzige Mischung. Zuerst ‘When The Rain Begins To Fall’ im Duett mit Ina Morgan. Wer sich noch dunke erinnern kann ... im Original ein Song von Jermaine Jackson und Pia Zadora (ich glaube aus den 80ern). Das fetzt schon mal richtig gut. Danach ‘Street Cafe’ (Original von Icehouse ... auch aus den 80ern), das auch richtig gut ist. Dann wird es schon ein bisschen schwieriger, denn Billy Joel zu covern (‘I Go To Extremes’) ist schon eher frech. Aber auch hier hält sich Oliver Hartmann richtig gut. Genial dann ‘Uninvited’ (Alanis Morissette) aus meinem absoluten Lieblingsfilm ‘Stadt der Engel’ mit Gänsehautgarantie. Am Ende der Cover-Versionen dann noch ‘Fire And Water’ von Free. Nicht schlecht aber für mich Platz 5.
Und dann folgen eben noch 5 Live-Versionen von Hartmann-Songs, bei denen vor allem ‘Brothers’ zusammen mit Tobias Sammet und Sascha Paeth heraus sticht.
‘15 Pearls And Gems’ ist meiner Meinung nach ein hervorragender Einstieg in die Welt von ‘Hartmann’ und sollte in keinem CD-Regal fehlen. Am Besten direkt bei ihm auf der Homepage bestellen und den Künstler damit direkt unterstützen. Es lohnt sich.

Heartscore - Sculptures - Neue Version (VÖ: 03.10.2020)
’Sculptures’ war das erste Album von ‘Heartscore’, das ich auf meiner Seite besprochen habe. Das war, wenn ich mich noch genau erinnern kann, im Jahr 2002. Und nun, 18 Jahre später, hat Dirk Radloff, der Kopf hinter ‘Heartscore’, das Album nochmals völlig neu eingespielt und produziert. Zwar wurden die Songs im Prinzip beibehalten, doch ist der Stand der Technik, was Aufnahme, Mixing und Mastering betrifft, natürlich ein ganz anderer als vor 18 Jahren.
Neben einer anderen Reihenfolge der Songs (die zweite Hälfte wurde nach vorne gezogen, weil sie härter, metallischer ist und somit mehr den heutigen ‘Geschmack’ von Dirk Radloff zeigt) wurde als größter Unterschied mit Giacomo Rossi ein Sänger gefunden, der die Songs neu eingesungen hat. Und das macht die ganzen Songs dann schon zu was ganz anderem. Und für mich sind die ersten paar Songs richtig rockig geworden und kein Vergleich zu den Original-Versionen. Alles einfach eine Klasse besser. Wobei ich schon das alte Album richtig gut und interessant fand.
Auf jeden Fall war es eine richtig coole Idee, das Album nochmals neu zu veröffentlichen und ich kann es jedem nur ans Herz legen. Zu bestellen auf der Bandcamp-Seite von Heartscore.

Lindemann - Live In Moscow (VÖ: 21.05.2021)
Dass Rammstein-Sänger Till Lindemann ein bisschen was (positiv) an der Klatsche hat, dürfte ja wohl allgemein bekannt sein. Dass er mit seinem eigenen Projekt ‘Lindemann’ am liebsten ... wie soll ich das ausdrücken ... sexuelle Randgebiete besingt, ist glaub auch kein Geheimnis. Und nun gibt es, nach 2 Studio-Alben, einen Eindruck davon, wie die Lindemann-Songs live visualisiert werden (klar ... dazu sollte man sich die DVD oder BluRay besorgen, die CD ist da eher langweilig). Und zum Glück ist da ein FSK 16 - Kleber drauf.
Offensichtlich war in Russland (wie der Name des Albums schon sagt, wurde das Konzert in Moskau aufgenommen) ziemlich viel erlaubt, denn das Word CENSORED über den Hintergrundvideos kommt nur ab und zu mal vor und mich würde interessieren, was da dann noch zensiert wurde.
Ich möchte jetzt gar nicht auf die Einzelheiten eingehen, aber die Videos zu z.B. Ladyboy, Fat oder Golden Shower sind dann wirklich eher FSK 16.
Insgesamt gibt es 17 Songs in brillanter Qualität (sowohl Bild als auch Ton) und die Band (Peter Tägtgren war da noch an der Gitarre dabei) ist echt total in Spiellaune. Richtig cooles Konzert und die Songauswahl ist eher von der ‘härteren’ Sorte.

