Neue CD-Kritiken

Neue CD-Kritiken

 

Hier findet Ihr die neuesten CD-Kritiken der letzten Updates. Über Musik lässt sich nicht streiten, nur diskutieren. Deswegen bitte bitte keine beleidigenden Mails mehr, nur weil ich Eure Lieblings-CD schlecht kritisiert habe. Das hier ist AUSSCHLIESSLICH MEIN Musikgeschmack (bzw. natürlich der Geschmack meiner Co-Kritiker). Ich halte Euch ja auch nicht für blöd, nur weil Ihr Helene Fischer oder Andrea Berg gut findet. Schickt mir dann lieber eine Gegen-Kritik als TXT-Datei. Die wird dann selbstverständlich auch veröffentlicht.

Und wer Schreibfehler findet darf sie behalten !!

 

01.05.2018

12.07.2018

02.09.2018

Ayreon - Best Of Ayreon Live

Arena - Double Vision

Ally the Fiddle - Up

Frequency Drift - Letters To Maro

Chapter 7 - Frozen Fields

Brooks, Aaron - Homunculus

Kamelot - The Shadow Theory

Cyrcus Flyght - The Clueless Caravan

Dialeto - Live With David Cross

Kobra And The Lotus - Prevail II

Devilizer - The Obscuring

Fates Warning - LIve Over Europe

Phi - Cycles

Fields Of Troy - The Great Perseverance

Moore, Pamela - Behind The Veil

Pinski - Sound The Alarm

Maiden United - Empire Of The Clouds

Primal Fear - Apocalypse

Subsignal - La Muerta

Mother Bass - Mother Bass

Redemption - Long Night’s Journey Into Day

Temperance - Of Jupiter And Moons

Phantom Elite - Wasteland

Romeo, Michael - War Of The Worlds Pt. 1

 

Project Patchwork - ReFlection

Starfish64 - The Future In Reverse

 

Tumble Town - Never Too Late

Tarja - Act II

 

Unkh - Innerverse

Twenty Four Hours - Close - Lamb - White - Walls

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ally the Fiddle - Up (VÖ:14.09.2018)
Als ich gelesen hatte, dass die Norddeutschen ‘Ally the Fiddle’ progressiven Violin Rock / Metal machen, habe ich mich echt gefragt, ob das funktionieren kann. Und die weitere Information, dass Ally Storch, die alle Streichinstrumente (und hier vor allem ihre 6-saitige elektronische Violine) auf dem Album bedient, auch Mitglied bei ‘Subway To Sally’ und ‘Schandmaul’ ist, und ich mit diesem Genre, also Mittelalterrock überhaupt nichts anfangen kann, machte mich eigentlich noch skeptischer. Ein Blick in das Line-Up der Band hat mir aber ein bisschen meine Bedenken genommen, denn mit Robert Klawonn und Eric Langbecker sind immerhin auch 2 Gitarristen mit an Bord. Vervollständigt wird die Band durch Rouven Haliti am Chapman Stick (ein Instrument, das in meinen Augen viel zu selten verwendet wird), Simon Tumielewicz am Bass und Stefan Hukiede an den Drums. Und auch die Gast-Musiker sind ein interessantes Sammelsurium quer durch einige Genres. So hat Marco Minnemann (vor allem bekannt durch die Zusammenarbeit mit Steven Wilson) auf einem Track die Drums übernommen, Sebastian Baur und Alf Ator (Knorkator) leihen auf 2 Tracks ihre Stimmen, Benni Cellini (Letzte Instanz) bedient bei einem Song das Cello, Jen Majura (Evanesence) darf auf einem recht jazzig angehauchten Stück (‘Try To Stop Me’) die Finger auf den Saiten fliegen lassen. Bei diesem Track ist dann auch noch kein Geringerer als Jerry Goodman (Mahavishnu Orchestra) an der Geige zu hören. Felix Wiegand (Dick Brave and the Backbeats) darf beim Opener ‘Sisyphos’ am Kontrabass ran.
Musikalisch erinnern mich ‘Ally the Fiddle’ ein bisschen an ‘Curved Air’, die vor allem in den 70er Jahren ein paar richtig gute Platten herausgebracht und dort schon die Violine als Stil-Element in den Prog-Rock Bereich eingeführt haben. Und hier möchte ich nur den Namen Eddie Jobson nennen, der die genannte Band durch sein filigranes Violinen-Spiel sehr geprägt hatte (und auch bei UK, Roxy Music, Jethro Tull und Yes aktiv war). Und um noch eine Parallele zu nennen klingt Ally Storch, die neben den Streichinstrumenten auch für den Gesang verantwortlich ist, tatsächlich teilweise nach Sonja Kristina (der Sängerin von Curved Air).
Die insgesamt 10 Songs bewegen sich (bis auf 2 Ausnahmen) alle zwischen 6 und gut 8 Minuten, wobei der Gesang im Verhältnis zu den Instrumental-Parts recht wenig Zeit einnimmt. ‘Up’ ist somit ein eher instrumentales Album mit ‘ein bisschen’ Vocals geworden und wenn man sich einmal auf die (natürlich) dominante Violine eingelassen hat, klingt das alles richtig spannend und nicht eine Sekunde langweilig oder gar nervig. Dies liegt aber auch daran, dass die Gitarristen ebenfalls ihren Freiraum bekommen und ordentlich rocken dürfen. Es gibt aber auch ruhigere Momente wie das 8-Minuten-Stück ‘The Bass Thing’ (mit wunderschöner Melodie-Linie) oder den Song ‘Tree’ (zumindest die ersten 4 1/2 Minuten, bis es doch richtig bombastisch und metallisch wird).
Veröffentlicht wurde ‘Up’ übrigens bei Gentle Art Of Music, also dem Stammlabel von RPWL. Und wie so oft haben sie dort mal wieder ein richtig gutes Händchen für gute, interessante und neue Musik bewiesen. Mehr Infos über die Band gibt es auf ihrer Homepage. Proggies dürfen hier bedenkenlos zugreifen.

Arena - Double Vision (VÖ:25.05.2018)
In Windeseile nach nur 3 Jahren haben meine Lieblings-Neo-Progger ‘Arena’ einen Nachfolger von ‘The Unquiet Sky’ raus gehauen. Die erste Überraschung ist schon mal, dass der Bassist (Kylan Amos) nicht schon wieder ausgetauscht wurde (das war ja im Laufe der langen Karriere von ‘Arena’ neben der Position des Sängers so etwas wie der Schleudersitz). Also kein Line-Up-Wechsel gegenüber dem Vorgänger. Ein erster Blick auf die Eck-Daten, 7 Songs, 55 Minuten, lassen auch schon mal auf ausufernde Long-Songs hoffen. Leider vergeblich, denn wenn man den letzten Song ‘The Legend Of Elijah Shade’ mit 22 1/2 Minuten abzieht, bleibt für die restlichen 6 Songs nicht mehr so viel übrig. Aber sei’s drum ... wenn es trotzdem genial ist, kann man sich bei ‘Arena’ auch mal auf 4 1/2 bis 7 Minuten pro Song freuen.
Der Einstieg mit ‘Zhivago Wolf’, gleich mal ein Short-Track mit knapp 5 Minuten, beginnt schon mal recht dramatisch mit Steichern und dann typischen Arena-Riffs, Keyboard-Läufen und den einfach zu 100% wiedererkennbaren Gesangs-Linien. Irgendwie erinnert mich das ganze an ‘The Visitor’, also der CD von ‘Arena’, die dieses Jahr immerhin 20 Jahre auf dem Buckel hat. Und lustigerweise ist auf ‘The Visitor’ ja ein Song namens ‘Double Vision’ mit drauf. Ein Schlem und so ...
Der nächste Song ‘The Mirror Lies’ besticht durch genialen Gesang, der Abwechslung zwischen traumhafter Melodie und zwischendurch eingestreuten Metal-Riffs durch Gitarrero John Mitchell, die eher an ‘Threshold’ als an Arena erinnern. Dazwischen ein Keyboard-Solo (gepaart mit dem Metal-Riff) ... richtig geil Geht ins Ohr und nicht mehr raus. Ganz sicher eines der Highlights auf der CD (und mit 7 Minuten auch eine ansprechende Länge für viele Stil- und Tonart-Wechsel). Was fehlt ist ein Gitarren-Solo.
Das folgende ‘Scars’ könnte auch ein ‘Crying For Help’ Part 23 oder so (keine Ahnung wie viele Parts jetzt schon gibt) sein, und das nicht nur wegen dem Refrain ‘Help me to find a way to talk to you’. Alleine das ‘Help me’ ist einfach so typisch ‘Crying For Help’. Richtig gut gemacht ... und endlich mal ein kleines Gitarren-Solo zwischendrin. Auch ein richtiger Ohrwurm.
Mit ‘Paradise Of Thieves’ wird es dann ein wenig bombastischer und auch vertrackter. Eher kein Song der im Hirn bleibt. Dafür fehlt die eingängige Melodie-Linie. Das ist mehr so Arena 4.0, nicht schlecht aber tatsächlich ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Das braucht ein paar Höhrdurchgänge um damit warm zu werden. Aber ist ja nicht schlimm. Eher interessant.
Bei ‘Red Eyes’ werden dann alle ‘alten’ Arena-Fans (so wie ich ... ich verfolge die Band schon seit ihrem Erstlingswerk ‘Songs From The Lion’s Cage aus dem Jahr 1995) frohlocken. Auch wenn der Song ein bisschen metallisch, hart angehaucht und moderner ist, hätte er locker auf dem Debut-Album sein können. Für mich das zweite Highlight der Scheibe. Der Refrain geht ebenfalls nicht mehr aus dem Kopf. Was fehlt ist ein Gitarren-Solo.
Mit ‘Poisoned’ kann ich jetzt am wenigsten anfangen. Akustischer, ruhiger Song. Richtig gut gesungen aber mir zu langweilig.
Tja und dann ... kommt der krönende Abschluss mit ‘The Legend Of Elijah Shade’, dem längsten Song den Arena jemals geschrieben haben. Unterteilt ist dieses Werk in Parts. Am Anfang könnte man meinen Gollum (Ihr wisst schon ... das Gerät von Herr der Ringe) hätte einen Gast-Auftritt, dann 3/4 Takt, Breaks, geile Gesangs-Linie. Fett. Das alles war Part 1 (Veritas). Part 2 (I Am Here) beginnt nur mit Keyboard / Piano und Gesang, danach setzt noch die Gitarre ein mündet in einer Gänsehaut-Melodie. So gefühlvoll hat Paul Manzi glaube ich noch nie gesungen. Und schon sind 6 1/2 Minuten vorbei wie im Flug. Part 3 (Saevi Manes) wird dann ein bisschen unrhytmischer, hektischer, chaotischer in der Instrumentierung. Nicht verwunderlich, wenn man (laut Text) Geister verbannen will. Mit Part 4 (It Lies) wird es dann wieder leichter verdaulich, in Sachen Bombast und eingängigem Refrain wird wieder einer drauf gesetzt. Und der Grundrhythmus des Songs verführt zum Mitwippen. Geil. Und 12 Minuten vorbei. Dass ‘Arena’ auch noch AOR-lastige Songs schreiben können, beweisen sie mit Part 5 (Tenebrae). Richtig rockig das Teil. Nur ein kleines Zwischenspiel ist Part 6 (Omens), zumindest wenn man den Text-Anteil betrachtet. Wann Part 7 (Redemption) genau beginnt, kann man leider nicht sagen. Auf jeden Fall ist der Instrumental-Part zwischen dem Text von ‘Omens’ und dem Beginn des Textes zu ‘Redemption’ aber sowas von genial (und auch wieder das Erstlingswerk At It’s Best) gemacht mit am Schluss einer fetten Kirchenorgel. Da darf dann auch mal Clive Nolan so richtig ran und einen raus hauen. ‘Redemption’ toppt dann alles noch einmal. Sozusagen die Kirsche auf der Sahne und endlich ... da ist es ... nach 19 1/2 Minuten ein Gitarren-Solo so wie man es von Arena kennt (leider zu kurz), der Refrain danach entschädigt aber für alles. Gänsehaut und wieder ein bißchen Anleihen an ‘The Visitor’. Dann nochmal ein Gitarren-Solo ab Minute 21 bis kurz vor Schluss. Dann noch ein bisschen Geplänkel und ein Piep-Ton ganz am Ende. Ein Meisterwerk der Song? Ich würde sagen ja. Und zwar ohne Einschränkung.
Insgesamt finde ich ‘Double Vision’ ein richtig gelungenes Album, das Arena-Fans auf jeden Fall nicht enttäuschen wird. Im Gegenteil. Neben Anleihen an alte (The Visitor) und uralte (Songs From The Lion’s Cage) Veröffentlichungen gibt es auch genügend Neues, Modernes zu entdecken. Von daher würde ich diesen Output auf jeden Fall in die Top 5 der Arena-CDs einreihen. Muss man haben.