Maxxess - Reactivate (VÖ: 01.02.2021)
Von dem schwäbischen Multiinstrumentalisten Max Schiefele aka Maxxess habe ich auf meiner Seite mit ‘Ultra’ und ‘Green Fairy’ schon 2 Alben besprochen und war von den rein instrumentalen Werken mehr als begeistert.
‘Reactivate’ beginnt recht flott mit dem Opener ‘Black Sheep’, das mit knapp 5 Minuten auch das kürzeste Stück auf dem Album ist. Und gleich hier zeigen sich die Stärken von ‘Maxxess’, nämlich einfach geniale Melodien die nicht mehr aus dem Kopf gehen. Witzig auch das ‘Mäh’ eines Schafes zwischendrin :-).
Das nachfolgende Titelstück ist dann eher heavy angehaucht. Hier darf die Gitarre auch mal ein paar richtig fette Riffs rauslassen. Auf den knapp 7 Minuten dürfen aber auch ein paar Prog-Elemente in Form von Breaks nicht fehlen.
Noch abwechslungsreicher dann das 7 1/2 Minuten-Stück ‘Illusion’. Hier paart sich ein wabernder Keyboard-Teppich mit gefühlvoller Gitarre und entwickelt sich nach ca. 4 1/2 Minuten zu einem fast bombastischen Song. Sehr geil.
Mehr in die elektronische Richtung geht dann ‘Lazy’. Das erinnert eher an frühere Werke von Sven Väth und Konsorten. Aber ist echt eine spannende Sache, auch wenn es mehr Techno als Prog oder Rock ist.
‘Protection’, ‘Sandstorm’ und ‘Rainy Sunday’ sind dann wieder eher in der ‘Komfortzone’ von ‘Maxxess. Alles richtig coole Songs mit viel Keyboard und natürlich Gitarre.
Und zum Schluss gibt es mit ‘Magnetic Repulsion’ noch einen Song mit über 15 1/2 Minuten, den ich eher in die Ambient-Richtung stecken möchte. Gute 10 Minuten Keyboard-Gewaber und dann eine richtig geile Steigerung mit der einsetzenden Gitarre.
Mit ‘Reactivate’ hat Max Schiefele mal wieder ein richtig geniales Instrumentalalbum abgeliefert, das Freunde dieses Genres haben müssen. Mehr Infos gibt es auf der Homepage von Maxxess. Dort gibt es dann auch Bezugsmöglichkeiten.

Methodica - Clockworks (VÖ: 02.10.2020)
Die italienische Prog-Metal-Band ‘Methodica’ habe ich 2019 zufällig auf dem Isola Rock Festival in der Nähe von Verona kennen und auch ein bißchen lieben gelernt. Sie hatten einen richtig coolen Auftritt und auch das letzte Album ‘The Silence Of Wisdom’ aus dem Jahr 2015 fand ich richtig gut (siehe meine Review).
Nun gibt es endlich neues Material in Form vom Album ‘Clockworks’, und das ist auch wieder richtig genial geworden.
Ich habe immer noch keine Ahnung, mit welcher Band ich ‘Methodica’ vergleichen könnte. Sänger Massimo Piubelli singt einfach in seiner eigenen Welt und da gibt es im Prog-Metal-Bereich keinen anderen Sänger, der auch nur annähernd an seine Stimmfarbe heran kommt. Und vor allem beim Sänger könnte man Vergleiche ziehen.
Auf ‘Clockworks’ sind ein paar richtig geile Songs drauf. Das beginnt beim Opener ‘A Trick’, das richtig fett ist. Dann danach ‘When I Fell Out Of The Sky’, dass vor allem wegen den Keyboard-Läufen an ‘Dream Theater’ erinnert, dann ‘The Door To You’, dass in Richtung ‘Fates Warning’ geht, oder auch der Song ‘1994’, der eine Mischung aus Beidem ist.
Es wird auf jeden Fall gefrickelt ohne Ende, aber immer sehr Song-orientiert und irgendwann immer wieder auf dem (melodischen) Punkt.
Ach was soll ich noch viel schreiben ... wer auf genialen Prog-Metal steht, kommt an ‘Methodica’ nicht vorbei. Das Album muss man haben. Zu bestellen über die Homepage der Band. Unbedingt kaufen.