Ayreon - Best Of Ayreon Live (VÖ:30.03.2018)
In meiner langjährigen Karriere als Musik-Konsument habe ich schon die eine oder andere Live-Veröffentlichung, sei es visuell auf Video, DVD oder BluRay oder auch ganz klassisch auf CD genossen. Einige davon waren langweilig, einige ganz gut, ein paar Wenige überragend. Bis jetzt war mein absolutes Highlight das Paket von Sigur Rós namens ‘Heima’, ein außergewöhnliches Erlebnis, das jetzt schon über 10 Jahre auf dem Buckel hat. Und nun kommt plötzlich ein weiteres, wirklich außergewöhnliches Werk meiner Lieblings-Progger ‘Ayreon’ auf den Markt, das wohl so niemand erhofft hatte, weiß man doch dass Ayreon-Mastermind Arjen Lucassen nicht gerade begeistert ist, live aufzutreten.
Die Idee, das Projekt Ayreon live auf die Bühne zu bringen, stammt wohl von Arjens Lebensgefährtin Lori Linstruth, die vorgeschlagen hatte, ein Best Of Ayreon mal live den Fans zu schenken. Zuerst wurde an eine kleine Produktion gedacht, doch nachdem innerhalb von Stunden die zwei geplanten Konzerte im 013 Poppodium in Tilburg ausverkauft waren und somit auch noch die vom Veranstalter angebotene Option eines dritten Konzertes (die Halle wurde einfach mal frei gehalten) auf dem Markt geworfen wurde, waren es am Ende innerhalb eines Tages ca. 9.000 verkaufte Tickets sowie ein Budget, das einen kleinen Bombast ermöglichte.
Erste Versuche gab es dann bei einer Try Out Show in einem kleineren Rahmen am 01. September 2017 (Ausschnitte davon gibt es auf der DVD- sowie BluRay-Version), die eigentlichen ‘großen’ Konzerte fanden dann Mitte September statt.
Alleine die Tatsache, dass Arjen Lucassen und seine Mit-Organisatoren versucht haben, die Original-Sängerinnen und Sänger zu den Konzerten aufzutreiben zeigt, dass er die Konzerte richtig ernst genommen hat und keine Kosten und Mühen gescheut wurden. Leider hat das alles nicht ganz geklappt (die Original-Interpreten sind ja über den ganzen Erdball verstreut und auch in anderen Bands involviert), aber am Ende gab es ein wahnsinniges Line-Up und auch ein paar Überraschungen.
Fangen wir mal mit den Musikern an. Zuerst zu nennen ist auf jeden Fall Keyboarder Joost Van Den Broek, der die ganze Sache auch produziert hat. Dann Ed Warby, der Dauer-Drummer bei Ayreon, Bassist Johan Van Stratum, Blas-Instrumentalist Jeroen Goossens, Gitarrist Ferry Duijsens, Lead-Gitarrist Marcel Coenen (mit einem Wahnsinns Auftritt) sowie Maaike Peterse (Cello), Rob Snijders (Percussions), Ben Mathot (Violine) und Peter Vink (Bass), der auch noch einen kurzen Auftritt hat. Und ... das ist die größte Überraschung ... Arjen himself tritt gegen Ende auch noch für ein kurzes Intermezzo (sowie einer 11-minütigen Rede, die auf der CD-Version aber nicht drauf ist) auf die Bühne und überwindet ziemlich routiniert sein Lampenfieber.
Die Crème de la Crème der SängerInnen kann sich auch sehen lassen: Mike Mills, Edward Reekers, Robert Soeterboek, Marcela Bovio, Floor Jansen, John Jaycee Cuijpers, Jonas Renske, Anneke van Giersbergen, Maggy Luyten, Hansi Kürsch, Damian Wilson, Irene Jansen, Tommy Karevik, Marco Hietala, Lisette van den Berg und Jay von Feggelen.
Geboten wird tatsächlich ein Best Of Ayreon der letzten über 20 Jahre und quer über alle Alben (sowie ein bißchen was von ‘Star One’) auf ca. 2 1/2 Stunden. Langeweile kommt hier zu keiner Sekunde auf, da nicht nur die vielen Duette und genialen Musiker überzeugen, sondern die gesamte Produktion samt Light-Show und mega Video Wand. Trotzdem möchte ich ein paar Songs unbedingt herausgreifen. Da wäre zuerst ‘Valley Of The Queens’, gesungen von Floor Jansen, Anneke van Giersbergen und Marcela Bovio. Und das in einer solchen Perfektion und einem unglaublichen Timing. Sensationell. Dann noch ‘And The Druids Turned To Stone’, (gefühlvoll kann Damian Wilson einfach am Besten), natürlich ‘Computer Eyes’ (bis heute mein Lieblings-Song von Ayreon), ‘Intergalactic Space Crusaders’ (mit einem genialen Autritt von Peter Vink und einem tollen Sangesbattle zwischen Damian Wilson und Maggy Luyten und einfach weil der Song total fetzt) sowie ‘The Castle Hall’ weil hier Arjen die Bühne betritt und ein paar fette Gitarren-Riffs beisteuert.
‘Best Of Ayreon’ kann ich uneingeschränkt empfehlen. Allerdings lohnt sich der Kauf ‘nur’ der Doppel-CD meiner Meinung nach nicht. Erstens fehlt hierauf 11 Minuten Rede von Arjen Lucassen über die ganze Vor-Geschichte der Konzerte sowie das visuelle Erlebnis, das einfach dazu gehört. Außerdem gibt es bei der Version DVD / BluRay noch ein knapp 1 1/2 stündiges Making Of mit Interviews aller teilnehmenden Musikern sowie einen kleinen Ausschnitt der Try Out Show. Und beides würde einem auf jeden Fall fehlen. Auf jeden Fall ein Pflichtkauf!

Brooks, Aaron - Homunculus (VÖ:21.09.2018)
Regelmäßige Besucher meiner Homepage werden sich bestimmt daran erinnern, dass ich hier auf meinen Seiten 2 Reviews über die Psychedelic-Rock-Band ‘Simeon Soul Charger’ aus Ohio veröffentlicht habe und davon sehr angetan war. Die Band war damals auf einen Bauernhof im tiefsten Bayern gezogen, beim RPWL-Stammlabel ‘Gentle Art Of Music’ untergekommen und neben den 2 Alben auch hunderte Konzerte gespielt. Leider hat sich die Band 2016 aufgelöst, um eigene musikalische Wege zu gehen. Und ein neuer musikalischer Weg liegt jetzt mit ‘Homunculus’ vor, denn ‘Aaron Brooks’ war der Sänger von ‘Simeon Soul Charger’. Er ist immer noch bei Gentle Art Of Music unter Vertrag, das Album wurde von Yogi Lang produziert und neben Yogi Lang (Keyboards) konnte auch noch Kalle Wallner (ebenfalls RPWL, Blind Ego) an der Gitarre und am Bass als Gast-Musiker gewonnen werden.
Wie auch schon das letzte Album ‘Harmony Square’ seiner alten Band ist auch ‘Homunculus’ ein kritisches, nachdenkliches Werk geworden, was man schon am Opener ‘Consume’ erkennen kann. Hier wird, obwohl der Song einen richtigen Groove hat, über die moralisch verkommene Konsumgesellschaft hergezogen (‘That’s freedom ... consume now’). Bei ‘Wake Up The Mountain’, einem genialen Piano-Stück mit Gänsehautgarantie geht es um den Gedanken dass man sein Leben verschwendet hat, allerdings nur die ersten 3 Minuten, denn dann wird der Song kurz richtig bombastisch und klingt sowas von nach ‘Muse’. Das hätte für mich locker noch ein bisschen so weitergehen können.
Für mich sind vor allem die ruhigen, nachdenklichen Stücke die Highlights des Albums wie z.B. ‘Nobody Knows What It’s Like To Be Someone Else’ (mit herrlich wimmernder Gitarre) oder ‘The Idiot’, es gibt aber auch richtig gute rockige Stücke wie z.B. der Schluss-Track ‘Digital’ oder auch ‘Everybody Dies’ (mit leichten Anleihen an ‘Muse’). Ein bisschen ‘REM’ darf es bei ‘Lies’ auch mal sein.
‘Homunculus’ ist auf jeden Fall ein richtig interessantes, abwechslungsreiches Album geworden, das Aaron Brooks im Vergleich zu seiner alten Band von einer ganz anderen Seite zeigt. Von einem Singer-Songwriter-Album, auch wenn man es auf den ersten Blick vermuten könnte, ist das Werk auf jeden Fall weit entfernt. Ein richtig guter Sänger ist Aaron Brooks ohne Zweifel.
Mehr Infos über ihn gibt es auf seiner Homepage.

Chapter 7 - Frozen Fields (VÖ:05.04.2018)
Chapter 7 ist eine niederländische Powerrock-Band, die schon seit 2009 besteht. Die Musik wurde inspiriert von Bands wie Alice In Chains, Black Stone Cherry, Puddle Of Mudd oder auch Stone Sour. Nun sind mir diese Namen zwar bekannt, aber außer von Alice In Chains habe ich von keiner dieser Bands etwas im CD-Regal. Der Vergleich zu Alice In Chains hinkt ein bißchen, da ‘Chapter 7’ eher gemäßigter daher kommen. Eine gewisse Nähe zu Godsmack, die ich selbst sehr verehre, möchte ich persönlich aber nicht abstreiten. Vor allem bei den Parts, bei denen Sänger Jeroen Bruers etwas härter und dreckiger zur Sache kommt. Als Beispiel möchte ich hier mal den Song ‘Down’ nennen, der sowohl vom Gesang her als auch teilweise vom Gitarren-Riffing an ‘Godsmack’ echt heran kommt. Auch das folgende ‘No One’ kommt im Refrain ein bißchen an den Stil heran, wobei Sully Erna, der Sänger von Godsmack doch noch etwas rauher klingt.
Wenn man an der CD tatsächlich was aussetzen möchte ist es lediglich die Gleichheit der Songs, die auf rund 41 Minuten eigentlich wenig Abwechslung bieten. Hier wäre etwas mehr Investition in das Song-Writing wünschenswert gewesen. Da ‘Frozen Fields’ aber erst Teil 2 einer Trilogie ist, hoffe ich mal, dass in Teil 3 noch eine Steigerung kommt. Insgesamt ist die CD aber für Fans des genannten Genres ganz sicher eine willkommene Abwechslung und Neuentdeckung, bei der man mehr als ein Ohr riskieren sollte.

Cyrcus Flyght - The Clueless Caravan (VÖ:17.05.2018)
Bereits in den 90er Jahren spielten Uwe Fleischhauer (Gitarre) und Kai-Uwe Broek (Drums) zusammen in der Progressiv-Metal-Band ‘Vigilance’, veröffentlichten 2 Alben (Behind The Mask und Secrecy) und hatten damit vor allem in Japan, USA, Kanada und Süd-Europa Erfolge. Obwohl ich vor allem in den 90ern sehr dem Prog zugetan war, ist die Band völlig an mir vorbei gegangen. Daher kann ich auch nicht sagen, was daraus geworden ist. Auf jeden Fall suchten die Zwei 2012 Musiker, die diese Musik sowie Melodic Metal ebenso mochten. Am Ende fanden sie dann noch Izzy D’Dambrosio als Sängerin, Olaf Gersch an den Tasten und Andreas Bönecke am Bass. Das Songwriting begann und 2015 / 2016 war die Band auf einigen Festivals erstmals aktiv. 2017 ging es dann ins Studio, um das Erstlingswerk ‘The Clueless Caravan’ aufzunehmen. Sie bezeichnen sich selbst als Prog-Metal-Band und nennen Yes, Eloy, ELP, Ayreon oder auch Spock’s Beard als Einflüsse.
Ich hoffe jetzt mal nicht, dass die Musik von ‘Cyrcus Flyght’ tatsächlich eine Mischung aus den genannten Bands ist, sonst befürchte ich Schlimmes. Passt ja so gar nicht zusammen. Aber die Angst ist unbegründet.
Prog-Metal? Hmm ... erst mal eher nicht, denn der Opener ‘At The End Of All Time’ hat eigentlich ziemlich wenig mit Prog zu tun. Das ist eher reinster Melodic Metal, der ... wenn man noch ein paar orchestrale Keyboard-Parts dazugemischt hätte ... auch als Symphonic Metal durchgehen würde. Ordentliche Geschwindigkeit, eingängiger Refrain. Richtig gut gemacht. Und auch die Stimme von Izzy D’Ambrosio klingt wirklich angenehm und leicht ‘dreckig’. Das zweite Stück ‘Finger On The Trigger’ geht in eine ähnliche Richtung, noch ein bißchen härtere Gitarren-Riffs und nach knapp 3 1/2 Minuten auch ein richtig gutes Gitarren-Solo. Von Prog-Metal aber eher noch keine Spur. Das wird sich jetzt aber ändern, denn mit ‘Endless Fall’ (9 Minuten) und ‘Twilight Of Sin’ (7 Minuten) folgen nun die 2 Long-Songs, die ich auch als die Highlights der CD bezeichnen möchte. ‘Endless Fall’ zuerst mit Keyboard-Teppich und eher getragenem Tempo, dann Tempwechsel, ein paar richtig gute Instrumental-Parts dazwischen, ein kleiner Ausflug Richtung Jazz (coole Gitarre), fast ein bisschen Bar-Musik und dann wieder zurück zum Ausgangs-Thema. Retro-Prog der richtig guten Sorte. ‘Twilight Of Sin’ zuerst ein bisschen orientalisch, dann richtig rockig, ein paar nette Breaks, Gitarren-Solo. Progger was willst Du mehr?
‘Walk The Thin Line’, ein Instrumental, ist dann vielleicht der rockigste Song mit richtig viel Gitarre / Keyboard (erinnert mich teilweise an Rainbow). Auch bei ‘Devil’s Daughter’ kommen mir am Anfang eher 70er Rock-Bands in den Sinn, gegen später wird das Teil aber noch richtig abwechslungsreich und spacig. Die (reguläre) CD endet dann schon mit ‘Das Erste Geschöpf’, einem 3-minütigen Instrumentalstück aus der Reihe ‘wir versuchen mal ob wir Pink Floyd-Feeling hinbekommen’. Und sie bekommen es hin. So eine Art ‘Shine On You Crazy Diamond’ - Light, also Keyboard-Teppich und jammernde Gitarre. Eine völlig andere (aber schöne) Seite von Cyrcus Flyght’.
Tja ... und dann kommen die 2 Bonus-Tracks. Auf Deutsch. Zuerst ‘Finger am Abzug’ (also ‘Finger On The Trigger’ mit deutschem Text) sowie ‘Am Ende der Zeit’ (also ‘At The End Of All Times’ ins Deutsche übersetzt). Ganz ehrlich muss ich sagen, ich bin froh, dass ‘Cyrcus Flyght’ in Englisch singen, denn die deutschen Texte, vor allem der von ‘Finger am Abzug’ sind dann doch ziemlich schwülstig und ‘betroffen’.
Als Fazit möchte ich sagen, dass die Band aus Oldenburg mit ‘The Clueless Caravan’ ein richtig gutes Erstlingswerk abgeliefert haben. Die Bezeichnung ‘Prog-Metal kann ich zwar nur bei den 2 Long-Songs bestätigen, aber der Rest zwischen Melodic Metal und Art Rock ist auch richtig gut. Unbedingt reinhören. 

Devilizer - The Obscuring (VÖ:29.06.2018)
Franken. Der Alptraum meiner Kindheit. Jedes Jahr auf dem Bauernhof der buckeligen Verwandtschaft Urlaub gemacht in einem Dorf mit 400 Einwohnern ... jeder Zweite mit dem gleichen Nachnamen. Stadt-Kinder wurden bei der Haus-Schlachtung zum Metzger geschickt um Blutwurstfarbe zu holen und kamen mit einem Sack Backsteine zurück (haha ... was für ein Humor das Volk). Und als Highlight dann das jährliche Dorf-Fest mit einer katastrophalen Musik-Combo samt Mumien-Schieben und Besäufnis bis zum bitteren Ende.
Franken. Ein Dialekt der hinter fast jedes Wort noch ein ‘la’ hängt, damit man auch wirklich nichts versteht. Da wird aus Nürnberger Bratwürste schon mal ‘Nernberchala’ gemacht und die Religion bestand darin, ob eher rohe oder gekochte Klöße mehr Soße aufnehmen.
Franken. Kann dort gute Musik her kommen? Wenn ich alle meine Vorurteile zusammenkratze, dann würde ich einfach mal sagen never ever. Doch meine Homepage hat im Laufe der ganzen Jahre, in denen ich die Sache mit den CD-Kritiken mache, ab und zu mal das Gegenteil bewiesen. Und jetzt kommt eine Freundin von mir, Anja Dressel, um die Ecke und schickt mir eine CD der Band ‘Devilizier’ mit der Bitte, ich soll sie mir doch einfach mal anhören. Die CD-Release-Party war im Rahmen des Kulmbacher Altstadtfestes (siehe oben ... da scheint sich im Laufe der Zeit echt was geändert zu haben) und diverse YouTube-Videos von Anja über diesen Auftritt können betrachtet werden.
Nun ja, so völlig ‘unbekannt’ sind ‘Devilizer’ dann doch auch nicht, denn Gitarrist Niklas Müller ist ein Gitarrenschüler von Chris Hermsdörfer (Serenity, Beyond The Black), hat auf jeden Fall den selben Frisör wie Chris und ist schon ein paar mal für ihn bei Serenity auf Konzerten eingesprungen. Wer allerdings denkt, dass ‘Devilizer’ deshalb ebenfalls in die Symphonic-Metal-Ecke gesteckt werden können, irrt sich gewaltig.
Schon der Opener ‘Breaking News Pt. 1’ geht voll auf die Zwölf, beginnt wie ein Thrash-Metal-Stück, geht dann aber eher in Richtung New-Metal im Stil von ‘Korn’ und Konsorten (mit richtig dreckigem Rap-Part).. Fetter Einstieg. Das folgende ‘Furious Hate’ möchte ich dann mal als Franken goes Metallica bezeichnen. Vor allem die Gitarren-Arbeit sowie die Melodie-Linie gehen voll in diese Richtung. ‘The Ghost I Am’ ist dann eher wieder New-Metal, wobei mich die Gesangs-Linie ein bißchen an ‘Godsmack’ oder auch ‘Avenged Sevenfold’ in härter erinnert.
Nach einem kleinen instrumentalen Zwischenstück (‘Endlessness’) mit fetter Steigerung am Ende des Songs folgt mit ‘Repentance’ ein richtig straighter Rocker sowie mit ‘Carnivore’ wieder ein Song Richtung ‘New Metal’ mit kleinen Rap-Einlagen sowie (Progger-Herz ich höre dich schlagen) ein paar richtig geniale Breaks und Tempowechsel einschließlich genialem Gitarren-Solo.
Von den restlichen 5 Songs, von denen qualitativ keiner abfällt, möchte ich noch 2 aus Progger-Sicht unbedingt herausheben. Da wäre zum Einen das 9 1/2-Minuten-Stück ‘Devil’s Dance’, das recht symphonisch beginnt (hey, vielleicht doch eine kleine Reminiszenz an die Aushilfs-Jobs bei Serenity?), danach getragen, fast düster weiter geht, plötzlich eine weibliche Stimme einsetzt (Georgina Chapple nennt sich die Dame) und dann in einem richtig melodischen Refrain mündet. Der ‘Devil’ darf im Hintergrund auch mal recht böse reingrätschen, wird aber immer wieder von der weiblichen Sirene abgewürgt. Cooles Stück Musik, das am Ende mit fettem Piano und Streichern ganz friedlich zu Ende geht und das das Prog-Metal-Herz auch höher schlagen lassen könnte. Sicher ein absolutes Highlight auf der CD.
Den zweiten Song, den ich noch extra hervorheben möchte ist der Schluss-Track ‘Breaking News Pt. 2’, mit gut 10 Minuten ebenfalls ein richtig abwechslungsreiches Teil zwischen hartem Thrash-Metal, atemberaubenden Gitarren-Parts, genialem Gesang und einem bombastisch-getragenen Ende.
Franken. Muss ich meine Meinung über diesen Landstrich ändern? Also was das rein musikalische betrifft eindeutig JA. ‘Devilizer’ liefern mit ‘The Obscuring’ eine für mich sensationell gute CD ab, die genreübergreifend eigentlich fas jeden Rock- / Metal-Liebhaber begeistern sollte. Was am Anfang wie eine wilde Mischung aus mehreren Stilen klingt, kommt richtig gut zusammen, weil einfach sowohl das Songwriting stimmt, die Musiker ausnahmslos einen perfekten Job machen und vor allem auch die CD selbst einen perfekt abgemischten Sound hat. Essentielles Werk das man unbedingt gehört haben muss. Gibt es bei Amazon und den üblichen anderen Verdächtigen. Mangels Homepage der Band dürfte aber auch eine Bestellung über den Facebook-Account von Devilizer gehen.

Dialeto - Live With David Cross (VÖ:04.06.2018)
Mit der brasilianischen Band ‘Dialeto’ und ihrem Album ‘Live With David Cross’ möchte ich Euch ein Werk vorstellen, das vor allem für Freunde von ‘King Crimson’ richtig interessant sein dürfte. Wie der Name des Albums schon verrät, gibt es hier ein Konzert mit dem Violinisten David Cross, der ja vor allem von ‘King Crimson’ bekannt sein dürfte. Und die Titelauswahl von diesem Konzert, aufgenommen im Jahr 2017 in Sao Paulo, ist auch für Liebhaber des Genres wohl einzigartig. Denn neben 8 Stücken von ‘Bartok in Rock’, dem letzten Studio-Album von ‘Dialeto’, auf dem Werke des Komponisten Bela Bartok’ in ein rockiges Gewand gesteckt wurden, gibt es noch einen Track von der David Cross Band (‘Tonk’) sowie mit ‘Exiles’, ‘The Talking Drum’, ‘Larks Tongues in Aspic Part 2’ sowie ‘Starless’ vier absolute King-Crimson-Klassiker auf die Ohren.
Die Band, bestehend aus Nelson Coelho (Gitarre, Mellotron), Gabriel Costa (Bass, Vocals), Fred Barley (Drums, Vocals) und eben David Cross (Violine), sprüht nur so vor Spielfreude und ich möchte einfach mal behaupten, dass hier ein Konzert für die Ewigkeit abgeliefert wurde. Die Bartok-Stücke sind sensationell gut umgesetzt und jeder Musiker erhält genügend Raum um seine Fähigkeiten zu zeigen. Und einige Parts dürften auch Nicht-Bartok-Kenner doch sehr bekannt vorkommen (ich nenne hier nur mal die Roumanian Folk Dances, bei uns bekannt unter dem Namen ‘Rumänische Volkstänze’). Dass es manchmal ein bisschen in Richtung Jazz abdriftet, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Dies ist aber nicht ganz überraschend, sind Dialeto bei Moonjune Records, dem Jazz-Label aus New York, unter Vertrag.
Die wahren Highlights sind aber tatsächlich die 4 Stücke von ‘King Crimson’, die einfach in brillanter Weise dargeboten werden. Und hier möchte ich vor allem ‘Exiles’ und noch mehr ‘Starless’ herausheben.
‘Live With David Cross’ kann ich nur jedem Musikliebhaber ans Herz legen. Auch wenn ich mit Ausflügen in den Jazz normalerweise nicht viel anfangen kann, bin ich hier wirklich von jedem Track mehr als begeistert. Und Freunde von ‘King Crimson’ können sowieso nicht anders als dieses Werk zu kaufen. Ihr werdet Tränen in die Augen bekommen. Auf YouTube könnt Ihr auch mal suchen. Da gibt es ‘Starless’ sowie ‘The Talking Drum / Larks’ Tongues ...) zum anhören. Und wer mehr Infos über die Band möchte, kann auf der Band-Homepage vorbei schauen.

Fates Warning - Live Over Europe (VÖ:29.06.2018)
Nach ‘Still Life’, immerhin schon 20 Jahre auf dem Buckel, gibt es jetzt mit ‘Live Over Europe’ eine weitere Live-Doppel-CD der Prog-Metaller, die, wenn man sich auf die teilweise doch recht komplizierte Musik einlässt, als Meilenstein der Band betrachtet werden könnte. Fast 138 Minuten Best Of ... der Band auf 23 Songs und viele Alben der jetzt 34-jährigen Karriere werden berücksichtigt. Die 3 Erstlingswerke wurden ausgelassen (das waren auch noch eher reine Metal-Albumen und hatten mit dem folgenden Stil nicht viel Gemeinsam), aber ab ‘No Exit’ aus dem Jahr 1988 bis heute (dem letzten Studio-Output ‘Theories Of Flight aus dem Jahr 2016) ist so ziemlich alles vertreten, was Fates Warning so genial machen. Mich persönlich freut es, dass es einige Songs der 2000er CD ‘Disconnected’ auf dieses Album geschafft haben. Für mich immer noch die beste Studio-Veröffentlichung von Fates Warning. Auch die aktuelle Besetzung mit Ray Alder (Vocals ... einfach ein genialer Mann), Jim Matheos (Gitarre ... ein Gott), Joey Vera (Bass), Bobby Jarzombek (Drums) und Michael Abdow als zweiter Gitarrist möchte ich als gesucht und (wieder)gefunden bezeichnen. Wenn man bei so komplizierter Musik so perfekt zusammen harmoniert (das schaffen vielleicht noch Dream Theater), dann kann man nur erahnen, was das alles für Ausnahmekünstler sind. Die CD muss man unbedingt haben, für mich irgendwie auch ein Meilenstein in der Live-Produktion im Prog-Metal-Bereich.