Nine Skies - Return Home (VÖ: 30.11.2017)
Nine Skies ist eine französische Prog-Band, die bisher völlig an mir vorbei gegangen ist. ‘Return Home’ ist das Debut-Album der Band und erzählt die Geschichte aus den Augen des Protagonisten das Leben verschiedener Charaktere einer großen Stadt und damit die Absurditäten unserer heutigen Welt.
Musikalisch ist es etwas schwierig, ‘Nine Skies’ in eine Schublade zu stecken. Dafür ist das Album zu vielschichtig, abwechslungsreich und enthält auch zu viele Stile aus unterschiedlichen Musikrichtungen.
Tatsächlich erinnern mich die ersten zwei Songs ‘Return Home’ und ‘Season Of Greed’ ein bisschen an ‘Arena’ in ihren ruhigen Momenten. Das liegt zum Einen natürlich an den Songs selbst aber auch an der Stimme des Sängers Alexandre Bousaccre, der mich doch sehr an die Anfangszeiten von Arena erinnern.
Auch Ausflüge in die Jazz-Richtung gibt es. Zum Beispiel bei dem Stück ‘The Blind Widower’. Da wird dann schon mal eine Jam-Session gemacht und es kommen Flöte und Saxophon zum Einsatz. Richtig fette Prog-Songs sind aber auch enthalten. So begeistert mich der Song ‘Roses Never Hatch’ jedes Mal durch seine abwechslungsreiche Art, seinen Bombast, seine Instrumentalparts, den Breaks. Ein richtig cooles Stück Musik. Auch das letzte (reguläre) Stück ‘A Way Back (Return Home Pt. 2) ist so genial ... auch wegen dem elend langen Gitarrensolo in der Mitte.
Auf der mir vorliegenden Version gibt es dann noch 4 alternative, instrumentale Versionen, die auch richtig interessant sind.
Ein richtig tolles Debut-Album, das in keinem Prog-Schrank fehlen sollte. Mehr Infos über die Band gibt es auf der Homepage der Band.

Nine Skies - Sweetheart Grips (VÖ: 01.10.2019)
’Sweetheart Grips’ ist das zweite Studio-Album der französichen Prog-Band ‘Nine Skies’. Und dass die Band nur so vor Ideen sprüht erkennt man schon mal daran, dass es sich hier um eine Doppel-CD handelt.
Ganz neu bei ‘Nine Skies’ ist jetzt, dass mit Aliénor Favier eine Sängerin gefunden wurde, das den Songs ein völlig neues Gewand gibt. Auf dem Debut-Album ‘Return Home’ waren ja ausschließlich männliche Stimmen im Einsatz.
Auch ‘Sweetheart Grips’ ist ein Konzept-Album geworden und handelt von den Erinnerungen und Gedanken eines Soldaten im zweiten Weltkrieg mit einem post-traumatischen Syndrom und dem Widerspruch zwischen Gewalt und Humanität im Krieg.
Für das Album wurden auch ein paar illustre Gäste gewonnen. So sind Prog-Größen wie Clive Nolan (Pendragon, Arena), Craig Blundell (Frost), Dave Foster (Steve Rothery Band) oder auch Johnny Marter (Fish, SAS Band) mit an Bord.
Musikalisch haben ‘Nine Skies’ irgendwie ihre Richtung gefunden. War das Vorgänger-Album auch noch mit vielen Jazz-Elementen gespickt, ist ‘Sweetheart Grips’ nun ein reines Prog-Album geworden, das sich vor den Genre-Größen wie Arena oder Pallas nicht verstecken braucht. Es gibt ruhige, nachdenkliche Momente, es gibt bombastische Parts, es gibt geniale Gitarren-Solis, Breaks ohne Ende, Abwechslung ohne Ende, folkige Einflüsse ... und das zum Beispiel alles verpackt im Titelstück.
Ich finde vor allem die Gitarren-Parts richtig genial, die mich an Arena in ihren besten Zeiten erinnern. Und wenn dann auch noch ein Marillion-Keyboard dazu kommt, grenzt es schon fast an Perfektion (zum Beispiel beim Song ‘Somewhere Inside Mankind’).
‘Sweetheart Grips’ ist ein richtig geniales Prog-Album geworden, das in keinem CD-Regal fehlen darf. Unbedingt kaufen.
Mehr Infos über die Band gibt es auf ihrer Homepage.