Fields Of Troy - The Great Perseverance (VÖ:30.03.2018)
Dass in Belgien eine richtige Metal-Szene besteht, war mir bisher nicht bewusst. Soweit ich das überblicken kann, sind auf meiner Homepage da eher Veröffentlichungen in Richtung Symphonic Metal oder auch ein paar Sachen von Moonjune, also die Jazz-Prog-Richtung vertreten.
Mit ‘Fields Of Troy’ kommt jetzt aber eine glasklare Metal-Band dazu, die bereits seit 2010 besteht, im Jahr 2016 eine erste EP herausgebracht hat und nun mit ‘The Great Perseverance’ das erste Album in voller Länge auf den Markt wirft.
Stilistisch gehen ‘Fields Of Troy’ ein bißchen in die New-Metal oder Metalcore - Richtung. Da darf zwischendurch auch mal ganz böse gesungen werden. Auch die Melodie-Linien erinnern stark an die Genre-Größen wie ‘Godsmack’ oder auch ein bisschen an ‘In Flames’ ohne Growls. Eine Quoten-Ballade ist mit ‘Last Words’ auch vertreten und überrascht mich dann doch etwas. Richtig schön, gefühlvoll gesungen aber trotzdem mit ein bisschen Bombast.
Für Prog-Freunde ist ‘The Great Perseverance’ jetzt nicht wirklich interessant, für Liebhaber der etwas härteren Gangart, vor allem solchen die dem New-Metal oder auch Metalcore zugetan sind, dürften ‘Fields Of Troy’ eine tolle Neuentdeckung sein.

Frequency Drift - Letters To Maro (VÖ:13.04.2018)
Die Band aus Bayreuth überrascht mich mit jeder Veröffentlichung aufs Neue, aber auf eines kann man sich auf jeden Fall verlassen. Neue CD, neue Sängerin. Wurde der letzte Output ‘Last’ aus dem Jahr 2016 noch mit Melanie Mau eingesungen, gibt es jetzt mit Irina Alexa einen Neuzugang am Mikrophon und auch mal wieder einen kleinen Stilwechsel. War ‘Last’ noch für Band-Verhältnisse sehr gitarrenlastig, ist ‘Letters To Maro’ eher das Gegenteil. Mit ‘Cinematic Prog’ kann man die Musik von ‘Frequency Drift’ eindeutig noch immer bezeichnen, so vielschichtig wie auch der neue Output ist. Überraschend ist eher, dass nun mehr Keyboard, Elektro-Harfe, Mandoline und auch Mellotron im Vordergrund stehen. Außerdem sind die Melodie-Linien viel eingängiger (und auch ruhiger) als auf den Vorgänger-CDs. Was die Musik sicher nicht schlechter macht. Allerdings muss man sich an diese Neuausrichtung, wenn man die Band kennt, doch erst ein bißchen gewöhnen. Hierzu braucht es einige Durchläufe (was ‘Letters To Maro’ eher spannend macht). Gänsehaut gibt es bei mir voll allem bei den Parts mit mehrstimmigem Gesang (wie z.B. bei ‘Electricity’), Progger werden ihre Freude an Songs wie ‘Neon’ haben, wo Bombast auf Gefühl, Flöte auf Piano trifft und es eine unglaubliche Steigerung innerhalb des Tracks gibt. Es sind aber auch Stücke enthalten, die mich (wie schon auf der Vorgänger-CD) ein bißchen an Poor Genetic Material erinnern (‘Deprivation’), auch wenn die passende Gitarre dazu fehlt. Am Interessantesten ist auf jeden Fall das über 9 Minuten lange ‘Who’s Master’, auch hier mit einer unglaublichen Steigerung während des Songs. Und richtig cineastisch (mit entsprechendem Kopfkino) wird es dann beim instrumentalen Abschluss-Track ‘Ghosts When It Rains’. Ziemlich genial.
Wer auf ruhigen, interessanten Prog steht, sollte ‘Letters To Maro’ auf jeden Fall haben. Hier gibt es auch nach dem 5. Hördurchgang noch etwas zu entdecken und die Scheibe wird zu keiner Sekunde langweilig. Und mal sehen wer auf der nächsten CD singen wird.
Veröffentlicht wurde die CD wieder auf dem RPWL-Stamm-Label ‘Gentle Art Of Music’, mehr Infos über die Band gibt es auf ihrer Homepage, diverse Videos findet man auf YouTube. Einfach mal ein bißchen suchen.

Kamelot - The Shadow Theory (VÖ:06.04.2018)
Es gibt Bands, die fand ich mal richtig gut aber werden mit der Zeit einfach langweilig (wenn auch auf hohem Niveau), weil es einfach immer das Gleiche ist. Und genau so geht es mir in den letzten Jahren bei Kamelot. Jede CD klingt irgendwie identisch, keine Weiterentwicklung, die selben Akkorde, die selben Melodie-Linien, die selben Song-Wendungen. Wenn Vorhersehbar beschrieben werden sollte, dann trifft es auf Kamelot einfach zu. Interessant ist eigentlich nur immer noch, welche Gast-Auftritte es gibt. Waren es auf dem letzten Output (Haven) noch so Sanges-Größen wie Alissa White-Gluz (Arch Enemy) und Charlotte Wessels (Delain), musste es dieses Mal wohl eine Low-Budget-Produktion werden, was den Bekanntheitsgrad der Sängerinnen angeht. So darf eine gewisse Lauren Hart (von der Melodic Death Metal Band ‘Once Human’) auf 2 Songs mitmachen und Jennifer Haben (von der Symphonic Metal Casting Band ‘Beyond The Black’ ... das ist die, die ihre komplette Band rausgeschmissen hat, weil die Musiker etwas mitreden wollten und sich kurz mal ein paar neue Jungs eingekauft hat) darf auf einem Song ein bisschen mitsingen. Alles also etwas sparsam.
Ein paar Tracks sind, auch wenn sie wie gesagt ähnlich zu vielen anderen Songs der Band sind, trotz allem ganz gut geworden. ‘Phantom Divine’ als Opener (nach dem Intro), ‘Burns To Embrace’, ‘In Twilight Hours’ (mit der genannten Jennifer Haben) als obligatorische Ballade und vielleicht noch ‘The Proud And The Broken’. Das war’s dann aber auch schon. Kamelot-Fans können natürlich bedenkenlos zurgreifen.

Kobra And The Lotus - Prevail II (VÖ:27.04.2018)
Die kanadische Band ‘Kobra And The Lotus’ um die sympathische Sängerin Kobra Paige habe ich Ende 2016 im Vorprogramm von Evergrey und Delain entdeckt. Leider hat die Band nur eine halbe Stunde gespielt und der Sound war nicht gerade berauschend. Trotzdem fand ich, dass ‘Kobra And The Lotus’ richtig Stimmung gemacht haben und ihr straighter Rock / Metal machte auf jeden Fall Lust auf mehr. ‘Prevail’ wurde eigentlich als Doppel-CD konzipiert, dann aber doch einzeln auf den Markt geworfen. Prevail I Anfang letztes Jahr und nun eben Pevail II. Die erste Scheibe ging irgendwie an mir vorbei, deshalb kann ich dazu nichts sagen. Im Netz habe ich aber gelesen, dass beide Scheiben wohl ähnlich sind.
Soundtechnisch ist ‘Prevail II’ auf jeden Fall im oberen Bereich der Skala anzusiedeln. Die Songs sind durchweg sehr moderner Metal und kommen ohne viel Schnickschnack schnell auf den Punkt. Und alles überragend ist natürlich die Stimme von Kobra Paige, die im Rock / Metal-Bereich ebenfalls ganz weit oben ist. Selten so eine gute weibliche Stimme in diesem Genre gehört. Jeder Ton passt ohne einmal ins Geschrei abzudriften. Richtig coole Scheibe mit fetten Gitarren-Riffs, ordentlicher Geschwindigkeit aber auch ein paar Gänsehaut-Momenten. Highlights der CD sind auf jeden Fall der Opener ‘Losing My Humanity’, das eher im Mid-Tempo angesiedelte ‘Let Me Love You’ (mit einem genialen Refrain), ‘Heartache’ (nein, mitnichten eine Ballade sondern ein cooler Melodic-Metal-Track), ‘Modern Day Hero’ (richtiger Ohrwurm), das 6-minütige ‘White Water’ (sehr abwechslungsreich) sowie das Fleetwood Mac - Cover ‘The Chain’ in einer sehr eigenwilligen Version. Zum Abschluss gibt es dann noch als Bonus-Track ‘Let Me Love You’ in einer akustischen Version (mit Gänsehaut-Garantie). Unbedingt antesten!

Maiden United - Empire Of The Clouds (VÖ:08.06.2018)
Im Jahr 2006 fragte der niederländische Iron Maiden - Fanclub Joey Bruers (Bassist von ‘Up The Irons’) ob er nicht Lust hätte, mit ein paar anderen Musikern mal eine akustische Show mit Songs von Iron Maiden zu machen. Die Idee war geboren, das Projekt wurde gestartet, es gab diverse Live-Shows in Europa, 3 Alben (Mind The Acoustic Pieces 2010 - siehe auch meine Review -, Across The Seventh Sea 2012 und Remembrance 2015) sowie eine Schar an namhaften Musikern, die dem Projekt ihren Glanz gegeben haben. Nur um ein paar wenige Namen zu nennen: Als Sänger/innen wurden z.B. Damian Wilson (Ex-Threshold), Wudstik (Ayreon), Anneke Van Giersbergen (The Gathering, Ayreon, Vuur), Marcela Bovio (Stream Of Passion, Ayreon), Paul Di’Anno (Iron Maiden), Blaze Bayley (Iron Maiden), Doogie White (u.a. Rainbow) oder auch Ralf Scheepersf (Primal Fear) verpflichtet, als Musiker unter anderem Ruud Jolie (Within Temptation), Dirk Bruinenberg (Elegy) oder auch Mike Coolen (Within Temptation).
Ich selbst hatte auch das Vergnügen, Maiden United im Januar 2018 in Bad Homburg live zu erleben. Unglaublich beeindruckend.
Und nun gibt es ein weiteres Meisterwerk in Form einer Doppel-EP, auf der das 18-minütige Meisterwerk ‘Empire Of The Clouds’, geschrieben von Bruce Dickinson und veröffentlich auf der Maiden-CD ‘Book Of Souls’, in einer unglaublich guten, 4-teiligen und 23-minütigen akustischen Version dargeboten wird. Erzählt wird die Geschichte des Britischen Luftschiffs R101, das auf seinem Jungfernflug über Frankreich im Jahr 1930 abgestürzt ist.
Besonders gut finde ich den Einbau eines Erzählers in Form von Edward Reekers (Kayak), der einem die Geschichte etwas näher bringt. Alles überragend ist, neben der detailverliebten musikalischen Umsetzung vor allem Wudstik als Sänger. Das gibt mehr als ein Mal Gänsehautmomente. Auch die Verpflichtung von Perttu Kivilaakso (Apokalyptika) am Cello gibt dem Song eine unheimliche Tiefe. Neben den drei genannten Mitwirkenden sowie natürlich Joey Bruers am Bass dürfen Ruud Jolie (Gitarre), Mike Coolen (Drums), Ruud van Loon (Piano) und Thijs Schrijnemakers (Hammond) in beeindruckender Weise zeigen, welch geniale Musiker sie sind.
‘Empire Of The Clouds’ ist ohne Zweifel ein Meilenstein im Bereich der Cover-Versionen, die in keiner CD-Sammlung fehlen darf.
Als Bonus gibt es dann noch eine zweite CD, auf der das Ganze in einer etwas kürzeren Live-Version, aufgenommen im Januar 2018 in Amsterdam, sowie der Song ‘Killer’ verewigt wurden.
Unbedingt vormerken solltet Ihr Euch die offizielle Release-Show am 15. September 2018 in Giessen, die von meinem alten Kumpel aus Fish-Zeiten Michael Rehwald und seinem Konzertbüro veranstaltet wird. Muss man unbedingt gesehen haben und natürlich die CD kaufen. Einfach genial.