Nine Skies - 5.20 (VÖ: 04.06.2021)
Über die französische Prog-Band ‘Nine Skies’ habe ich ja in meinem letzten Update ausführlich berichtet und Reviews über die bisher 2 veröffentlichten Studio-Alben ‘Return Home’ und ‘Sweetheart Grips’ geschrieben. Und ich war mehr als begeistert.
Nun gibt es mit ‘5.20’ ein neues, rein akustisches Werk mit insgesamt 10 Songs und begleitet von einem Streicher-Quartett. Aber wer jetzt denkt, das wird auf Dauer langweilig, hat sich sehr getäuscht. Schon der erste Song ‘Colourblind’ überrascht mit toller akustischer Gitarre und Saxophon.
Auch ohne in das Booklet zu schauen, wird man beim zweiten Stück ‘Wilderness’ hellhörig, denn das klingt irgendwie ganz schön nach Steve Hackett ... und siehe da ... er wurde hier als Gastmusiker gewonnen. Wobei vor allem der Gitarrenpart in der Mitte des Songs sowas von typisch für ihn ist. Das kann er halt. Akustische Gitarre, ein bisschen spanisch angereichert. Richtig schöner Song. Und gegen Ende darf dann auch noch die elektrische Gitarre (hoppla ... ich dachte das wäre ein Akustik-Album) wimmern.
Weitere Highlights auf dem Album sind auf jeden Fall ‘Golden Drops’ (tolle Instrumentierung), ‘Above The Tide’ (ganz schön viel Abwechslung in guten 4 Minuten), ‘The Old Man In The Snow’ (zusammen mit John Hackett), natürlich das geniale ‘Porcelain Hill’ (welcher Song mit Damian Wilson ist denn nicht geil? Der Song ist echt für ihn geschrieben) und das abschließende ‘Smiling Stars’, auf dem ‘Nine Skies’ nochmals einen richtig schönen Song kreiert haben.
Wer auf (meist) akustischen Prog steht, kommt an 5.20 auf jeden Fall nicht vorbei. Wunderschönes Album. Mehr Infos gibt es auf der Band-Homepage. Unbedingt kaufen.

Nine Skies - Prog En Beauce (VÖ: 04.06.2021)
Neben dem genialen Akustik-Album ‘5.20’ (siehe oben) veröffentlicht die französische Prog-Band ‘Nine Skies’ am selben Tag auch noch ein Live-Album, aufgenommen am 26.10.2019 auf dem 7. Prog En Beauce - Festival. Und auf diesem Mitschnitt von knapp einer Stunde gibt es dann einen schönen Querschnitt über die bisher veröffentlichten Studio-Alben ‘Return Home’ und ‘Sweetheart Grips’. Und auch wenn die Aufnahmen nur besseren Bootleg-Charakter haben, zeigt es doch ganz deutlich, wie genial, abwechslungsreich und manchmal auch ‘verspielt’ die musikalische Welt von ‘Nine Skies’ ist. Da wechselt Bombast mit filigranen Parts ab, die unterschiedlichen Stimmen ergänzen sich richtig gut und die Stunde vergeht wie im Flug. Mir persönlich gefallen ja mal wieder die tollen Gitarren-Soli (z.B. bei ‘Return Home’), gepaart mit Marillion-Keyboard, wenn es insgesamt Richtung ‘Arena’ geht. Das machen sie einfach richtig gut.
Wer das Konzert auch optisch erleben will, kann das auf Youtube tun. Es wäre aber schön (und nett), wenn Ihr die Band unterstützen könntet und das Album kauft. Denn wir wollen doch alle, dass solche Perlen auch weiterhin tolle Alben veröffentlichen. Mehr Infos wie immer auf der Band-Homepage.

No Terror In The Bang - Eclosion (VÖ: 05.03.2021)
’No Terror In The Bang’ ist eine Cinematic-Metal-Band aus Rouen (Frankreich), die im Jahr 2019 gegründet wurde. Der Band-Name ist ein Zitat von Alfred Hitchcock.
Geprägt wird die Musik von ‘No Terror In The Bang’ von der (weiblichen) Stimme von Sofia Bortoluzzi, die richtig fies und brutal singen kann. Da kommen schon mal Gedanken an ‘Skunk Anansie’, wobei mich die Musik selbst eher an ‘Pain Of Salvation’ oder auch ‘System Of A Dawn’ erinnert. Und ein bisschen ‘Korn’ ist auch mit dabei.
Ich möchte hier gar nicht auf die einzelnen Songs eingehen, denn ich denke mit den Vergleichen zu den obigen Bands habe ich eigentlich schon alles gesagt. Trotzdem gibt es ein paar Momente oder auch Songs (wie z.B. ‘No More Helpful Peace Pt. II), die eine völlig andere Seite zeigen, nämlich eine ruhige, nachdenkliche Seite mit Piano-Klängen, oder auch der Song ‘Poison’, bei der Sofia Bortoluzzi klingt wie Gwen Stefani von No Doubt.
‘Eclosion’ ist sicher kein Prog-Album wie man es auf meiner Seite erwarten sollte. Aber wer auch mal Metal-Core mit einigen ruhigen Phasen hören kann um sich abzureagieren, ist mit ‘No Terror In The Bang’ bestens bedient. Ich finde das Album total spannend.
Mehr Infos über die Band gibt es auf ihrer Homepage.

Poor Genetic Material - Spring Tidings 15th Anniversary Edition (VÖ: 21.05.2021)
’Spring Tidings’ war für mich (neben vielen anderen Alben) ein Meilenstein in der Geschichte von ‘Poor Genetic Material’, der Art- / Prog-Rock Band aus Deutschen Landen. Das Album, das 2006 erschienen ist, beinhaltete tolle Melodien, geniale Stimmung, sensationelle Atmosphäre und durch das Weglassen der (früheren) jazzigen Parts war der Output für mich fast perfekt.
Nach jetzt 15 Jahren kam die Band auf die Idee, das Album neu zu mischen und zu mastern, damit der Sound auf den neuesten Stand der Technik gebracht wird. Allerdings waren die (alten) Keyboard-Spuren nicht zu gebrauchen, so dass das komplett neu eingespielt werden musste. Und die Mühen haben sich mehr als gelohnt. Das Album ist (natürlich) immer noch genial weil absolut zeitlos und der Sound ist hervorragend.
Das Album selbst möchte ich jetzt nicht mehr besprechen ... hier verweise ich auf meine Review aus 2006. Und jedes Wort passt auch heute noch.
Veröffentlicht wird das Album aber nicht nur auf CD sondern auch auf farbigem Vinyl. Allerdings musste man hier gewisse Abstriche machen, denn die zeitliche Begrenzung einer LP hatte zur Folge, dass 2 Songs weggelassen werden mussten (‘Three Steps Back ...’ und ‘Blow Up’). Aber keine Angst ... wer die LP bestellt, bekommt das Album auf CD dazu. Also nix wie los und das Teil bestellen. Ich kann dazu nur eindringlich raten. Art-Rock at it’s Best ist noch leicht untertrieben. Und das am Besten direkt bei Quixote-Music.

RPWL - God Has Failed / Live & Personal (VÖ: 30.04.2021)
Meine ersten Berührungspunkte mit der Freisinger Band ‘RPWL’ hatte ich eigentlich schon mit der Vorläuferband ‘Violet District’ und dem (einzigen) Album ‘Terminal Breath’. Wenn ich mich noch genau erinnere, war das wohl im Jahr 1992 oder so. Danach hat es ewig lange gedauert, bis die 3 Musiker von ‘Violet District’, nämlich Kalle Wallner (Gitarre), Chris Postl (Bass) und Yogi Lang (Gesang) zusammen mit Drummer Philipp Rissettio die Band ‘RPWL gegründet haben und im Jahr 2000 das Erstlingswerk ‘God Has Failed’ veröffentlichten.
Eigentlich sollte im November 2020, pünktlich zum 20. Geburtstag des Albums, eine groß angelegte Tour starten um das Album würdig zu feiern, doch wie wir alle wissen, war es leider Corona-bedingt nicht möglich, eine Tour zu machen.
Um das Album trotzdem gebührend zu feiern, hat man sich einfach entschlossen, ein Live-Konzert ohne Zuschauer zu machen und das dann auch noch mit großem Aufwand zu filmen.
Herausgekommen ist nun ‘God Has Failed Live & Personal’, das in nicht wenigen unterschiedlichen Formen auf den Markt gekommen ist. Digital und physisch als Album, als Doppel-Vinyl (mit 2 zusätzlichen Songs, nämlich ‘Cymbaline’ und ‘Fat Old Sun’ ... Pink Floyd Cover-Versionen von 2000 bzw. 2001) sowie als BluRay bzw. DVD (mit 3 Extra-Filmen mit Diskussionsrunden mit den Original-Musikern und der aktuellen Besetzung sowie der Listening-Session).
Ich habe (leider) nur das physische Album vorliegen, daher kann ich über die visuelle Umsetzung wenig sagen. Allerdings habe ich gehört, dass man beim Zuschauen denken könnte, RPWL stehen im Wohnzimmer. Und das klingt ja auf jeden Fall ‘Personal’.
Über das Album selbst möchte ich gar nicht viele Worte verschwenden. Auch wenn es das Erstlingswerk der Band war und man damals noch als ‘ehemalige Pink Floyd Cover-Band’ damit auch die Nähe zu der Band aus Cambridge nicht verheimlichen kann, möchte ich ‘God Has Failed’ trotzdem oder vielleicht auch deswegen als Meisterwerk der Band bezeichnen. Da sind so viele geniale, gefühlvolle Songs drauf. Und der Sound wurde einfach perfekt in die heutige Zeit transportiert. Genialer Mix.
Veröffentlicht bei Gentle Art Of Music. Mehr Infor über die Band auf der Homepage.