Moore, Pamela - Behind The Veil (VÖ:01.05.2018)
Pamela Moore wurde in Prog-Kreisen bekannt, weil sie 1988 auf dem Hammer-Album ‘Operation:Mindcrime’ von ‘Queensryche’ den Part von Sister Mary übernommen hatte. Und auch auf dem 2006 veröffentlichten ‘Operation:Mindcrime II’ durfte sie diesen Part übernehmen.
Eigentlich ist Pamela Moore aber nicht dem Prog-Genre zuzuordnen, denn sie geht in ihrer Solo-Karriere den straighten und rockigen Weg. Ebenfalls im Jahr 2006 wurde das mir bekannte Album ‘Stories From A Blue Room’ veröffentlicht (siehe meine Review) und im Jahr 2013 folgte ein weiteres Album (Resurrect Me), das ich leider nicht kenne. Dort gab es dann Gast-Auftritte von Ralf Scheepers (Primal Fear) und Jeff Loomis (Nevermore).
Und jetzt gibt es mit ‘Behind The Veil’ einen weiteren Output, den ich Euch ans Herz legen möchte. Auch dieses Album ist richtig rockig geworden und begeistert mich von vorne bis hinten. Schon der Opener ‘Rise’, eines der Highlights’ überzeugt durch fettes Gitarren-Riffing, genialem Gesang und einer Melodie-Linie, die einem nicht aus dem Kopf geht. Ein bisschen komplizierter und tragender folgt dann ‘Sickness’ (im Duett mit einer männlichen Stimme), von dem es auf YouTube auch ein Lyric-Video gibt. Auch hier wieder fette Gitarren-Arbeit, die in einem richtig guten Solo mündet. Richtig düster wird es dann bei ‘Beneath The Voodoo Marsh’, das vielleicht noch am ehesten auch an ‘Queensryche’ erinnern könnte. Mit knapp 7 Minuten auch das längste Stück auf dem Album. ‘My Eternal’ beginnt als Ballade, steigert sich dann aber recht schnell zu einem richtigen Rocker (und wieder mit einem geilen Gitarren-Solo). Eine weitere Video-Auskopplung ist ‘WI FI Zombies’, die auf YouTube betrachtet werden kann. Sicher auch eines der Highlights auf ‘Behind The Veil’. Auch ‘These Scars’ gibt es als Lyric-Video auf YouTube und ist vielleicht das erdigste Stück auf dem Album. Pamela Moore kann aber auch ruhig und akustisch mit ‘Just Breathe’. Schöne Ballade. Für mich der absolute Parade-Song ist der Schluss-Track ‘Run’. Selten so ein geniales Werk an Rock-Song gehört. Im Mid-Tempo angesiedelt zeigt Pamela Moore vor allem bei diesem Track, was für eine geniale Stimme sie hat. Das ist Gänsehaut pur und für mich einer der Songs des Jahres 2018.
Leider ist es etwas schwierig, an das Album heran zu kommen. Bei Amazon in Deutschland gibt es das Teil leider nur als Download und auf meine Nachfrage habe ich die Info erhalten, dass das Album in Europa in physischer Form nicht zu erhalten ist. Wer die CD trotzdem in seinen Händen halten möchte, kann sie natürlich direkt auf der Homepage von Pamela Moore für 15 $ bestellen. Es lohnt sich auf jeden Fall.

Mother Bass - Mother Bass (VÖ:15.04.2018)
Schlagzeuger Roy Veltien (von der Band Full Nelson), Rock Tenor Daan Dekker (Armed Cloud) und Bassist Roel van Erp (Ernest van Aaken Band) tummelten sich jahrelang in der niederländischen Live-Szene bis eines Tages der Gitarrist und Song-Writer Friso Woudstra aufgetaucht ist ... eine neue Band namens ‘Mother Bass’ war geboren.
Angesiedelt im eher bluesig angehauchten Hard Rock und mit einigen Reminiszenzen an (in Teilen) Led Zeppelin, Soundgarden oder um eine ‘moderne’ Band zu nennen auch Wolfmother, liefern die Jungs mit dem selbstbetitelten Album auf knapp 40 Minuten ein richtig interessantes Werk ab, das Liebhaber dieses Genres auf jeden Fall gefallen dürfte. Vor allem Sänger Daan Dekker hat in manchen Parts richtig viel von Robert Plant gelernt (z.B. am Schluss von ‘Silver Spoon’, das auf YouTube auch als Video veröffentlicht wurde. Gerade dieser Song zeigt eigentlich alle Trademarks der Band. Dass es auch flotter, ja fast rockig geht, merkt man beim Song ‘Wolfman’. Dort darf Gitarrist Friso Woudstra auch zwischendurch mal zeigen, was er an den Saiten kann. Richtig in Richtung Blues geht es aber ab und zu auch (‘Strangers Once’). Das ist schon richtig cool gemacht. Und noch zu erwähnen wäre auf jeden Fall der Schluss-Track ‘Eventide’, mit gut 6 Minuten auch das längste Stück auf dem Album, das ziemlich viel Abwechslung bietet.
‘Mother Bass’ ist auf jeden Fall interessant für Fans der oben genannten Bands, wobei sie sich eine gewisse Eigenständigkeit bewahren und nicht nur als billige Kopie rüber kommen. Sollte man unbedingt mal reinhören, wenn man auf bluesig angehauchten Rock steht.

Phantom Elite - Wasteland (VÖ:15.04.2018)
Die Band ‘Phantom Elite’ wurde Anfang 2016 eigentlich durch den niederländischen Gitarristen Sander Gommans und der brasilianischen Sängerin Marina La Torraca gegründet. Sander Gommans dürften einigen meiner Leser noch durch seine Zeit bei ‘After Forever’ bekannt sein, die vor allem in den frühen 2000er Jahren zusammen mit der Sängerin Floor Jansen, die ja jetzt den Aufstieg zu ‘Nightwish’ gemacht hat, einige richtig gute, düster angehauchte Symphonic-Metal-Alben herausgebracht haben. Leider hat sich die Band im Jahr 2009 aufgelöst. Marina La Torraca kennt man vor allem von ‘Exit Eden’, einem Zusammenschluss von 4 genialen Sängerinnen (neben Marina noch die wundervolle Clémentine Delauney, Amanda Somerville sowie Anna Brunner), die alte Pop- und Rockhymnen in ein metallisches Kleid gepackt haben => siehe meine Review, sowie von Live-Auftritten mit Avantasia.
Bereits noch im Jahr 2016 wurden 2 Videos (von ‘Siren’s Call’ und ‘Wasteland’) auf YouTube veröffentlicht und tausende Male geklickt, bevor überhaupt eine Live-Show die Band bekannt gemacht hatte. Erster Live-Auftritt war dann beim Femme Festival im September 2017, wo sie den Opener für ‘Delain’ machen durften. Danach folgte die erste Tour durch 5 Länder.
Und jetzt endlich, nach gut 2 Jahren ‘Vorarbeit’, folgt endlich das Debut-Album namens ‘Wasteland’.
Wer jetzt allerdings denkt, ‘Phantom Elite’ tümmeln sich zu 100% im Haifisch-Becken des ‘Female fronted Symphonic Metal’, hat sich ziemlich getäuscht, denn die Band geht, und das finde ich äußerst angenehm, in vielen Teilen einen ganz anderen Weg und hat auch viele progressive Einflüsse zu bieten. Somit unterscheiden sich ‘Phantom Elite’ von den üblichen Verdächtigen des Symphonic Metal und bewahren sich eine gewissen Eigenständigkeit. Grundsätzlich fehlen in weiten Teilen der orchestrale Keyboard--Bombast, der in dem genannten Genre unverzichtbar scheint.
Schon der Opener ‘Siren’s Call’ knallt so richtig ins Ohr mit ordentlicher Geschwindigkeit und 70er Hammond-Orgel Touch im Hintergrund. Fette Gitarren-Riffs prägen den Song sowie ein richtig eingängiger Refrain und ein fettes Gitarren-Solo.. Und der Gesang von Marina La Torraca ist wirklich angenehm aber trotzdem leicht dreckig angehaucht. Wenn man bedenkt dass Marina soweit ich weiß aus dem Musical-Genre stammt, hat sie für eine Rock-Band eine fast perfekte Stimmlage.
Richtig proggig-metallisch wird es bei ‘Rise With The Dawn’, bei dem ein paar richtig geniale Tempowechsel eingebaut wurden und sich fetter Metal mit ruhigeren Passagen abwechseln. Und wieder ein richtig genialer Refrain der nicht mehr aus dem Kopf geht.
Nach ‘Another Day’, das auch richtig rockig und leicht proggig ist, folgt für mich mit dem Titelstück ein absolutes Highlight. ‘Wasteland’ beginnt mit einem Rainbow-Riff, erinnert mich dann an eine Melodie-Linie der Italiener ‘Sleeping Romance’ und mündet (mal wieder) in einem genialen Refrain. Gitarren-Solo, richtig präsentes Keyboard, ein bißchen Heavy Metal, Tempo-Wechsel, akustischer Part mit Gesang, Piano, Streicher, Gänsehaut-Refrain in langsamer. Okay ... dieser Song geht bei mir als Symphonic Metal durch.
Auch die Chöre am Anfang und während des Songs von ‘Revelation’ gepaart mit Double-Bass-Drum sind eher Trademarks des Symphonic Metal. Der Song geht auch richtig treibend nach vorne, dazwischen wieder ein akustischer Part und ein bißchen Bombast. Danach Riff-Gewitter. Richtig cooler Song.
Danach gibt es einen Moment zum Verschnaufen, denn mit ‘Astray’ folgt die erste Ballade. Richtig genial gesungen und begleitet von akustischer Gitarre und waberndem Keyboard-Teppich. Und schon wieder ein Gänse-Haut-Refrain. Gerade bei diesem Song kann Marina La Torraca ihren großen Stimmumfang beweisen und zeigt, dass sie eine große Sängerin ist.
Ein bisschen in Richtung ‘Evanesence’ geht dann ‘Every Man For Himself’, gefolgt von ‘Spectrum Of Fear’, das auch ein paar proggige Elemente beinhaltet.
Richtig flott zur Sache geht es dann mit ‘With The Gods’ weiter (hier mal mit einem kleinen Keyboard-Solo zwischendurch gepaart mit einem fetten Gitarren-Solo), gefolgt von dem eher getragen im Mid-Tempo angesiedelten ‘Above The Crowd’, das auch eher dem Symphonic-Metal zugeordnet werden kann.
Zum Abschluss der regulären CD gibt es dann noch einen reinen Symphonic-Metal-Kracher namens ‘Lockdown’ der sowohl von der Geschwindigkeit her als auch wegen der Instrumentierung auch Genren-Größen gut zu Gesicht stehen würde. Für mich ein weiteres richtiges Highlight des Albums.
Eine weitere Ballade (‘Serenade Of The Netherworld’) gibt es dann noch als Bonus-Track. Wunderschön, episch, gefühlvoll, genial, Gänsehaut-Garantie.
Ich möchte noch erwähnen, dass Gründungsmitglied Sander Gommans nur noch im Hintergrund der Band wirkt und lediglich auf 4 Songs den Bass bedient und auf 3 Songs ein paar Gitarren-Parts eingespielt hat. Ansonsten war er an den Aufnahmen und am Mixing beteiligt.
Wer die Band in nächster Zeit live erleben will, sollte sich die Tour von Kamelot im Herbst 2018 nicht entgehen lassen. Nach meinem Wissen sind ‘Phantom Elite’ bei diversen Konzerten (z.B. bei dem in München Ende September 2018) als Opener gebucht.
Für mich sind ‘Phantom Elite’ eine wundervolle Neu-Entdeckung im (Symphonic-) Metal-Bereich, die vor allem auch durch ihre Eigenständigkeit sowie den zwischendurch recht proggigen Parts sich vom Einheitsbrei abheben. Daneben glänzt dann auch noch Sängerin Marina La Torraca durch eine hervorragende Stimme. ‘Wasteland’ dürfte somit in keinem gut sortierten CD-Regal fehlen. Diverse Videos, z.B. vom Titelstück gibt es auf YouTube.

Phi - Cycles (VÖ:29.03.2018)
Es ist echt immer wieder erstaunlich, was für gute Bands beim RPWL-Label Gentle Art Of Music unter Vertrag gebracht werden. Ein richtiges Highlight, wenn man auf ausufernden Prog-Metal steht, ist auf jeden Fall die Wiener Band ‘Phi’ um den Band-Leader, Gitarristen und Sänger Markus Bratusa. ‘Cycles’ ist nach dem Live-Album ‘Waves Over Vienna’ und dem letzten Studio-Output ‘Now The Waves Of Sound Remain’ aus dem Jahr 2014 die bereits dritte Veröffentlichung unter GAOM und die insgesamt siebte CD in 10 Jahren Band-Geschichte.
Warum die Band an mir bis jetzt komplett vorbei gegangen ist, kann ich eigentlich gar nicht sagen. Schade ist es auf jeden Fall. 6 Songs, alle zwischen knapp 7 und 9 Minuten müssten das Progger-Herz eigentlich höher schlagen lassen. Und genau so kommt es auch. Prog-Metal steht eindeutig im Vordergrund, wobei auch Anleihen an Art-Rock sowie Alternative Rock mit einem Hang zu fettem Metal zu erkennen sind. Selbst die Nähe zu den Ober-Meistern des Genres (Dream Theater) sind nicht zu verheimlichen, wenn man sich z.B. den Song ‘In The Name Of Freedom’ anhört. Zum Glück nicht mit ausufernden Frickel-Orgien, dafür mit einem eindeutig besseren Sänger und einem Part, der mich ein bisschen auch an Fates Warning aus der ‘Disconnected’ Zeit erinnert. Und dann noch das Gitarren-Solo am Ende des Tracks. Unglaublich cooler Song, der für mich das Highlight der CD darstellt. Alleine hierfür lohnt sich der Kauf. Weiteres Highlight für mich der Schluss-Track ‘Blackened Rivers’ mit einer unglaublichen Steigerung innerhalb des Songs.
Freunde des Prog-Metal sollten sich ‘Cycles’ unbedingt zulegen. Gehört für mich in das oberste Viertel der Genre-Skala. Mehr Infos gibt es auf der Band-Homepage.