Saga - Symmetry (VÖ: 12.03.2021)
Als die kanadischen AOR / Prog-Götter Saga angekündigt hatten, mit ‘Symmetry’ ein neues Album zu veröffentlichen, waren die Jubelschreie groß. Gab es doch eigentlich die Auskunft, dass Saga Geschichte sind und nichts Neues mehr kommt.
Ein bisschen Enttäuschung gab es dann schon als bekannt wurde, dass es sich bei ‘Symmetry’ um ein Akustik-Album handelt, waren Saga doch eigentlich immer durch Bombast bekannt. Und es stellt sich halt auch echt die Frage, ob Saga-Songs im akustischen Gewand überhaupt funktionieren. Und ich würde jetzt persönlich mal sagen ... bedingt.
Schön finde ich auf jeden Fall, dass hier nicht nur der ‘Strom abgeschaltet’ wurde sondern auch so interessante Instrumente wie Mandoline, Banjo oder auch Akkordeon zum Einsatz kommen. Und es gibt auch noch 3 Gast-Streicher (Fiddle und 2x Cello). Von daher schon mal ein Daumen hoch.
Die Song-Auswahl finde ich tatsächlich eher bescheiden. Ich hätte mir da viel mehr ‘alte Heuler’ gewünscht, die auf Konzerten immer das Highlight sind. Aber gut, so kommen wir nun in den Genuss von eigentlich völlig unbekannten oder vergessenen Songs wie ‘Pitchman’, ‘Say Goodbye To Hollywood’ oder auch ‘La Foret Harmoniseuse’. Aber natürlich sind mit ‘Wind Him Up’, ‘No Regrets’ oder auch ‘Tired World’ ein paar richtig geniale Songs drauf. Und es gibt auch noch 2 zusammengebastelte Medleys die ganz witzig sind.
Ich weiß auch nicht ... aber für mich ist das jetzt alles nicht so der Brüller. Aber vielleicht habe ich auch einfach vorab zu viel erwartet. Richtig schlecht ist es nicht, aber auf Dauer wird das Album dann doch im Regal verstauben.