Project Patchwork - ReFlection (VÖ:16.03.2018)
‘Project Patchwork’ ist ein Studio-Projekt der zwei deutschen Musikern Gerd Albers und Peter Koll. ‘ReFlection’ ist das bereits zweite Album dieses Zusammenschlusses, denn bereits vor 3 Jahren wurde ‘Tales From A Hidden Dream’ veröffentlicht. Leider ging dieses Werk komplett an mir vorbei. Das ist um so ärgerlicher, weil ich von ‘ReFlection’ so richtig angetan bin.
Wie es sich für eine Patchwork (Familie) gehört, wurden von den Herren Albers und Koll nicht weniger als 21 ‘Kinder’ (Gast-Musiker) adoptiert, um dieses Epos auf die Welt zu bringen (ich hoffe ich habe mich jetzt nicht verzählt). Zwar übernimmt Gerd Albers viele Instrumente selbst (Gitarren, Drums) und steuert auch diverse Backing Vocals bei (Peter Koll scheint nur für die Aufnahmen und das Vorab-Mixing verantwortlich gewesen zu sein), aber die Liste der Gast-Auftritte ist doch sehr namhaft.
Um mal einige (mir bekannte) ‘Kinder’ dieser Patchwork-Familie zu nennen:
Da wäre mal die halbe Band ‘Toxic Smile’ (siehe meine Reviews) mit dem begnadeten Marek Arnold (Keyboard, diverse Blasinstrumente und auch für den Mix verantwortlich) und dem genialen Sänger Larry B. (Brödel). Dann Martin Schnella (Gitarre, Gesang) von der Band ‘Flaming Row’ und ‘Seven Steps To The Green Door’ und Melanie Mau (Gesang), die schon viel mit Martin Schnella gemacht hat. Dann noch Markus Steffen (Gitarre), bekannt von ‘Sieges Even’ und ‘Subsignal’ sowie John Mitchell (Gitarre), den man ja vor allem von ‘Arena’ kennt.
Musikalisch geht es auf eine Reise des Progs der 70er bis 90er gepaart mit vielen Einflüssen des Folk, zwischendurch auch ein paar härtere Parts mit fetter Gitarre. Also genau so wie es sich für eine richtige Patchwork-Familie gehört. Hier auf jeden einzelne Song einzugehen würde diese Review echt sprengen, sind doch wirklich zu viele Einflüsse / Stile in ‘ReFlection’ vereint. Eines kann ich nur sagen. Wer nur halbwegs auf abwechslungsreichen Prog steht, der meist im eher ruhigen Fahrwasser schwimmt aber ab und zu auch eine gewisse Härte aufweist, kann mit ‘Project Patchwork’ wirklich nichts falsch machen. Songs wie ‘Struggle And Agony’ mit wirklich allen Facetten des Prog, ‘Fear Of Loss’ mit einem Saxophon-Solo (ich denke von Marek Arnold), das auch auf der ‘Wish You Were Here’ von Pink Floyd hätte drauf sein können, ‘A Winter’s Tale’, einem richtig genialen, folkig angehauchten Song mit Melanie Mau als Sängerin oder auch ‘Yearning For Confraternity’ (die Gitarre ist eindeutig Markus Steffen ... das ist so Subsignal) mit einem genialen Gesang von Larry B. (denke ich doch) sind einfach für das Progger-Herz gemacht. Und die wirklich saubere Produktion von Marek Arnold tut dann noch ein Übriges. Und ... was den Progger natürlich noch mehr freut ... fast alle Songs haben eine Länge von 7 bis fast 10 Minuten. Da weiß man dann auch dass es zu keiner Sekunde langweilig wird.
Richtig gutes Album, das ich jedem Prog-Fan nur ans Herz legen kann. Mehr Infos gibt es auf der Homepage des Projekts.

Pinski - Sound The Alarm (VÖ:29.04.2018)
Wer mich und meine Homepage kennt weiß, dass ich unter Anderem von dem Freisinger Label Gentle Art Of Music begeistert bin, das neben sich selbst sozusagen (RPWL, Blind Ego ...) auch andere geniale Prog-Bands (Dante, Subsignal, Phi ...) sowie etwas außergewöhnliche Sachen (Schizofrantik, Panzerballett) unter Vertrag haben. Daher verfolge ich das Label sehr intensiv und bin immer wieder erfreut, wenn neue Acts unter die Fittiche genommen werden. ‘Pinski’ ist einer davon. Alleine vom Cover des Erstlingswerks ‘Sound The Alarm’ könnte man zuerst befürchten, jetzt driften sie in die Rubrik Singer / Songwriter oder noch schlimmer Betroffenheits-Schlager ab. Nettes Mädel mit Akustik-Gitarre. Aber (zum Glück) weit gefehlt, denn Insa Reichwein aka. Pinski liefert mit ihren Mitstreitern Ian Alexander Griffiths (E-Gitarre, Backing Vocals), Christopher Streidt (Bass, Backing Vocals) und Stephan Schöpe (Drums) ein richtig straightes und dreckiges Rock-Album ab, das, vor allem wegen der Stimmfarbe von Insa Reichwein ein bisschen an ‘Skunk Anansie’ erinnert. Neben richtigen Rock-Granaten wie den Opener ‘Ugly Side’, das folgende Titelstück, ‘Fire’ oder auch ‘III’ (das tatsächlich richtig an Skunk Anansie heran kommt) gibt es aber auch etwas poppigere Sachen (‘Butterflies’), eine Power-Ballade (‘Stay Alive’), ein über 7 1/2 minütiges Stück das fast schon in Richtung Prog geht (‘Red Sun’) sowie einen Song, der von der Struktur her auf eine geniale Scheibe von ‘Porcupine Tree’ gepasst hätte (‘Society’). Am Ende gibt es dann noch ein (fast) akustisches Stück (‘Light Calling’), das einen richtig schönen Abschluss bildet.
Auch wenn ‘Pinski’ vielleicht nicht so recht in das Portfolio von Gentle Art Of Music passen, finde ich die vorliegende CD richtig gut. Prog-Freunde werden vielleicht nur bei 2 Titeln auf ihre Kosten kommen (‘Red Sun’, ‘Society’), die ich auch unbedingt als Anspieltipps nennen möchte, der Rest überzeugt aber durch hervorragende Rock-Musik mit nur ganz wenig Easy Listening. Unbedingt reinhören. Mehr Infos über die Band gibt es auf ihrer Homepage.

Primal Fear - Apocalypse (VÖ:10.08.2018)
Seit ich meine Lieblings-Schwaben-Metaller verfolge, und das ist jetzt schon seit ewigen Zeiten, haben sie noch nie auch nur eine ansatzweise schlechte CD heraus gebracht. Und auch wenn sich der Stil in den letzten Jahren (oder besser Jahrzehnten) nicht wirklich verändert hat, kann ich bis heute nicht behaupten, dass Primal Fear irgendwann mal langweilig gewesen wären. Auch diverse Konzert-Besuche waren immer ein richtiges Highlight, auch weil Ausnahme-Sänger Ralf Scheepers die Studio-Leistung locker auch auf die Bühne bekommt oder sie (teilweise) sogar noch toppt.
Um schon mal das Fazit vorweg zu nehmen, auch mit dem neuesten Werk ‘Apokalypse’ setzt sich dieser Trend fort. Nach dem instrumentalen, orchestralen, bombastischen Opener ‘Apocalypse’ folgen 10 Metal-Kracher, angefangen mit ‘New Rise’, das eher in Richtung Speed-Metal geht, über die Video-Auskopplung ‘King Of Madness’, die etwas gemächlicher daher kommt, der sozusagen Quotenballade ‘Supernova’ (mal wieder richtig geil), dem obligatorischen Long-Song ‘Eye Of The Storm’ (immerhin mal wieder fast 8 Minuten lang) bis zum fetten Rausschmeisser ‘Cannonball’. Alles ohne einen Skip-Song. Auch da ... wie immer halt.
Auf der Limited Edition folgen dann noch 3 Bonus-Tracks, von denen ich vor allem ‘Fight Against All Evil’ und ‘My War Is Over’ (Gänsehaut-Ballade einschließlich geilem Gitarren-Solo) richtig genial finde. Dazu gibt es dann auch noch eine DVD mit 2 Videos (King Of Madness, The Ritual) sowie ein Making Of ...
Was soll ich sagen ... auch mit Apocalypse bedienen Primal Fear die Fans zu 100%. Pflichtkauf für Freunde des Genres.

Redemption - Long Night’s Journey Into Day (VÖ:27.07.2018)
Von den von mir bereits besprochenen 2 Outputs von ‘Redemption’, nämlich ‘Snowfall on Judgment Day’ sowie ‘The Art Of Loss’ (siehe meine Reviews) war ich ja so richtig begeistert. Und das lag unter anderem am Mitwirken des Fates Warning Sängers Ray Alder. Nun liegt mir der neueste Output ‘Long Night’s Jorney Into Day’ vor, ich lese mir das Booklet durch und finde als Sänger Tom S. Englund. Ja genau ... der Sänger von Evergrey. Ups ... aber offensichtlich hatte Ray Alder in den letzten 2 Jahren kaum Zeit, sich um die Belange von ‘Redemption’ zu kümmern und weiter mit der Band auf Tour zu gehen und so kam man zu dem Entschluss sich zu trennen.
Der Titel der neuen CD ist somit vielleicht auch ein bisschen auf diese Entwicklung zu münzen, also nach einer langen Dunkelheit kommt wieder Licht (in die Band) ... oder so. Keine Ahnung.
Man darf gespannt sein, ob Tom S.Englund in der Zukunft Zeit haben wird, neben seinem Haupt-Job bei Evergrey auch mit Redemption auf Tour zu gehen. Ich hoffe es echt, denn der Mann, das will ich schon mal vorweg nehmen, macht auf diesem Output einen sensationell guten Job und mir gefällt seine Stimme die gegenüber den Evergrey-Sachen noch gefühlvoller rüber kommt, ausgesprochen gut. Und das würde ich liebend gerne mal live erleben.
Musikalisch hat sich bei Redemption nicht viel geändert (zum Glück), denn Band-Leader Nicolas van Dyk, der auch für die Gitarren und Keyboards verantwortlich ist, hat auch weiterhin das Songwriting in der Hand (bis auf einen Song, nämlich der genialen U2-Cover-Version von ‘New Year’s Day’), wobei ich manchmal den Eindruck habe, dass die Melodie-Linien ein bisschen an den neuen Sänger angepasst wurden, klingt doch manches gesanglich doch etwas nach Evergrey (und das nicht nur wegen der Stimme). Trotzdem sind alle Trademarks der früheren Alben geblieben. Geile, lange, teilweise komplizierte Prog-Metal-Songs, die immer wieder in einen genialen, melodischen Refrain münden. Beste Beispiele hierfür sind der Opener ‘Eyes You Dare NOt Meet In Dreams’ (okay, mit 5 1/2 Minuten fast der Short-Track) sowie das folgende ‘Someone Else’s Problem’ das es auch als Video auf YouTube zu bestaunen gibt. Unbedingt reinhören.
Ganz ehrlich? Ich habe keine Lust, jetzt hier jeden einzelnen Song zu besprechen, denn dieses Niveau geht gerade so weiter ohne eine Sekunde langweilig zu werden und endet mit dem Über-Highlight, dem Titelstück mit schlappen 10 1/2 Minuten. Da wird geproggt bis zum bitteren Ende und jeder der beteiligten Musiker darf ausschweifend zeigen was er drauf hat. Hammer.
Auf der ersten Edition gibt es dann noch 2 Bonus-Tracks, unter Anderem den Radio Edit von ‘Someone Elses Problem’, gekürzt auf knapp 5 Minuten.
Für mich bisher die Prog-Metal-Scheibe des Jahres 2018 und ich befürchte mal, dass nichts Besseres mehr kommen wird. Muss man haben.