Sylvan - One To Zero (VÖ: 28.05.2021)
’Sylvan’ aus Hamburg waren bis zum Album ‘Force Of Gravity’ aus dem Jahr 2009 mit insgesamt 7 Reviews auf meiner Homepage vertreten. Es fehlte nur das Erstlingswerk ‘Deliverance’ (keine Ahnung warum) sowie die 2 noch nach ‘Force Of Gravity’ veröffentlichten Alben ‘Sceneries’ (2012) und ‘Home’ (2015). Ganz ehrlich wurde die Band für mich uninteressant, nachdem sie irgendwie nicht mit meiner Kritik umgehen konnte. Noch betreibe ich meine Seite hier unabhängig, nicht kommerziell und schreibe was ich denke. Und damit sollte man als Musiker dann eben auch zurecht kommen. Hat nicht so geklappt. Naja ... ich bin mittlerweile altersmilde gestimmt und schreibe ein paar Worte zum neuesten Output ‘One To Zero’, der bei Gentle Art Of Music veröffentlicht wurde. Nicht verwunderlich also dass das Album dann auch in den Farm Studios von Kalle Wallner und Yogi Lang produziert wurde. Der Mix stammt von Yogi Lang. Und das bedeutet schon mal glasklarer, moderner Sound.
‘Sylvan’ konnte ich in den letzten 20 Jahren irgendwie nie so recht einordnen. Mal war es genialer Prog (hier vor allem das absolute Über-Album ‘Artificial Paradise’ aus dem Jahr 2002), mal war es mir aber dann auch wieder ein bisschen zu poppig.
‘One To Zero’ ist ein Konzeptalbum und es wird über die 10 Songs die Autobiographie einer künstlichen Intelligenz aus ihrer eigenen Perspektive erzählt. So beginnt das Album mit dem Song ‘Bit By Bit’, zuerst mit einem Rauschen, dann sehr orchestral (könnte fast Filmmusik von einem Endzeit-Movie stammen) um danach eigentlich zu einem typischen Sylvan-Song zu mutieren, der die ersten zwei Minuten rein instrumental ist, dann in Sprechgesang mündet, ganz langsam Bombast aufbaut, um nach gut 4 Minuten zu einem ‘richtigen’ Song wird. Somit 1:0 für Prog.
Der zweite Song ‘Encoded At Heart’ beginnt sehr zart nur mit Gesang und Piano ohne aber in Kitsch zu verfallen. Und wenn dann nach 1 1/2 Minuten die Rhythmus-Gruppe mit einsetzt, wird es ein richtig schöner Mid-Tempo-Song, der dann auch noch in Bombast und ewigem Gitarren-Solo endet. Hey ... 2:0 für Prog. ‘Start Of Your Live’ beginnt dann erstaunlich rockig, ist mir in Melodie und Refrain dann doch etwas zu ‘profan’ um als Prog durchzugehen. 2:1. ‘Unleashed Power’, alleine schon mal wegen der Länge von 7 1/2 Minuten für mich sehr interessant, hält leider nicht was die Länge verspricht. Zwar ein schöner, ruhiger Song, aber für mich irgendwie zu lang(weilig). Das ändert sich dann schlagartig mit ‘Trust In Yourself’, das zwar auch eher im Mid-Tempo angesiedelt ist, aber trotzdem ein paar schöne, überraschende und bombastische Parts bietet. Und hier sehe auch auch irgendwie einen Schnitt in dem Album. Wunderschön der Streicher-Einsatz von Katja Flintsch, herrlich die verzerrte Gitarre gegen Ende des Songs. ‘On My Odyssey’ ist dann auch viel elektronischer als alle Songs davor und die weiblichen Back Vocals von Bine Heller kommen viel mehr zum Vorschein. Auch die Gitarre kommt endlich mal wieder so richtig zum Einsatz. Hmm wo waren wir eigentlich? Es gab ein Unentschieden ... daher 4:1 für Prog. Und das erhöht sich mit ‘Part Of Me’ (über 9 Minuten) auf 5:1. Interessanter Song mit einer tollen Steigerung in der Mitte und gegen Ende ... plus langem Gitarrensolo. ‘Worlds Apart’ lässt dann Pop auf 5:2 verkürzen aber Prog ist jetzt uneinholbar in Front. Denn es folgen nur noch 2 Songs. ‘Go Viral’, zuerst sehr elektronisch aber im Refrain dann doch sehr fett gemacht (6:2) und dann ... tja ... der Abschluss mit ‘Not A Goodbye’ und über 10 Minuten mit spannenden Breaks, tollen Gitarren, teilweise fetzigem Rhythmus und einem Ende, das dann wohl gleichzeitig ein neuer Anfang ist ... denn es kommt wieder das Rauschen von ‘Bit By Bit’. Somit gewinnt Prog ganz locker mit 7:2 gegen Pop und ‘Sylvan’ sind eindeutig mal wieder in der Spur, auch wenn ‘One To Zero’ nicht an das Überwerk ‘Artificial Paradise’ ran kommt.

Vanden Plas - The Ghost Xperiment Illumination (VÖ: 04.12.2020)
’Vanden Plas’ mögen es ja gerne mehrteilig. Und so auch mit ‘The Ghost Xperiment’, das im Jahr 2019 mit dem ersten Teil ‘Awakening’ begonnen wurde, und nun mit ‘Illumination’ fortgeführt wird. Und das nicht nur musikalisch (klar ... Vanden Plas ist eben Vanden Plas) sondern auch was die Geschichte des Protagonisten Gideon Grace betrifft.
Es ist für mich immer schwierig, eine Vanden Plas - Scheibe zu kritisieren ... denn es gibt einfach nichts zu kritisieren. Das beginnt mit dem Opener ‘When The World Is Falling Down’, das ist einfach Vanden Plas at it’s best. Fett, bombastisch und mit den typischen VP-Riffs gepaart mit dem genialen Gesang von Andy Kuntz. Epische Songs in einer Länge von 7 bis über 13 Minuten (mit Ausnahme des Schluss-Tracks ‘Ghost Engineers’, der es nicht mal auf 5 Minuten bringt) ... ich weiß echt nicht was ich schreiben soll. Fans werden eh schon zugegriffen haben (und werden wie immer begeistert sein) und wer mit Vanden Plas bisher nichts anfangen konnte, wird auch mit ‘Illimination’ nicht warm werden. Für mich ist das Album einfach mal wieder ein Meisterwerk. Aber VP haben eh noch nie schlechte Alben abgeliefert.
Einen Kritikpunkt hätte ich aber doch. Denn den Bonus Track ‘Krieg kennt keine Sieger’ von ‘Saltatio Mortis’ im Vanden Plas - Gewand hätte ich jetzt so nicht erwartet. Das wird man hassen oder lieben, weil der Song aus einem völlig anderen Genre stammt ... aber Vanden Plas machen daraus einfach was richtig geiles. Ich glaube die könnten ‘Alle meine Entchen’ vervandenplassen und ich würde es gut finden :-).

Visions Of Atlantis - A Symphonic Journey To Remember (VÖ: 30.10.2020)
Viele regelmäßige Besucher meiner Homepage werden es vielleicht schon festgestellt haben ... seit einigen Jahren stehe ich neben Prog auch auf Symphonic Metal. Und in diesem Genre sind ‘Visions Of Atlantis’ sicher ganz weit oben. Und ich mag die Band nicht nur wegen ihrer genialen Musik sondern auch weil sie richtig nette Leute sind. Einige Musiker kenne ich jetzt schon seit ewigen Zeiten persönlich und es ist immer wieder schön, sich mit ihnen zu unterhalten.
VoA haben in ihrer Karriere einige Wechsel vor allem am Mikrophon hinnehmen müssen. Und ich hoffe mal, dass die derzeitige Besetzung mit Clémentine Delauney und Michele Guaitoli endlich Bestand hat, denn dieses Duo ist einfach nur passend.
‘A Symphonic Journey To Remember’ ist ganz sicher bisher das absolute Highlight der Bandgeschichte, was Live-Auftritte betrifft. Denn hier kommen wir in den Genuss eines Konzerts vom Bang Your Head - Festival in Balingen aus dem Jahr 2019, als sie zusammen mit dem Bohemian Symphony Orchestra Prague ein bisher einmaliges Konzert gegeben haben. Denn leider hat die Corona-Krise dazu geführt, dass weitere Auftritte in dieser Besetzung z. B. auf dem Metal On The Hill Festival in Graz nicht stattfinden konnten.
Die Song-Auswahl ist einfach nur grandios. Viel vom (damals) letzten Album ‘The Deep & The Dark’, einige neue Songs vom späteren Output ‘Wanderers’ und ein paar ganz alte Sachen wie z.B. ‘Memento’, ‘Seven Seas’ oder auch ‘Passing Dead End’.
Ich brauche wahrscheinlich nicht erwähnen, dass die Verpflichtung des Orchesters gerade bei Symphonic Metal mehr als Sinn macht (im Gegensatz zu gescheiterten Versuchen im ‘normalen’ Metal-Bereich). Die Songs werden dadurch noch mehr besonders und einfach fetter. Und der Spiellaune merkt man an, dass die Musiker von VoA bei dem Konzert richtig Spaß hatten. Daher empfehle ich nicht nur das Album zu kaufen, sondern sich natürlich die Version mit DVD / BluRay zuzulegen, denn da kommt das Konzert noch viel intensiver rüber.
Muss man haben.


 

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