Romeo, Michael - War Of The Worlds Pt. 1 (VÖ:27.07.2018)
Solo-CDs von Gitarristen können grausam sein. Da habe ich diverse Beispiele im Regal stehen. Solo-CDs von Gitarristen können aber auch richtig gut sein. Auch hiervon gibt es einige Beispiele.
Nun kommt Saiten-Held Michael Romeo (bekannt natürlich von der genialen Prog-Metal-Band Symphony X) ebenfalls mit einem Ego-Trip daher. Und wie der Titel des Albums schon erahnen lässt, geht das (in Teilen) ein bisschen in Film-Musik. Naja, wenn man den Opener ‘Introduction’ anhört, könnte man echt schon Schlimmes erahnen. Orchestraler Beginn (echt Film-Musik), aber es dauert nicht lange und man kann die Stamm-Band von Herrn Romeo erkennen ... geniales Symphony X - Riffing at it’s best würde ich mal sagen. Und ‘War Of The Worlds Pt. 1’ ist jetzt mitnichten ein instrumentales Album geworden. Denn schon auf dem zweiten Song ‘Fear The Unknown’ kommt Sänger Rick Castellano zum Einsatz, Den Mann kenne ich leider überhaupt nicht, aber er hat etwas von Ronnie James Dio (und der Song hat zwischendurch etwas von Rainbow’s ‘Kill The King’ was vor allem an der Gitarrenarbeit liegt). Könnte auch echt ein Song von Symphony X mit neuem Sänger sein. Richtig geil. Und ähnlich fett geht es weiter. Metallisch (‘Black’), ein bißchen elektronisch (‘Fucking Robots’), das dann zwischendurch beim Refrain nach Dream Theater klingt, leicht orientalisch (‘DJinn’) mit Anleihen an Nightwish (vor allem die Chöre zwischendurch) und einem atemberaubenden Gitarren-Part. Dann eine über 8-minütige Ballade (‘Believe’), bei der vor allem Rick Castellano richtig genial singt, gefolgt von einem Song der wieder eher an die Stamm-Band von Michael Romeo erinnert (‘Differences’). Dann ein bißchen instrumentale Film-Musik (‘War Machine’), Metal-Kracher (‘Oblivion’) und das abschließende ‘Constellations’, das den Hörer noch etwas zur Ruhe kommen lässt und vielleicht noch am ehesten an Prog erinnert.
Noch zu erwähnen wäre vielleicht, dass neben dem Bassisten John Deservio (den kenne ich leider auch nicht) kein Geringerer als John Macaluso an den Drums sitzt, den man ja von diversen Bands wie Ark, Labyrinth, TNT oder auch Jorn kennt.
Insgesamt ist ‘War Of The Worlds Pt. 1’ eine richtig gute, interessante und abwechslungsreiche Scheibe geworden, die ich uneingeschränkt empfehlen kann, weil es eher ein (Prog-) Metalalbum geworden ist und nicht wie der Titel vermuten lässt reine Film-Musik. Gut gemacht und ich freue mich auf Part 2.

Starfish64 - The Future In Reverse (VÖ:11.06.2018)
’Starfish64’ war, wenn man dem Internet Glauben schenken kann, zuerst ein Projekt von Dieter Hoffmann, das jetzt zu einer festen Band zusammengewachsen ist. Die ersten Spuren von ‘Starfish64’ findet man mit der Veröffentlichung des Albums ‘Refugees’ aus dem Jahr 2015, auf dem Dieter Hoffmann noch als einziger Verantwortlicher genannt wurde und mit vielen Gästen das Werk aufgenommen hat. Das folgende ‘An Altered State Of Joy’ (2016) wurde dann schon zusammen mit Henrik Kropp (Drums) und Dominik Suhl (Gitarre, Keyboards) als feste Band-Mitglieder veröffentlicht und hatte wohl, alleine wenn man die Songs heranzieht, einen Stilwechsel zur Folge. Waren auf dem ersten Album noch viele kürzere Songs vertreten, wurde auf dem Nachfolger mehr Wert auf Long-Songs gelegt (alleine der Opener hatte 23 1/2 Minuten zu bieten). Das nun dritte Werk ‘The Future In Reverse’ hat mit Martin Pownall (Gitarre, Vocals, Bass) ein weiteres Band-Mitglied dazu bekommen. Und mit Kass Moody (Bass), Julie Pownall (Vocals), Jan Thiede (Gitarre, Vocals) sowie Simon Triebel (Gitarre, Keyboards) sind weitere Gäste vertreten. Simon Triebel kennt man vielleicht auch als Gitarristen der Band ‘Juli’.
Das Album beginnt mit ‘Yesterday’s Favourite Smile’, einem recht eingängigen, fast poppigem Song mit leichtem Art-Rock-Einschlag. Das folgende ‘Tomorrow In Dark Water’ ist recht ruhig und atmosphärisch mit einem Touch in Richtung alte Genesis, was vor allem an den Keyboards liegt. Dann kommt der erste Long-Song ‘Determination’, mit knapp 13 Minuten zuerst ein bisschen Richtung Pink Floyd (‘Echoes’ lässt grüßen), dann etwas dichter und bombastischer (richtig geil die stets wimmernde Gitarre im Hintergrund) und nach 8 1/2 Minuten recht elektronisch (Erinnerungen an Vangelis werden wach) und wieder zurück Richtung Pink Floyd. Ein sehr guter, abwechslungsreicher Song. Dann mit ‘Molehills’ wieder ein recht kurzes Stück (gerade mal 4 Minuten), wie der Opener eher einfach gestrickt mit Art-Rock-Anleihen. Leider sind wir dann mit ‘Charting An Abyss’ schon am Schluss des Albums angekommen. Doch hier werden auf über 18 Minuten nochmals alle Register des Prog- und Art-Rock gezogen. Keyboard-Teppich, ausufernde, gefühlvolle Gitarre, akustische Parts, richtig gute Melodie-Linien, Breaks und ein schöner Piano-Part am Schluss.
Auch wenn ‘The Future In Reverse’ gerade mal 46 Minuten auf die Beine bringt, ist es meiner Meinung nach im ruhigen Prog-Bereich / Art-Rock / Space-Rock ein richtig gutes Album geworden, das zu keiner Sekunde langweilig wird. Zu kaufen ist das Werk entweder bei Just For Kicks oder direkt über die Bandcamp-Seite von Starfish64. Unbedingt reinhören.

Subsignal - La Muerta (VÖ:25.05.2018)
Subsignal werden ja gerne als Nachfolge-Band von ‘Sieges Even’ bezeichnet, wurde die Band ja im Jahr 2008 rum von den beiden Sieges Even - Musikern Arno Menses (Vocals) und Markus Steffen (Gitarre) gegründet. Meine ersten Erlebnisse mit der Band hatte ich 2009 auf dem Night Of The Prog-Festival auf der Loreley und war mehr als begeistert.
Seit dem letzten Output ‘The Beacons Of Somewhere Sometime’ sind gute 2 1/2 Jahre vergangen und einen kleinen Line-Up-Wechsel hat es wieder gegeben. An den Keyboards sitzt nun Markus Maichel (u.a. auch bei Dante) und hat Luca Di Gennaro abgelöst. Das scheint aber schon länger passiert zu sein, denn auf der letzten Tour die ich von Subsignal (zusammen mit Dante) besucht habe (das muss irgendwann so Anfang 2016 gewesen sein), war Markus Maichel schon an den Keyboards aktiv.
Über das Cover von ‘La Muerta’ möchte ich jetzt mal keine Worte verlieren ... ich mag einfach mexikanische Sugar-Sculls (wie man meinem Profil-Bild auf meinem Instagram-Account entnehmen kann) und das passt natürlich hervorragend zum CD-Titel.
Was auf jeden Fall zu bemerken ist: ‘La Muerta’ ist im Vergleich zum Vorgänger eingängiger, melodischer geworden, was der Musik erstaunlicherweise gut tut und sicher einen breiteren Hörerkreis ansprechen wird. Selbstverständlich bleiben trotzdem die außergewöhnlichen Trademarks der Band, nämlich nach (nicht mehr so ausufernden) komplizierten Parts immer wieder zu einer genialen Melodie und zu einem eingängigen Refrain zurück zu kommen, erhalten. Bestes Beispiel hierfür ist der Track ‘The Bells Of Lyonesse’, der einfach einen traumhaften Refrain hat, der dann auch noch - Gänsehaut garantiert - von Arno Menses mit seiner außergewöhnlichen Stimme selbst in den höheren Lagen absolut sicher interpretiert wird. Das gepaart mit einer genial-gefühlvollen Gitarre. Eines der besten Stücke, die ich jemals von Subsignal gehört habe. Oder nehmen wir das Titelstück ‘La Muerta’. Das ist sowas von typisch Subsignal und hätte auch schon auf dem Erstlingswerk ‘Beautiful & Monstrous’ drauf sein können.
Ich würde jetzt gerne noch ein paar Songs extra herausheben. Das fällt mir aber unheimlich schwer, da wirklich die komplette CD das hohe Niveau hält und es wirklich überhaupt keinen Ausfall gibt. Besonders überzeugt hat mich vielleicht noch ‘Every Able Hand’ wegen den Keyboard-Läufen im Hintergrund, die ich so seit den 80ern von Marillion in ihren besten Zeiten nicht gehört habe. Fast ein bißchen mexikanisches Feeling kommt bei dem (leider zu kurzen) Instrumental-Stück ‘Teardrops Will Dry In Source Of Origin’ auf. Wunderschöne akustische Gitarre. Etwas untypisch für Subsignal ist vielleicht der Song ‘Even Though The Stars Don’t Shine’. Wusste gar nicht, dass die Jungs auch so einen richtig straighten Rocker schreiben können. Für’s Radio leider 1 1/2 Minuten zu lang ... aber könnte echt einen richtig breiten Geschmack treffen.
Ziemlich nahe an das Vorgänger-Album kommt vielleicht der Song ‘The Passage’, mit knapp 7 1/2 Minuten auch das längste Stück und mit vielen langen Instrumental-Parts. Und was für’s Herz gibt es dann noch mit der Abschluss-Ballade ‘Some Kind Of Drowning’ bei der Marjana Semkina (von ‘I Am The Morning’) einen geialen Vocal-Auftritt hat und mit Arno Menses ein sensationelles Duett singt. Und das unterstützt von Markus Jehle (RPWL) am Piano. Gänsehaut zum Schluss. Als weitere Gast-Musiker sind dann noch Kalle Wallner (Gitarre) und Yogi Lang (Keyboards), ebenfalls von RPWL, genannt, die die CD auch sensationell gut produziert haben.
Mit ‘La Muerta’ ist Subsignal ein weiteres Meisterwerk gelungen, das durch die weniger komplexen Song-Strukturen sicher ein noch breiteres Publikum ansprechen werden. Für mich schon jetzt ein heißer Anwärter auf die CD des Jahres 2018. Veröffentlicht wird die CD bei Gentle Art Of Music, mehr Infos gibt es auf der Band-Homepage. Ein erstes Video von ‘Even Though The Stars Don’t Shine’ wurde auch schon bei YouTube hochgeladen. Muss man unbedingt haben.

Tarja - Act II (VÖ:26.07.2018)
Von der Ex-Chanteuse von Nightwish, Tarja Turunen, kann man ja halten was man will ... aber wer auf Sopran-Stimmen im Metal-Bereich steht, wird auf jeden Fall zugeben müssen, dass Tarja hier ganz oben auf der Skala performt. Kein Wunder, als ausgebildete Sopranistin. Ihre Solo-Karriere hatte meiner Meinung nach musikalisch Höhen und Tiefen, doch die letzten 2 Studio-Outputs ‘The Brightest Void’ und ‘The Shadow Self aus dem Jahr 2016 (siehe meine Reviews) gingen eindeutig wieder in die richtige Richtung. Dies war auch der Grund, dass ich die darauf folgende Tour (in Stuttgart) besucht habe. Und ich muss sagen, dass ich mehr als begeistert war.
Von dieser Tour gibt es jetzt ein dickes Paket mit 2 BluRays, 2 CDs und einem 100-seitigen Booklet. Auf den BluRays sind, neben den üblichen Interviews etc. insgesamt 4 Konzerte verewigt. Da wäre zuerst ein recht intimes Konzert mit geschätzten 50 Zuschauern in den Metropolis-Studios in London (ganz nett ... insgesamt 12 Songs), dem Haupt-Konzert aus dem Teatro della Luna Assago in Mailand (das auch auf den 2 CDs drauf ist), dem Auftritt beim Woodstock Festival in Polen sowie Aufnahmen vom Hellfest in Frankreich.
Hauptaugenmerk wurde vor allem auf die Songs der letzten 2 Studio-CDs gelegt (was doppelte Songs der weiteren Live-Veröffentlichungen in der Vergangenheit vermeidet). So kommt man in den Genuss diverser Song-Perlen wie ‘No Bitter End’, Eagle Eye’, ‘Demons In You’, dem Muse-Cover ‘Supremacy’, Innocence’ oder auch ‘Too Many’. Aber auch ältere Songs wie z.B. ‘I Walk Alone’ oder einem kleinen Nightwish-Medley wird genügend Platz eingeräumt. Sound und Bild ist perfekt.
Für Tarja-Fans ist dieses Paket sicher unverzichtbar. Für Neulinge, die die Frau noch nicht kennen, ist es meiner Meinung nach die bisher beste Live-Veröffentlichung.

Temperance - Of Jupiter And Moons (VÖ:20.04.2018)
Symphonic Metal aus Italien häuft sich gerade ein bißchen auf meiner Homepage. Mit meinem letzten Update habe ich ja schon ‘Sleeping Romance’ und ‘Secret Rule’ besprochen. Und jetzt kommt mit ‘Temperance’ gleich die nächste Band aus diesem Genre auf meine Seite. Warum ist das so? Nun, neben meinem Faible für Prog-Rock und Prog-Metal gehe ich liebend gerne auf Symphonic Metal Konzerte und dabei so oft es geht zu meiner Lieblings-Band aus diesem Bereich, Serenity. Und im Rahmen der Symphonic Metal Nights im Frühjahr 2018 sind neben dem Top-Act Serenity eben noch die genannten 2 Bands aufgetreten, die ich beide richtig gut fand. Nun gehen die Symphonic Metal Nights im Herbst in eine zweite Runde und neben Serenity und Visions Of Atlantis die auch schon im Frühjahr dabei waren, gibt es 2 neue Opener. Nämlich Dragony (die Band von VoA-Sänger Siegfried Samer) sowie eben auch Temperance. Und da man sich ja ein bißchen einhören muss, habe ich mir den aktuelle Output ‘Of Jupiter And Moons’ gegönnt. Und ich muss sagen, die Band passt hervorragend zum restlichen Line-Up. Trademarks der Band sind - neben natürlich bombastischen, melodischen Songs mit Refrains zum mitgröhlen - 2 außergewöhnliche Vocalisten namens Alessia Scolletti und Michele Guaitoli. Und somit ist auch klar, dass durch diese Kombination weiblicher und männlicher Gesang eine gewisse musikalische Nähe zu Visions Of Atlantis nicht zu verleugnen ist. Dies merkt man an so Songs wie ‘The Last Hope In A World Of Hopes’, ‘Broken Promises’ oder auch dem Titelstück, die ich gleichzeitig auch als absolute Highlights der CD bezeichnen will. Geniale Melodien, eingängige Refrains, genügend Bombast, Keyboard-Teppich, fette Gitarren-Riffs. Richtig cooler Symphonic Metal. Aber auch die anderen 7 Songs stehen in der Qualität auf der gleichen Stufe. Nicht ein Ausfall oder Lückenfüller.
Besonders herausheben möchte ich vielleicht noch den Song ‘Alive Again’ (Gänsehaut-Melodie) sowie die Power-Ballade ‘Empires And Men’ Und auch der Rausschmeißer ‘Daruma’s Eyes Part 1’ ist etwas außergewöhnlich, denn selbst über 7 Minuten Symphonic Metal können richtig abwechslungsreich sein.
Wer auf das Genre Symphonic Metal steht, sollte Temperance unbedingt antesten. Tolle Neuentdeckung. Mehr Infos gibt es auf ihrer Homepage. Und wer weiß, vielleicht sieht man sich im Herbst auf einem Konzert im Rahmen der Symphonic Metal Nights. Ich werde auf jeden Fall in Stuttgart und Wien dabei sein. Eventuell noch ein oder zwei weitere Konzerte.

Tumble Town - Never Too Late (VÖ:21.05.2018)
Tumble Town ist ein Projekt von Han Uli (Seven Day Hunt, Antares), Aldo Adema (Egdon Heath, Seven Day Hunt) und Erik Laan (Silhouette). Zumindest die zwei genannten Bands ‘Egdon Heath’ und ‘Silhouette’ sind mir noch aus den 90ern als lupenreine Prog-Bands bekannt. ‘Seven Day Hunt’ scheint so etwas wie die Nachfolge-Band von ‘Egdon Heath’ zu sein, beide Musiker verließen aber diese Band im Jahr 2009 um sich entweder Solo-Projekten zu widmen (Han Uli) oder sich als Producer zu versuchen (Aldo Adema als Produzent bei Silhouette). Auf einem Solo-Album von Han Uli gab es dann eine Zusammenarbeit bei einem Song mit Aldo Adema und dabei beschloss man dann, ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen. Die Geburtsstunde von Tumble Town. 2013 wurde dann das erste Album (Done With The Coldness) veröffentlicht, auf dem Erik Laan als Gast-Musiker an den Keyboards dabei war. So also die aktuelle Besetzung plus Erik’s Sohn Arjan an den Drums.
Die Altmeister der niederländischen Prog-Szene liefern mit ‘Never Too Late’ auf jeden Fall ein richtig gutes Prog-Album ab, das zwischen Retro- und Neo-Prog stilsicher wandelt. Ausufernde Instrumentalparts mit mal wimmernder, mal härterer Gitarre, viel Keyboard-Teppich, manchmal Gesang der eher an Steven Wilson / Porcupine Tree erinnert. Es gibt 2 herausragende Long-Tracks, nämlich ‘Transatlantic’ mit über 11 Minuten und ‘All Because Of Me’ mit knapp 8 1/2 Minuten, auf denen die musikalischen Wurzeln (eben Egdon Heath bzw. Silhouette) mehr als deutlich heraus kommen, es gibt eine Art Ballade mit ‘Avalon’ mit richtig geilen Gitarren-Parts, die auch wieder an genialen Prog des letzten Jahrtausends erinnern lassen.
Insgesamt ist ‘Never Too Late’ richtig viel Prog der 90er, der wirklich sehr gut gemacht ist und es freut mich ungemein, dass es noch Bands (oder besser Projekte) gibt, die dieses Genre auf so eine herausragende Weise hin bekommen. Viele Bands die das versuchen, langweilen mich eigentlich sehr (Flower Kings, Karmakanic und wie sie alle heißen), bei ‘Tumble Town’ fand ich jede Minute spannend. Proggies können auf jeden Fall zugreifen. Mehr Infos über die Band gibt es auf ihrer Homepage.

Twenty Four Hours - Close - Lamb - White - Walls (VÖ:25.10.2018)
Twenty Four Hours (TFH) ist die vielleicht älteste Psychedelic-Prog-Band in Italien. Bereits im Jahr 1982 gegründet wurde 1991 das erste Album ‘The Smell Of The Rainy Air’ in Eigenproduktion aufgenommen. 1994 folgte das zweite Album und seit dem Jahr 1999 ist die Band beim französischen Prog-Label ‘Musea’ unter Vertrag und hat dort ebenfalls schon diverse Alben veröffentlicht.
Mit ‘Close - Lamb - White - Walls’ gibt es nun die bereits sechste Studio-Veröffentlichung. Wie der Name schon etwas vermuten lässt, gibt es hier auf diesem Doppel-Album eine Hommage an 4 historische Meisterwerke, nämlich ‘Closer’ (von Joy Division), ‘The Lamb Lies Down On Broadway’ (Genesis), das ‘White Album’ (Beatles) sowie ‘The Wall’ (Pink Floyd). Ziemlich hohe Hürden würde ich mal sagen.
CD 1 beginnt mit dem Song ‘77’, der eher ein bisschen an King Crimson erinnert, die letzten 2 Minuten dann aber herrliches Battle zwischen Gitarre und Hammond-Orgel bietet. Schon mal ein richtig guter Einstieg. Das nächste Stück ‘Broken Song’ bringt dann ein Pink Floyd - Feeling rüber. Allerdings nicht wie gedacht aus der ‘The Wall’ - Zeit sondern eher früher (das erinnert mich eher an ‘The Dark Side Of The Moon’). Richtig guter Track. Ausufernde Gitarren dann bei ‘Embryo’, einem Pink Floyd - Cover. Geht runter wie Öl. Nach dem recht kurzen ‘What Use’ folgt dann mit ‘All The World Needs Is Love’, das zuerst recht gemächlich und ruhig beginnt (und mich vom Gesang her ein bißchen an ‘Clepsydra’ erinnert) um dann nach knapp 4 1/2 Minuten in ein ausuferndes Gitarren-Solo zu münden und mit Saxophon-Klängen zu enden. ‘Intertwined’ ist dann ein eher ‘merkwürdiger’ Song mit Sprachgesang, vielen elektronischen Klängen und Violine. Es folgt dann mit ‘Urban Sinkhole’ der Abschluss von CD 1, einem 10-minütigen Song mit treibendem Rhytmus, ein paar richtig guten Breaks und tatsächlich ein paar Anleihen an ‘The Lamb Lies Down On Brodway’:
CD 2 steht am Anfang ebenfalls ganz im Zeichen von Genesis. Denn ‘Adrian’ (manchmal klingt die Stimme echt ein bißchen nach Peter Gabriel) und vor allem ‘Supper’ Rotten’ (15 1/2 Minuten !) lassen echt Erinnerungen wach werden. Die restlichen 3 Songs sind dann, mit Ausnahme von ‘She’s Our Sister’ nicht ganz so mein Fall, wobei der Schluss von ‘What Use’, dem Abschluss-Stück des Albums, dann doch wieder richtig interessant ist.
Fazit: Mit ‘Close - Lamb - White - Walls’ haben ‘TFH’ ein richtig interessantes Doppel-Album abgeliefert, das Prog-Freunde auf jeden Fall gehört haben müssen. Anleihen an Pink Floyd (aber leider nicht an ‘The Wall’) und Genesis sind ganz sicher vorhanden, die Beatles höre ich (zum Glück) nicht raus und mit Joy Division habe ich mich in meiner Karriere noch nicht beschäftigt. Mehr Infos auf der Homepage der Band.

Unkh - Innerverse (VÖ:28.05.2018)
Die niederländische Prog-Szene ist einfach unermesslich. Immer wieder erstaunlich, welch interessante Bands man da entdecken kann. Wie z.B. ‘Unkh’. Bestehend aus 4 Jugend-Freunden, die schon immer dem Prog zugetan waren und eine Band auf die Beine gestellt haben. Im Jahr 2014 haben sie schon einmal ein Album (‘Traveller’) heraus gebracht, so wie ich gelesen habe ein Stil-Mix aus 70er Prog und 80er New Wave. Es folgten Touren mit ‘Frequency Drift’ und ‘Anima Mundi’ und jetzt mit ‘Innerverse’ ein weiteres Album.
Lediglich 5 Songs sind auf der CD vertreten, darunter allerdings 2 geniale Long-Tracks. Das beginnt mit dem Opener ‘Paranoid Void’ mit knapp über 10 Minuten. Der Song ist sehr elektronisch gehalten, hat aber auch ein paar richtig gute Gitarren-Parts. Dazu teilweise mehrstimmiger Gesang und einen genialen Rhythmus. Richtig cooler Song, wenn man auf elektronischen Prog steht.
Danach folgt ‘Deep’, eingeleitet mit Piano-Klängen, dann Keyboard-Teppich und verzerrte Gitarre, harte Gitarren-Riffs ... ein instrumentaler Retro-Progger im modernen Gewand. Das folgende ‘The Showcase’ erinnert mich leider zu sehr an die Beatles (die ich ja nicht wirklich mag). Hätte auf dem ‘Weißen Album’ sein könnnen. Ein bisschen schräg alles, aber nett gemacht.
Der kürzeste Song ‘Slumber’, gerade mal 3 Minuten lang, ist von der Grundstimmung her etwas von ‘The Carpet Crawlers’ (Genesis) geklaut (also Gesang plus Tastenbegleitung gehen einfach voll in die Richtung).
Und dann folgt mit ‘Dreamcatcher’ schon der Abschluss-Song, dieser allerdings gut 19 Minuten lang. Und das ist Retro-Prog at it’s best. Geniale Instrumental-Parts, eine unglaubliche Steigerung des Songs innerhalb der ersten 12 Minuten bis zum Bombast und richtig fetter Gitarre, dann wieder ruhig, elektronisch, vertrackt und mit einem hammermäßigen Schluss. Eindeutig das Herzstück und der beste Song des Albums.
Wer auf elektronisch angehauchten (Retro-) Prog steht, sollte ‘Innerverse’ auf jeden Fall im CD-Regal haben. Ziemlich eigenständiges Album, das eigentlich mit keiner anderen Band aus dem Genre vergleichbar ist. Unbedingt antesten. Mehr Infos gibt es auf der Band-Homepage.

 

BuiltWithNOF
[Index] [CD-Kritiken] [Neue Kritiken] [A - C] [D - E] [F - H] [I - L] [M - O] [P - R] [S - T] [U - Z] [HRC-Shirts]